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Aus einer Transsib-Reise von hier nach Peking wurde eine Interrail-Tour durch Osteuropa :)

Athen - die Geburt der Demokratie (19. Stop)

Wir nehmen um 9:17 Uhr einen Zug von Litochoro nach Larissa, wo wir in den Zug nach Athen steigen wollen. Wir haben etwa 40 Minuten Umsteigezeit - eigentlich perfekt, weil wir noch Sitzplätze reservieren müssen. Es stellt sich heraus, dass wir eher noch mehr Zeit haben, als gedacht: der Zug ist nämlich voll. Ausgebucht. Mit dem heitigen Wissen können wir schon mal spoilern: das wird uns noch öfter passieren...
Der nächste Zug nach Athen fährt erst 3 Stunden später. Na gut. Warten gehört auch zum reisen. Außerdem genug Zeit, um einen Chai Latte bzw. einen Cappuccino mit Vanille-Sojamilch zu genießen und den Blog-Eintrag über den Olymp zu schreiben. So vergehen die 3 Stunden auch recht schnell. Auf der Fahrt fallen uns die sehr kargen Landschaften auf, die manchmal von bewirtschafteten Feldern einen grünen Fleck bekommen. Wir fahren auch immer wieder an Gebirgen vorbei, vor allem, nachdem wir etwas weiter weg vom Meer kommen. Dann nach 3 Stunden Fahrt kommen wir in Athen an. Es war der erste griechische Zug unserer Reise mit Verspätung. Immerhin scheint das mit der U-Bahn nicht so schwer zu sein. Wir kaufen uns ein Einzelticket für 1,20€ (gilt für 90 Minuten) und steigen in die Linie Richtung Hostel. Zwei Haltestellen nach der Akropolis steigen wir wieder aus und gehen zum Bedways Hostel. Vor der Tür fällt uns auf: unser Hostel heißt Bedbox. UPS. 4 Stationen zu weit gefahren. Gut, dass das Ticket noch gilt, und wir wieder zwei Stationen nach der Akropolis (dieses Mal nur die andere Richtung) aussteigen können, um zum richtigen Hostel zu gehen. Das Hostel macht einen sehr modernen Eindruck, hat auch einen Balkon und eine Dachterrasse, von der aus man auf die Akropolis und den Filopapo schauen kann. Da wir deutlich später angekommen sind, als eigentlich gedacht, müssen wir uns erst mal wieder darum kümmern, wo es übermorgen hingehen soll. Auf dem Weg zur Tourismusinformation gehen wir zufällig schon am Hadriansplatz vorbei, durch die schönen engen Marktstraßen und das Viertel Plaka, in dem es nur so von Bars und Tavernas wimmelt. Wow, was für ein schöner erster Eindruck! In der Tourismusinformation will man uns eher nicht weiterhelfen. Mit unserem Interrail-Ticket bekommen wir Rabatte bei Blueferries. Wir schreiben deshalb mal eine Email an diese, vielleicht sagen sie uns ja, wo wir hinfahren könnten. Für den nächsten Tag hat Veronika wieder daran gedacht, eine Free Walking Tour zu buchen. Sie beginnt dieses Mal schon um 9:15 Uhr, und wir sind sowieso ziemlich müde. Also holen wir uns im Supermarkt noch alles für ein leckeres Kichererbsen-Gemüsecurry, kochen und schlemmen auf der Dachterasse des Hostels. Nach ein bisschen Schwärmen vom Olymp mit Zuhause fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen ist uns schnell klar, warum die Tour so früh startet: es ist auf jeden Fall schon warm genug. Wir sind mal wieder zu spät, um den Stereotypen der Deutschen zu entsprechen (haha nicht) und haben deshalb einen Bahnhofsschritt drauf. Wir sind damit nicht alleine. Es sind so viele, dass die Gruppe sogar zweigeteilt wird. Die Tour startet am Hadrianstor. Es wurde zuehren Hadrians erbaut und zu dessen Besuch im Jahr 132 eingeweiht. Es besteht aus einem römischen Sockelbau und darüber griechischer Architektur mit griechischer Schrift. Das Tor markierte den damaligen Eingang in die Stadt, davor sieht man die Ruinen des Tempels von Zeus. Dieser wurde im 6. Jhdt. v.Chr. begonnen zu bauen, Hadrian beendete den Bau aber erst im 2. Jhdt. n.Chr. und profilierte sich mit seiner Größe und seinem Prunk. Heute sieht man nur noch 16 Säulen, wobei eine davon auch zerfallen ist. Das Material der anderen Säulen wurde für andere Bauwerke verwendet oder gar gestohlen. Weiter geht es zu Statuen zweier wichtiger Persönlichkeiten: Alexander der Große und Lord Byron. Nach Alexander dem Großen kam die Hochzeit der Griechen: das hellenistische Zeitalter. Lord Byron ist eher unbekannter, hat aber als britischer Dichter sein Herz an Griechenland verloren, und dort im Freiheitskampf gegen die osmanische Besatzung eine wichtige Rolle gespielt. Wir bekommen wieder einen kurzen Abriss über die Geschichte des Landes. Im antiken Griechenland bestand das Land aus lauter einzelnen, unabhängigen Polis. Nach der Besetzung durch Alexander den Großen folgte eine Zeit im byzantinischen Reich, danach türkische Besetzung, nach der Befreiung viele Jahre Monarchie, danach noch einmal mehrere Jahre Diktatur, bis sie sich 1974 davon befreien konnten. Griechenland selbst gibt es als anerkannten unabhängigen Staat erst seit 1830. Unser Guide meint: da brauchten sie erst mal was, was Griechenland international bekannt macht, und zwar positiv. Die Idee: lasst die olympischen Spiele wieder aufleben! In der Antike kämpften nackte Athleten, die mit Olivenöl eingerieben waren. Es durften nur Griechen teilnehmen. Mit der Eroberung Alexander des Großen kam auch das Christentum ins Land, und die Spiele wurden verboten. Evangelos Zappas setzte sich dafür besonders ein und ließ das Zappeion bauen, das ursprünglich als Sport- und Kongresshalle benutzt wurde, mittlerweile aber schon viele verschiedene Funktionen im Sinne der olympischen Spiele erfüllte. Nicht weit davon können wir uns das Panathinaiko Station ansehen. Es hat Platz für bis zu 60 000 Zuschauer und ist ein halbrundes Stadion, dessen Architektur sich an dem antiken Stadion, das dort durch Ausgrabungen gefunden wurde, orientiert. Es wirkt riesig, aber 60 000 Zuschauer sind schon schwer vorstellbar...
Wir gehen weiter am Haus der Staatspräsidentin vorbei und sehen dort die Wachen, die in tradtioneller Uniform dastehen und schwitzen. Alles an der Uniform hat wohl eine tiefgreifendere Bedeutung. Besonders komisch finden wir, dass der Rock genau 40 Falten haben muss, und sie zwei Strumpfhosen übereinander ziehen müssen. Es ist aber wohl eine Ehre, diesen Dienst machen zu dürfen. In Griechenland gibt es Wehrpficht, jedoch betont der Guide, dass nur sehr wenige die Chance bekommen, in dieser Garde zu sein. Ein Stück weiter kommen wir eher zufällig an einer Parade der Garde vorbei, die wohl das erste mal seit Beginn der Pandemie stattfindet. Die Soldaten müssen mit einem Fuß immer extra weit nach oben ausholen, damit er laut genug aufschägt. Das wirkt auf uns eher befremdlich. Die Parade mit ihrer eigenen Blaskapelle befindet sich auf dem Weg zum Parlamentsgebäude, wo die Wachablöse in Zeitlupe stattfindet. Große Massen an Touristen und Schaulustigen haben sich davor aufgebaut und filmen und fotographieren begeistert, wir nutzen die Straßensperre für uns und gehen weiter über den Syntagma Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich nämlich das Einkaufsviertel der Stadt, mit allem, was das Herz begehrt. Durch die Gassen schlendern wir zum Monastirakisplatz, an dem man Bauwerke aus verschiedenen Zeiten sehen kann: die Akropolis aus der griechischen Antike, die Hadriansbibliothek aus altrömischer Besatzung, die Kirche Maria Himmelfahrt aus byzantinischer Zeit, eine Moschee aus osmanischer Zeit (und Baklava und Lokrum) und die neuere U-Bahnhaltestelle. Wir gehen an der Hadriansbibliothek vorbei, weiter durch schöne kleine Gassen hin zur Agora, auf der in der Antike die Märkte stattfanden. Einmal außen herum, und man kommt zum Windturm, mit dem durch Statistik und Messungen schon in der Antike Wettervorhersagen getroffen wurden. Die Kathedrale können wir nicht besichtigen, da Polizei den Eingang versperrt. Von außen ist sie auf jeden Fall auch schon groß. Daneben steht die kleine, unscheinbarere Kirche Gorgoepikoos, die noch selten für Gottesdienste verwendet wird und schon im byzantinischen Reich erbaut wurde. Zum Abschluss der Free Tour bekommen wir noch wichtige Tipps für Essen und Trinken. Außerdem eine kleine Griechisch-Stunde.

Am Ende der Tour ist es ungefähr Mittagszeit, viel zu heiß, um jetzt die Akropolis zu besichtigen. Es gibt einen kostenlosen Shuttle-Bus vom Syntagma Platz zum SNFCC (Stavros Niarchos Foundation Cultural Center). Dort gibt es eine etwas größere Parkanlage außen herum und auch eine Wasseranlage mit Springbrunnen. Es liegt außerdem nahe am Meer, auf das man von oben blicken kann. Auch über die Stadt hat man einen beeindruckenden Blick - boah, die ist echt groß (5 Mio. Einwohner)! Wir schlendern erst ein bisschen über die Anlage, und wollen dann die Zeit nutzen, bei den Blueferries anzurufen. Auf der Fähre nach Naxos gibt es noch 2 freie Plätze. Die nehmen wir doch! Blöderweise bricht auf einmal die Verbindung ab, und die Buchung war nicht abgeschlossen. Da wir aber sowieso unsere Interrailpässe brauchen, rufen wir erst später wieder an (Plätze wollten sie uns reservieren). Nachdem wir wieder etwas länger auf das Shuttle zurück warten mussten, gehen wir gleich ins Hostel, um noch unsere Buchung per Telefon abzuschließen. Naja, unsere Plätze wurden wohl doch nicht reserviert, die Fähre ist jetzt ausgebucht. Wir fragen nach der Insel Syros, von der wir gelesen haben, dass sie ein Geheimtipp sein soll. Tatsächlich gibt es hier noch freie Plätze - uff, dann ist die erste Insel beschlossen! Die Suche nach einer Unterkunft dort gestaltet sich auch eher schwieriger. Wir merken schon, ganz so spontan, wie wir uns das gedacht haben, wird das nichts hier auf den Inseln. Nachdem wir aber etwas gebucht haben, machen wir uns endlich auf den Weg zur Akropolis. In Griechenland sind fast alle Museen und Ausstellungen für EU-Bürger unter 25 kostenlos - auch die Akropolis, die sonst 20€ gekostet hätte. Wir müssen eine Zeit lang anstehen, allerdings nicht vergleichbar mit "normalen" Wartezeiten an diesem Eingang, wie uns erzählt wurde. Wir nehmen den Südeingang neben dem Akropolismuseum, das wir zeitlich leider nicht mehr geschafft haben, uns aber auch sehr empfohlen wurde. Es beherbergt Statuen und andere Fundstücke aus der Akropolis. Akropolis bezeichnet generell Stadtfestungen des antiken Griechenlands, wobei diese in Athen die bekannteste ist. Auf dem flachen, 165m hohem Felsen stehen die Propyläen, das Erechtheion, der Niketempel und der Panthenon. Sie wurden zwischen 467 und 406 v.Chr. erbaut. Theodor Heuss benannte die Akropolis als einen der Hügel, auf denen Europa gründet. Der griechische Staat zeichnete die Akropolis aus demselben Grund mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel aus und seit 1987 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das ist natürlich ein beeindruckendes Areal! Wir versuchen uns noch mehr zu bilden und nehmen uns die kostenlose App "Rick Steves Audio Europe" zu Hilfe. Da es uns allerdings zu heiß ist, schaffen wir es nicht, uns darauf zu konzentrieren und die Infos zu entnehmen. Wir lassen also einfach die Bauwerke und die Geschichtsträchtigkeit des Ortes auf uns wirken. Wir haben doch weniger Zeit auf der Akropolis verbracht als angenommen, deswegen bleibt noch Zeit, um eine Runde auf dem Flea Market shoppen zu gehen. Hier findet man alles, was das Herz begehrt. Danach haben wir uns das Abendessen aber echt verdient. Wir suchen uns eine nette Taverna in der Altstadt. Dort genießen wir nicht nur ausgezeichnete Kalamata-Oliven, sondern auch eine große Portion Gemista (mit Reis gefüllte, gegrillte Tomaten und Paprika). Sehr lecker!

So endet ein gelungener Aufenhhalt in der Hauptstadt Griechenlands. Athen gehört für uns auf jeden Fall zu einem Must See in Griechenland. Wir hätten auch locker noch 1-2 Tage mehr in dieser schönen Stadt verbringen können.
Am nächsten Morgen geht es wieder früh weiter: wir nehmen eine Fähre auf die kykladische Insel Syros. Wir sind gespannt und freuen uns!

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