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Aus einer Transsib-Reise von hier nach Peking wurde eine Interrail-Tour durch Osteuropa :)

Die Insel Syros - ein Geheimtipp (20. Stop)

Wie wir im Beitrag von Athen ja schon erwähnt haben, fiel die Entscheidung, nach Syros zu fahren eher zufällig. Zum Glück! Schon beim Anlegen fallen uns die schönen Häuser auf. Das wird bestimmt gut.
Syros ist eine Insel der Kykladen. Die Phönizier gaben ihr im 8. Jahrhundert v.Chr. ihren Namen, der in etwa "felsig" bedeutet. Die Fähre legt im Hafen der Hauptstadt Ermoupoli an. Dort erwartet uns schon der Besitzer unserer Unterkunft, der uns mit seiner hektischen aber freundlichen Art begrüßt. Er sprudelt vor Energie und Enthusiasmus. Am liebsten würde er uns gern gleichzeitig alles erklären und zeigen. Als erstes aber unser Zimmer: über eine kleine Wendeltreppe gelangen wir zu unserem Zimmer und der dazugehörigen Dachterrasse, die uns alleine gehört. Ziemlich cool! Wir haben einen 360 Grad Blick: auf der einen Seite zum Hafen und über das Meer, auf der anderen Seite über Ermoupolis und Ano Syros. Ano Syros wurde 1200 von den Venezianern gegründet. Trotz der Veränderungen in der Geschichte blieb dieser Ort katholisch geprägt und mit mittelalterlichem Charakter. Der Ort zeichnet sich durch endlose Treppen und Torbögen aus. Wie in einem Amphitheater bauen sich die Häuser an den Treppen entlang auf, bis an der Spitze des Hügels die katholische St. Georgs Kirche aufragt. Weil das Ganze sehr steil ist, sollen wir uns von einem Taxi hochfahren lassen. Wir wollten sowieso erst mal zum Strand, danach ist die Sonne vielleicht nicht mehr so stark, als dass wir nicht laufen könnten.
Bevor wir aber losziehen, bekommen wir sogar noch Kuchen und Kekse zur Stärkung. Ganz schön Luxus hier. Uns wird der Asteria Strand empfohlen, zu dem man unterhalb einer Kirche über Treppen kommt. Er liegt direkt in Ermoupolis, wodurch man beim Schwimmen einen tollen Ausblick auf die Häuser der Stadt haben soll. Übrigens fällt Syros aus dem Muster, was die Architektur der Kykladen betrifft. Anstatt weißen Fassaden mit blauen Elementen spazieren wir durch bunte Gassen, die eher an Italien erinnern. Verschiedenste helle Pastelltöne verleihen der Stadt einen unverwechselbaren Charme. Auf dem Weg zum Strand kommen wir am prunkvollen, neo-klassizistischen Rathaus vorbei, das von der Bedeutung der Stadt zeugt. Den Hauptplatz schmücken außerdem Marmorplatten und zu allen Seiten breiten sich die süßen kleinen Gässchen aus, die entweder Wohn- oder Verkaufsraum sind. Schon auf der Treppe zum Strand hinunter sind wir begeistert von der Farbe des Wassers: türkis bis tiefblau, einfach so klar! Der Asteria-Strand ist kein Sandstrand, eher eine Badestelle, an der man ins Wasser steigen oder springen kann. An den Schattenplätzen tummeln sich die Leute. Das Wasser ist angenehm kühl. Wir nutzen den Nachmittag zum Entspannen, Postkarten schreiben, Schwimmen, Lesen ... nicht nur einmal werden wir aufgeschreckt, weil die Wellen höher werden und die Badestelle überfluten (sorry für die ein oder andere nasse Postkarte). Wir merken einfach jedes Schiff, das in der Nähe vorbeifährt. Dennoch ist der Platz wunderschön, vor allem die Aussicht beim Schwimmen auf die Klippen und Häuser von Ermoupoli. Wir bleiben deshalb ziemlich lange an diesem schönen Ort, von dem uns nur der Hunger irgendwann wegzieht.
Bevor wir uns aber eine Taverna suchen, wollen wir ganz nach oben zur St. Georgs Kathedrale in Ano Syros. Die vielen Stufen sind auch zu dieser Uhrzeit noch ganz schön anstrengend - zum Glück gehen wir die meiste Zeit im Schatten. Von oben hat man einen schönen Blick auf die Stadt und das Meer. Außerdem sieht man auch die umliegenden kahlen/ kargen Hügel und Felslandschaften. Ano Syros gefällt uns auch sehr gut. Hier sind die Gassen wirklich eng, ebenso die Treppen, auf denen hin und wieder eine Straßenkatze gerade ein Schläfchen macht. Außerdem entspricht sie deutlich mehr dem Klischee einer griechischen Insel-Stadt mit weiß-blauen Häusern. Immer wieder wachsen ganze Blumensträucher zwischen den Fassaden. Neben vielen kleinen Handwerksläden und Cafés gibt es auch einige schöne kleinere und größere Tavernas. Wir essen auf dem Balkon einer Taverna, von dem aus wir den Sonnenuntergang genießen können. Neben Salaten und Tomatenbällchen gibt es auch ein Glas griechischen Wein. Danach gehen wir noch einmal die Uferpromenade auf und ab und genießen die nächtliche Feierstimmung. Wir fühlen uns echt wohl hier.

Gut ausgeruht werden wir am Morgen von Kirchenglocken und Hupen der Fähren geweckt. Wir bedauern es, dass wir heute unser schönes Zimmer wieder verlassen müssen. Mit unseren großen gepackten Backpacks gehen wir runter zum Frühstück. Es gibt wieder reichlich Kekse, Kuchen und Blätterteigtaschen mit Frischkäsefüllung zu essen. Unser Hostelbesitzer nutzt die Zeit, um uns von Naxos und Amorgos vorzuschwärmen. Er hilft uns außerdem durch abgleichen der Fahrpläne unsere kommenden Tage besser zu planen. Zudem schreibt er uns noch eine ausführliche Liste, was wir auf Amorgos alles ansehen müssen. Das Pefkakia Park mit seinem netten Personal können wir definitiv zu 100% empfehlen. Wir kommen zu dem Schluss: wenn jemand an so einem schönen Fleck wohnt und gleichzeitig von anderen Flecken so schwärmt, dann muss es da schon echt toll sein. Also folgen wir seinem Rat, vor allem weil wir mittlerweile gelernt haben, dass wir hier länger im Voraus planen sollten. Sowohl Fähren als auch Unterkünfte machen sich hier rar. Aber nicht nur die: wir wollen für heute einen Scooter mieten, um damit versteckte Strände der Insel aufzusuchen. Es gibt zwar viele Verleihstationen, aber keinen einzigen Roller mehr. Ohje, wir brauchen einen Plan B. Wir haben aber schon gelesen, dass man über schöne Wege von Strand zu Strand gehen kann. Wir müssen nur noch nach Kini kommen. Wie es der Zufall so will, startet gerade ein Bus in diese Richtung. Ein Ticket kostet nur 1,60€ und der Bus ist voll gestopft mit Badegästen. Der Bus schlängelt sich am Hügel die Straße hinauf und wir haben noch einmal einen tollen Blick über die Stadt. Auf der anderen Seite des Hügels schlängeln wir uns wieder hinunter Richtung Kini. Dort steigen wir mit fast allen anderen Leuten wieder aus. Kini liegt in einer schönen ruhigen Bucht, aber hier ist ganz schön viel los. Es gibt einige Kioske und viele Sonnenschirme und Liegen, die man mieten kann. Unser Ziel ist eine Wanderung zum Aetos Strand. Also gehen wir gleich los.
Der Pfad geht über den Klippen entlang und bringt uns nach einer halben Stunde zum Delfini Strand. Hier ist es schon deutlich leerer, aber durch die Zufahrtsstraße immernoch gut besucht. Also wieder nach oben und weiter zum Varvaroussa Strand. Schon von oben staunen wir über den hellen Strand und das leuchtend türkisblaue Wasser. Der Strand ist menschenleer, aber die Wellen schlagen recht hoch am Strand auf. Wir sind so begeistert, dass wir schon fast da bleiben wollen, aber wir hatten uns ja Aetos als Ziel gesetzt. Also nochmal über einen Klippenvorsprung drüber, und die Bucht von Aetos liegt uns zu Füßen. Der Weg ist hier schon deutlich schwieriger zu finden, und wir müssen uns einige Male durchs Gestrüpp kämpfen. Zweimal müssen wir auch über Steinmauern steigen, die vermutlich als Begrenzungen für Weidevieh dienen. Die Tiere haben wir allerdings nicht gesehen...ist ja auch viel zu heiß. Die niedrigen Strauchgewächse sind alle sehr vertrocknet. Auf dem Weg gibt es keine Schatten spendenden Bäume, sodass die Sonne die ganze Zeit auf uns brennt. Am Strand platzieren wir uns deswegen gleich unter einem der zwei Bäume. Außer uns liegt nur ich ein kleines Boot in der Bucht. Der Ausblick ist echt traumhaft und das glasklare, saubere und algenfreie Wasser lädt zum Schwimmen ein. Also ab ins Wasser! Und danach ein Sonnenbad nehmen. Das Wasser hat eine sehr angenehme Temperatur - erfrischend aber nicht zu kalt. Es geht relativ flach ins Wasser. Es gibt kaum Wellen, sodass man auch schön schwimmen kann. Neben dem Baden genießen wir die Sonne, gute Bücher und später das Gespräch mit zwei anderen Mädels, die sich zu uns in den Schatten gesellen. Sie kommen ca. eine Stunde nach uns mit dem Taxiboot an. Eine der beiden ist Griechin und schwärmt uns auch wieder von Amorgos vor. Unsere Vorfreude auf diese Insel steigt also weiter.
Viel zu schnell vergeht der schöne Nachmittag und wir müssen uns wieder auf den Rückweg machen. Kurz hatten wir die Hoffnung, dass das Taxiboot uns mitnehmen kann, aber leider müssen alle Mitfahrer davor registriert sein. Also nochmal 1,5h durch die pralle Hitze. Weil wir beide schon zu viel Sonne abbekommen haben, müssen wir unsere Schultern mit einem Schal bedecken. Trotz der Anstrengung bei den Aufstiegen genießen wir noch einmal den Ausblick auf die beeindruckenden Klippen und den schönen Pfad. Delfini ist unsere Oase, wo wir wieder Wasser am Kiosk kaufen können. Lustigerweise kommen wir gleichzeitig mit dem Taxi-Boot in Kini an. Wir haben Glück, denn der Bus zurück in die Hauptstadt hat Verspätung, sodass wir ihn noch erwischen. Zurück in Ermoupoli finden wir in den kleinen Gassen endlich mal wieder ein vegetarisch-veganes Bistro. Es gibt eine leckere Pita mit Tomaten, Zwiebeln und Kräutern sowie einen Falafelwrap. Jetzt sind wir gut gestärkt für die Fährfahrt nach Naxos.

Syros ist wirklich eine wunderschöne, kleine Insel. Vor allem die tollen, entlegenen Strände haben es uns sehr angetan. Wirklich noch ein Geheimtipp in den Kykladen.

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