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7. Stromlos in Romita di Cesi

Veröffentlicht: 21.04.2025

Nach dem recht aufregenden gestrigen Tag, haben mich ein paar Gäste überredet, noch länger zu bleiben. (So ganz lang mussten sie mich gar nicht überreden.) Dann gibt es halt heute keinen Wanderbericht, sondern einen Eindruck, wie man sich das Leben auf der Romita di Cesi vorstellen kann. 

Aktuell sind etwa 30 Gäste da, vom Kindes- bis zum Rentenalter, gut durchmischt. Ein Drittel der Gäste sind Pilger. Alle anderen kamen irgendwann einmal als Pilger vorbei und haben sich in dieses Haus so sehr verliebt, dass sie immer wieder ihre Urlaube verbringen, um gemeinsam zu arbeiten, zu essen und zu singen.

Wie man sich einbringt, entscheidet jeder der Gäste für sich. Essen und Unterkunft sind frei. 

Kinder und Pilger haben einen Sonderstatus, sie müssen sich an keiner Arbeit beteiligen, Verpflegung und Unterkunft sind auch für sie frei. Man kann aber etwas spenden. Wenn alle, Gäste wie Pilger an einem der beiden 10 Meter langen Tischen sitzen, gibt es ein gemeinsames Lied und dann dürfen als erstes die Kinder Essen fassen, danach die Pilger, die als letztes angekommen sind, dann alle anderen Pilger und zuletzt die (aktiven) Gäste.

Gegründet hat das Projekt ein Franziskaner-Bruder, Frater Bernardino, in den 1990er Jahren. Er mietete eine riesengroße Ruine an und baute sein Leben lang daran, zusammen mit freiwilligen Helfern. Er ist mittlerweile gestorben, nun betreibt das Haus eine junge Frau, mit Namen Salome. Die Prinzipien sind nach wie vor dieselben. Alles finanziert sich nur durch Spenden.

Seit mehr als 30 Jahren funktioniert dieses Modell. Bemerkenswert ist: Alle Gäste und alle Pilger die ich gestern und heute erlebt habe, sind gut drauf, sympathisch und unkompliziert.  Jeder fühlt sich irgendwie für alles verantwortlich. Ein echtes Phänomen wie ich finde. 

Interessant fand ich das Gespräch mit einem jungen christlichen Palestinenser aus Nazaret. Er zeigte mir nach meinem Ankommen alles Wichtige. Ich fragte ihn (noch unwissend), ob er hier arbeite. Er antwortete mir, niemand arbeite hier, jeder tue nur das, was ihm Freude mache.

Dass so viele unterschiedliche Menschen an dem Priojekt "Romita" mitgewirkt haben, erkennt man an allen Ecken und Enden, draußen wie drinnen. Originelle Lösungen, gemütliche Ecken, kunstvoll Gepaartes. Und überall der Gemeinschaftsgedanke: riesengroße Esstische in die Küche integriert, in mehreren Räumen offene Kamine, im Garten kleine Ruheinseln, verwitterte Balken als Zuschauerbänke.

Was man aber auch wissen muss: Auf Romita gibt es keinen Komfort, kein warmes Wasser, keine Heizung, Licht nur in dem einen großen Raum und in den Toiletten, eine einzige Dreifachsteckdose für das alle Gäste um Handy oder Stirnkampen aufzuladen. Wer eben noch gedacht haben sollte: "Prima, da will ich auch hin!", wird beim letzten Satz vielleicht entsetzt einen Rückzieher machen. 

Kann ich verstehen, auch ich überlege gerade, ob ich wirklich diesen Beitrag für den Blog scheibe. Ich muss ja nachher wieder mein Handy an der einzigen Dreifachsteckdose im Haus aufladen. 

Was mir aufgefallen ist: Von der Dreifachsteckdose sind immer Buchsen frei. Komisch, was? Brauchen die Leute hier keine aufgeladenen Handys?

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
KulturellAbseits der PfadeEntspannend
  • Romita di Cesi als gemeinschaftliches Haus mit Pilgern und Gästen
  • Essen und Unterkunft sind frei und werden durch Spenden finanziert
  • kein Komfort, kein warmes Wasser, keine Heizung, nur sehr eingeschränkter Strom
  • Blick über das Tal und die umliegende Landschaft
HandyStirnlampe
KulturGeschichteNatur
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Antworten (1)

Maxvor mehr als 1 Jahr
Liebe Maria, das ist sehr spanend, dieses große, gemeinsame Projekt. Wäre ich gerne mit Hand, Kopf und Herz dabei. LG von der Elbe, Ulli Und weiterhin alles Gute beim Pilgern!