7. Stromlos in Romita di Cesi
Nach dem recht aufregenden gestrigen Tag, haben mich ein paar Gäste überredet, noch länger zu bleiben. (So ganz lang mussten sie mich gar nicht überreden.) Dann gibt es halt...


Veröffentlicht: 22.04.2025
Ich verlasse die Romita, die Einladung, doch noch zu bleiben, habe ich nicht angenommen. Mein Thema ist das Wandern, auch wenn ich die gemeinsamen Stunden in dieser Gruppe sehr genossen habe.
Es gab einige gute Sängerinnen und Sänger und eine Reihe von Instrumenten und dazu auch die musikalischen Begabungen. Auch die Andachten und Gottesdienste waren sehr berührend. Immer wenn der traditionelle Ostergesang "E la Pasque del Signore" angestimmt wurde, fühlte ich mich in die Zeit von Taize zurückversetzt.
Nun bin ich wieder unterwegs, eine Stunde bergab, zwischen Wälder und Felsen hindurch. Dann ändert sich die Landschaft schlagartig. Die Berge sehen fast aus wie due bayerischen Ausläufer der Alpen. Ein beschauliches typisches umbrisches Bergdorf, Cesi, passiere ich noch, bevor ich ins Tal komme.
Und hier entdecke ich eine der reizvollsten Bars, die ich ich seit Florenz erlebt habe. Ein kleiner Laden mit alter Einrichtung, in dem es alles Wichtige zu kaufen gibt. Eine winzige Terasse mit zwei kleinen Tischchen. An einem der beiden sitze ich und erzähle gerade meiner Tochter am Telefon von meinen Verirrungen im Wald auf dem Weg zur Romita di Cesi. Da schwebt vor meinen Augen ein Flyer herunter, der auf dem Tisch zum Liegen kommt. Darauf steht: "... Ziele ergehen und erreichen, mit Wander-/Pilgerführer Hermann".
Ein österreichischer Wanderführer hat mein Gespräch gehört und gleich gehandelt. Er, seine Begleiterin und ich können uns vor Lachen kaum mehr beruhigen.
Der Rest der Wanderung ist gar nicht mehr so recht zum Lachen. Ich muss durch Terni hindurch zu meiner Unterkunft. Terni hat den Charme des Wuppertaler Bahnhofsviertels. Es gibt nichts Besonderes zu sehen, und ich kann meine Aufmerksamkeit ganz meiner Uhr widmen: "Was, schon wieder sind nur drei der angekündigten 90 Minuten vergangen?"
Dann wird es doch noch abwechslungsreich. Ich muss unter der Autobahnbrücke hindurch. Leider hat man dafür nur die innerstädtische Schnellstraße vorgesehen. Von einem Fußweg sehe ich weit und breit nichts. Davor noch die Autobahnauffahrt, danach ein großer Kreisel. (Das wäre schon mal ein Fall für Wanderführer Hermann). Ich Kämpfe mich erst durch den begleitenden Grünstreifen neben der Autobahnauffahrt. Hüfthohes Unkraut macht das Fortkommen fast unmöglich. Danach muss ich auf die Schnellstraße und möglichst schnell unter der Autobahn hindurch. Aber wie weise von der Stadt Trevi: gleich neben der Schellstraßen-Unterführung-ohne-Fußgängerweg ist die Unfallklinik.
Im unmittelbaten Nahkampf mit italienischen Autofahrern auf der Schnellstraße habe ich eine bewährte Taktik: Ich fahre meine Wanderstöcke seitlich aus, mit den Spitzen Richtung Autolack. Das hilft gewöhnlich gut, um mir Respekt zu verschaffen.
Zuletzt muss ich nur noch irgendwie über den Kreisel unbeschadet kommen und dann noch relativ gefahrlos das Industriegebiet durchwandern. Es folgen zwei etwas verwirrende übereinanderliegende und gegeneinander verlaufende Fußgängerüber-und-Unterführungen zur Über- bzw. Unterquerung eines Kreisels und eines Bahngleises. Eine hervorragende Raum-Lage-Übung.
Zuletzt kommt noch die Baustelle, die mir den Zugang zu der von mir gewünschten Straße verwehren will. Auch hier setze ich mich durch und bin auch fast schon gleich da.
Morgen früh nehme ich den Bus.
