Ich hab heute keine Erwartungen und lasse den Tag einfach auf mich zukommen. Um 8:30uhr geht es dann los. Die ersten Kilometer entlang der Landstraße zeigt sich schon der Eindruck, dass ich im Weinbaugebiet, dem "Bierzo" angekommen bin.
Als es die erste Alternative Route für heute gibt, entscheide ich mich für diese. Weg von der Straße, über die Weinberge. Anstrengender ohne Frage, aber es wird von Schritt zu Schritt schöner. Auf dieser Strecke sehe ich auch kaum Pilger, da sie länger und hügeliger ist und die meisten sich für die kürzere Variante, entlang der Landstraße, entscheiden. Entlang der unzähligen Weinberge geht es über Feldwege weiter und weiter. Nur ein kurzer Durchmarsch durch das kleine Örtchen Valtuille de Arriba, unterbricht das Landschaftsbild. Erst als die beiden Wege, kurz vor Villafranca, wieder zusammenführen, macht es sich auch an der Anzahl der Pilger bemerkbar. Gegen 10:30uhr komme ich dann in Villafranca an. Es ist eine kleine Stadt und eines der planmäßigen Etappenstationen. Ich allerdings trinke nur kurz etwas und mache mich realtiv zügig wieder los. Ich fühle mich richtig gut heute und meine Beine sind bis hierhin top fit und machen gar keine Probleme.
Am Ortsausgang dann ditekt die nächste Wahl zwischen zwei Varianten. Die erste, die von fast allen gewählt wird, geht 9km flach entlang der Landstraße. Die zweite, geht 9km lang und 500 Höhenmeter bergauf, um danach 2km lang die 500 Höhenmeter wieder hinunter zu gehen. Also länger und anstrengender.Ich entscheide mich für die zweite Variante über die Berge, weil ich mich top fit fühle und ich die Berge liebe.
Kleine Warnung an dieser Stelle für Pilger die noch hier hin kommen: Nur die Bergroute wählen, wenn man wirklich fit und ohne Schmerzen ist!!!
Die beste Entscheidung des Tages, wie sich später herzustellen wird. Auf den ersten Metern geht es sehr sehr steil hoch. Hier sehe ich noch ein paar verzweifelte Pilger die auf ihren Handys oder Büchern nach dem richtigen Weg schauen oder mich auch danach fragen. Es kommen mir andere auch schon entgegen, denen es zu steil ist. Und es ist nur der Anfang 😅Nach ein paar hundert Metern soll es das mit Pilgern treffen für heute fast gewesen sein. Nur ein brasilianisches Pärchen überhole ich relativ zügig. Ich bin mit meinen Stöcken sehr schnell unterwegs. Ich setze sie richtig ein und drücke mich sehr viel aus den Armen heraus nach oben/vorne. Der Untergrund ist fast die ganze zeit Fels oder Geröll und ab und zu an den etwas flacheren Stellen auch Erde. Relativ schnell bin ich ziemlich hoch und habe wunderschöne Sichten über die Stadt und die Region. Aber es ist auch unfassbar anstrengend. Die Aussicht wird immer Eindrucksvoller. Ich esse an den flacheren Stellen meine Bananen und Energieriegel und trinke sehr viel. Es ist natürlich wieder auch sehr heiß heute und die Sonne knallt. Nach 2 1/2 Stunden Aufstieg, bin ich wie aus dem Nichts im kleinen Bergdörfchen Pradela.
In der einzigen Bar dort esse und trinke ich was und treffe auf drei weitere Pilger. Zwei ziehen direkt weiter und die dritte spricht mich an, ob ich Luis bin. Sie ist Christa aus Wyoming und kennt auch Julie aus Dänemark, die ich vor ein paar Tagen getroffen hatte. Wir kommen ins Gespräch und gehen den weiteren Weg, bis runter ins Tal auch zusammen. Da es sehr steil ist, ist es besser nicht alleine unterwegs zu sein. Im Tal angekommen, verbinden sich beide Varianten wieder. Wir Trinken kurz was und gehen dann weiter, der Straßeund dem Fluss entlang. Nach einer kurzen Zeit ist Mikel (ursprünglich hatte ich mal Marco geschrieben) aus
Neuseeland hinter uns. Mikel habe ich jetzt schon einige Male getroffen. Das erste mal im Zug nach Saint Jean. Trotz seiner 68 Jahre ist er sehr zügig unterwegs.
Langsam waren meine Beine müde und ich beschließe im nächsten Ort zu bleiben. Mikel schließt sich mir an und wir kriegen direkt in der ersten Herberge noch zwei Betten. Christa geht weiter. Sie möchte in einen Ort in 6km Entfernung übernachten.
Nachdem ich geduscht habe, wollte ich waschen. Was hier in der Unterkunft die Hospitsleros für 6€ komplett übernehmen. 🙏
Ich bin heute etwas näher an O Cebreiro rangekommen, als ich ursprünglich dachte. Somit habe ich morgen nur 6 flache Kilometer und anschließend 9 steile Kilometer mit 800 Höhenmetern bis O Cebreiro. Dort werde ich dann entscheiden, ob mir der kurze Tag mit dem Aufstieg reicht oder ich weitergehe.
Kosten des Tages:
Unterkunft 12€ Frühstück 5€Verpflegung auf dem Weg 12€Abendessen ??