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Endlich ist es so weit - die größte Wanderung unserer Reise steht bevor. Weil wir allerdings keine gscheiden Wanderrucksäcke dabei haben, fragen wir im Ort nach, ob wir welche ausleihen können. Im 55 Peaks können wir uns einen 45 Liter Rucksack ausleihen. Man bekommt hier übrigens jegliche Bergausrüstung zur Leihe. Die Besitzerin Monika erklärt uns außerdem noch alle möglichen schönen Wanderrouten von unserem Refuge aus, nachdem sie vorher abgeklärt hat, ob wir öfter in den Bergen unterwegs sind. Monika legt uns ans Herz, die kurze Zeit so gut wie möglich zu nutzen, "weil es sooo schön ist dort oben". Das steigert unsere Vorfreude noch einmal enorm, und wir beschließen auf jeden Fall ihre Ratschläge zu beherzigen. Nach einem kurzen stärkenden Abendessen gehen wir zurück in unser schönes Airbnb-Zimmer, um zu packen. Wir beide sind super aufgeregt vor Vorfreude, weswegen wir eher unruhig schlafen in der Nacht. Um 7 Uhr klingelt unser Wecker, damit wir möglichst vor der großen Hitze am Refuge A ankommen. Wir stärken uns noch mit Porridge und machen einen kurzen Geburtstags-Anruf bei Marianne. Dann wollen wir aber wirklich los! Am Hauptplatz in Litochoro warten die Taxis schon darauf, uns zum Startpunkt in Prionia (1100m Höhe) zu fahren. Für 25€ werden wir über die kurvige Bergstraße hoch gebracht. Dann können wir endlich starten!

Obwohl es erst 9.20 Uhr ist, brennt die Sonne schon ziemlich heiß runter. Deswegen sind wir froh, dass der Weg erst einmal durch den Wald führt. Unser gemeinsamer Rucksack ist echt super schwer (Holla was haben wir denn da alles rein gepackt?!). An der einzigen Wasserstelle auf dem Weg legen wir unsere erste Trinkpause ein. Wir sind schon ganz schön verschwitzt und das steilste Stück liegt noch vor uns. Gut, dass wir den Rucksack nur bis zum Refuge A Spilios Agapitos auf 2100m Höhe tragen müssen XD. Noch im Wald kommt uns ein einzelnes Maultier entgegen gerannt. Wir springen vorsichtshalber mal lieber zur Seite, das hat nämlich ein ganz schönes Tempo drauf. Ob das wohl unser Essen auf die Hütte gebracht hat? Der Pfad wird steiler, aber bleibt die ganze Zeit über sehr gut ausgebaut und begehbar. Wir befinden uns übrigens auf dem E4-Wanderweg. Je näher wir der Hütte kommen, desto häufiger können wir einen atemberaubenden Blick auf die Gipfel des Olymp und das Meer gegenüber erhaschen. Nach 5,6 km und 920hm kommen wir an unserem Refuge für die Nacht an. Wir machen eine Brotzeit-Pause an der Hütte. In Spilios Agapitos gibt es Wasserknappheit, da nur Schmelzwasser zur Verfügung steht. Deshalb bringen die Maultiere unter anderem auch Wasserflaschen nach oben, da viele das Schmelzwasser nicht trinken wollen. Die Hütte ist sehr groß und bietet unter normalen Umständen 110 Schlafplätze. Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr herrscht Nachtruhe und das Licht wird abgeschaltet. Man kann hier sogar mit Karte zahlen und es gibt WiFi. Ziemlich moderne Hütte!
Wir fragen Maria, die deutsche Pächterin der Hütte, nach dem Weg, der uns im 55 Peaks empfohlen wurde. Auch sie fragt uns nach unserer Erfahrenheit und beschreibt den Weg zum Plateau der Musen wie folgt: der Steig ist sehr schmal und weniger gut hergerichtet wie der E4; an einigen Stellen muss man aufpassen, weil es sehr abschüssig ist; einmal muss man etwa 5 Meter die Hände benutzen. Wir beschließen es auf jeden Fall zu versuchen - sollte machbar sein für uns. Wir entleeren unseren Rucksack auf das Nötigste - ui viel angenehmer.
Nach der Pause brauchen wir ein bisschen, um wieder in den Tritt zu kommen. Wir folgen noch 5 Minuten dem E4 und biegen dann nach rechts ab auf den "Shortcut" zum Refuge C. Der Weg wird gleich schmaler, aber es gibt trotzdem noch gute Tritte. Zuerst begegnen wir niemandem, bis immer mehr uns entgegen kommen. Einige kommen uns entgegen uns rutschen ziemlich - wir sehen, was gutes Schuhwerk ausmachen kann und sind froh über unsere Wanderschuhe. Der Pfad gefällt uns sehr gut. Unterhalb des Mytikas wir er sogar noch ein bisschen spannender. Schritt für Schritt steigen wir am beeindruckenden Felshang entlang - links gehts rauf, rechts gehts runter. Die 5 Meter "kraxeln" machen besonders Spaß. Nach einer kleinen Scharte kommen wir auf das Plateau der Musen. Auch hier liegen zwei weitere Hütten, Posos Apostolidis und Christos Kakkalos. Auf einem Felsvorsprung vor Christos Kakkalos machen wir wieder Brotzeit und genießen die tolle Aussicht in das steile Tal. Wow, der Weg hat sich echt gelohnt! Hinter uns thronen Skala, Mytikas und Stefani. Damit wir zu einer annehmbaren Zeit wieder zurück kommen, müssen wir uns jetzt aber wieder auf den Rückweg machen. Wir nehmen den längeren Weg unterhalb der Gipfel zurück zu unserem Refuge. Dafür müssen wir nochmal 100 Meter aufsteigen und können dann wieder schön an einem Grat entlang wandern. Das alpine Gelände zeichnet sich hier teilweise durch losen Untergrund aus. Schon am Mytikas vorbei treffen wir auf einmal auf eine Gams. Auch als wir näher kommen, lässt sie sich nicht von ihrer Mahlzeit ablenken. Dadurch können wir einige tolle Bilder schießen. Unsere Begeisterung lässt nicht nach. Monika hatte sowas von Recht, wir haben den Tag perfekt genutzt! Unsere Wanderung am Nachmittag waren noch einmal 7,3km und knapp 700hm rauf und runter. Dementsprechend hungrig kommen wir wieder an der Hütte an. Wir gönnen uns eine große Portion Spaghetti mit Tomatensoße und ein selbstgemischtes Radler. Haben wir uns auch verdient! Beim Abendessen unterhalten wir uns sehr nett mit einem schottischen Paar, die am nächsten Tag auf den Mytikas steigen wollen. In unserem Bettenlager treffen wir noch zwei Studenten aus Innsbruck, mit denen wir uns sehr gut verstehen. Weil wir den Sonnenaufgang über dem Meer sehen wollen, stellen wir den Wecker auf 5.45 Uhr. Ein weiterer Gast in unserem Matratzenlager entschuldigt sich noch, dass er morgen schon um 6 Uhr aufstehen wird - das ist zwar nett, macht aber doch jeder?! XD.

Pünktlich zum Sonnenaufgang stehen wir auf der Terrasse und blicken ins Tal. Es ist zwar diesig, aber der Sonnenaufgang ist trotzdem wunderschön. Obwohl wir die ersten sind, die aufstehen, starten wir erst, nachdem bestimmt schon die Hälfte der Leute los gegangen ist. Aber wir mussten ja auch noch einen Olympus-Tee trinken und ein Stück Tsoureki essen. Die Innsbrucker Alina und Stefan bieten an, dass sie uns mit dem Auto von Prionia wieder mit ins Tal nehmen können. Allerdings starten sie deutlich früher als wir - hm das wird wohl nichts mehr...oder doch? Wir sind völlig überrascht, als wir sie nach 220hm wieder treffen. Sie machen Pause an einer Steinbank, die an der Weggabelung Skala-Skolio-Mytikas und Refuge C-Seo liegt. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf das Tal und das Meer. Der Bergwanderweg E4 führt uns wieder über alpines Gelände und teilweise losen Untergrund zum ersten Gipfel Skala (2866m). Der Blick auf den Mytikas ist mehr als beeindruckend. Wir sehen einige Menschen an der Wand hängen und sich abmühen (kommt leider auf den Bildern nicht so rüber). Einige kommen wieder zurück, darunter auch das schottische Ehepaar. Die ein oder anderen scheinen den Weg unterschätzt zu haben und ein Helm wäre sicherlich von Vorteil. Es tut uns leid für die enttäuschten Rückkehrer. Wir hatten uns davor schon auf die Gipfel Skala und Skolio geeinigt. Also steigen wir nochmal wenige Meter ab, um auf den zweithöchsten Gipfel Skolio zu steigen (2911m). Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die Gipfelkette Stefani-Mytikas-Skala. Die Gebirgslandschaft außenrum ist sehr weitläufig und von einem samtenen Grün überzogen. Wir sind die ersten, die sich heute in das Gipfelbuch eintragen. Nach uns kommen zwei Belgier an, denen wir auf dem Weg nach oben schon immer wieder begegnet sind. Ihnen gefällt das mit dem Gipfelbuch, und sie setzen ihren Eintrag direkt unter unseren.
Langsam wird auch der Skolio-Gipfel immer voller und wir treten den Rückweg an. Außerdem wollen wir ja auch noch mit Alina und Stefan nach unten fahren. Wir sind uns nicht sicher, wie viel Vorsprung die beiden haben, deswegen schauen wir nochmal am Skala-Gipfel vorbei. Der ist mittlerweile ganz schön voll. Für uns geht es über die rutschigen Kieselsteine wieder nach unten. Langsam wird es auch hier oben ganz schön heiß. Wir sind erstaunt darüber, wie viele Leute so spät noch starten. Auch heute begegnen wir auf dem Weg wieder einigen Gämsen, die sich von den vielen Menschen nur wenig beirren lassen. Kurz vor der Hütte holen wir Alina und Stefan wieder ein - perfekt, dann können wir zusammen Brotzeit machen! Es gibt eine leckere Bohnensuppe und unser restliches Brot dazu. Boah das tut gut! Wir unterhalten uns sehr gut mit den beiden, aber irgendwann wird es Zeit den Rückweg anzutreten - wir können ja auf dem Weg nach unten noch weiter quatschen. Unsere Erinnerung sagt uns, dass wir uns nicht mehr einschmieren müssen, weil wir den Großteil im Wald gehen. Hm falsch gedacht - bestimmt die Hälfte des Wegs scheint die Sonne direkt auf uns runter. Am Rückweg begegnen uns auch wieder viele Leute, die nach oben gehen. Einige davon sind auch geführte Touren. Langsam kommen wir durcheinander mit den vielen Begrüßungen: wir hören alles von Kalimera über Hello bis Grias eich. Da kann einem schon mal ein Servus raus rutschen. Beim Anblick der verschwitzten und erschöpften Gesichter sind wir froh, dass wir auf dem Weg nach unten sind. Trotzdem zieht sich der Weg länger, als wir ihn in Erinnerung haben. Die wichtigste Info, die wir aus unseren Gesprächen ziehen ist, dass der Kaffee in Griechenland gut sein soll - das klingt vielversprechend. Also ab jetzt wieder mehr Kaffee für Veronika.
Wir sind sehr froh über die unkomplizierte (und günstige) Fahrt zurück ins Tal. Beim Abschied verabreden wir uns zum nächsten Rosenheimer Herbstfest, und versprechen auch mal nach Innsbruck zu kommen. Wir konnten unsere Reiserucksäcke im Airbnb lassen und fragen deshalb dort nach, ob für die Nacht noch ein Zimmer frei ist. Wir haben Glück! Erleichtert gehen wir erstmal duschen und ruhen uns ein bisschen aus. Gott sei Dank bekommen wir Hunger. Wir haben ganz vergessen, dass wir den Bergrucksack ja noch zurückbringen müssen. Monika möchte auch unbedingt wissen, wie es war und erzählen begeistert mit Sternchen in den Augen. Dann wollen wir uns aber noch in der Taverna belohnen. Wir essen Manitaria Plevrotous (gegrillte Pilze), Tomaten-Gurken-Salat, Gemista (gefüllte Paprika mit Reis und Kräutern) und gegrillte Auberginen mit Tomaten, Zwiebeln und Kräutern (sorry, Name vergessen). Wow, das schmeckt alles unglaublich lecker! Satt und zufrieden gehen wir zurück in unser Airbnb.

Die beiden Tage am Olymp gehören auf jeden Fall zu den Highlights unserer Reise. Die Berglandschaft war wunderschön und zum Teil ganz anders, als wir es kennen. Die Mischung aus Natur und Bewegung hat uns total entschleunigt. Außerdem war es schön, mit so vielen netten Menschen in Kontakt zu treten.
Mit Worten kann man das eh nicht so gut beschreiben, wir lassen jetzt die Bilder für sich sprechen.

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