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1001 Kirche - nein, diesmal nicht!

Das große Maya-Ranking

Hier bin ich wieder. Einige Tage ohne Internet im Quartier haben zu einer längeren Blog-Pause geführt. In der Zwischenzeit haben wir unser gesamtes Maya-Programm absolviert. Immerhin 24 Ruinen-Städte in vier Ländern. Im Rückblick hätten es nicht so viele sein müssen. Dass wir die gegenwärtigen Mayas inzwischen verlassen haben, tut mir – wie ich zugeben muss – gut. Insbesondere im mexikanischen Bundesstaat Yucatán war die große Mehrheit von ihnen geradezu aggressiv desinteressiert und kommunikationsunwillig, was die allgemeine Stimmung bedrückend bis feindselig machte.

Wir sind wieder (wie in diesem Blog schon für die Tempel von Bagan in Myanmar) unserer Leidenschaft für Listen nachgegangen und haben ein Ranking der Maya-Stätten vorgenommen. Die zehn Besten und ein Ausreißer seien hier vorgestellt:

Sayil (10): Die lt. Reiseführern so verschiedenen architektonischen Stilrichtungen der Maya sind, wie wir finden, häufig kaum zu unterscheiden. Der so genannte Puuc-Stil ist jedoch wirklich anders als alles andere: Hier vermochten die Architekten so richtig elegante und gut proportienierte Tempel und Paläste zu bauen und deren Fassaden mit Säulen, Monstermasken und anderen Schmuckelementen auf das Feinste zu gestalten. Der schönste Palast steht in Sayil, dabei ist er nicht einmal symmetrisch und seine rechte Seite noch nicht vollständig ausgegraben, aber die linke Seite (insbesondere der erste Stock) entschädigt für alles.

Uxmal (9): Noch einmal Puuc-Stil, und zwar besonders rein, das heißt: Der untere Teil der Fassade ist ganz glatt, der obere jedoch üppig mit Ornamenten geschmückt. Der Palast von Uxmal ist riesig, steht auf einer sehr hohen Plattform – und wirkt ausgesprochen abweisend. Mich hat er an faschistische Architektur erinnert. Das so genannte Nonnenkloster – ein großer Hof, der von vier Puuc-Gebäuden mit wirklich großartigen Reliefs umgeben ist – ist aber ein Hauptspaß. Auch andere Gebäude sind sehenswert: das Taubenhaus mit seinem lustigen Dachkamm oder die Pyramide, auf der ein Tempel mit Papageienschmuck steht. Einziger Wermutstropfen: Die berühmte große Pyramide (ebenfalls mit tollen Tempeln auf der Spitze) wurde wenig fachmännisch rekonstruiert: In Wahrheit weiß niemand, ob sie wirklich oval war oder ob die Form nur der Fantasie der Restauratoren entsprungen ist.

Edzná (8): Das hiesige Gustostück ist ein Gebäude, das ich als Palast-Pyramide beschreiben würde: eine klassische steile Pyramide mit Stiegenaufgängen auf allen vier Seiten, die jedoch nicht „nackt“ ist (wie andernorts gewöhnlich), sondern eine Haupt- und zwei Seitenfassaden bekommen hat: mit Halbsäulen in den Wänden und neben den Eingängen. Der Effekt ist beeindruckend, auch weil der Bau auf einer großen Plattform steht, wo er von anderen guten Tempeln quasi begleitet wird, und zusätzlich noch vor dieser Plattform ein riesiger Platz liegt (der in Edzná ausnahmsweise einmal von den Bäumen befreit wurde, sodass man heute den gleichen Eindruck hat wie die antiken Maya).

Chicanná (7): Vom furchterregenden Monstermaul in Chicanná habe ich schon geschrieben und dumme Fotos gepostet.

Calakmul (6) und Tikal (5): Die beiden Maya-Supermächte haben ihren Blog-Beitrag schon bekommen.

Bonampak (ab hier waren Roby und ich uns bei der Reihung nicht immer einig, also E4 und R3): Die einzigen halbwegs gut erhaltenen Maya-Fresken sind den weiten Umweg unbedingt wert, und auch der Hauptplatz der kleinen Ruinenstadt ist charmant. Mehr dazu in meinem letzten Bericht.

Ek Balam (E3 und R1): Dass es so etwas gibt, grenzt an ein Wunder: ein völlig unversehrtes Stück vollplastischen Fassadenschmucks aus strahlend weißem Stuck auf einer (architektonisch eher unbedeutenden) Palast-Pyramide, irgendwann aus der Zeit zwischen 700 und 1000 n. Chr. Man muss unangenehme Treppen erklimmen, unter ein Strohdach klettern und findet sich unversehens vor einem Monstermaul-Tor mit riesigen Zähnen wieder, sieht Figuren fast wie aus der Renaissance vor der Fassade stehen und kann die Augen nicht lassen von den in die Wand eingelassenen Masken und geometrischen Ranken. Eine derartige Fassade gibt es in der Maya-Welt nicht noch einmal, nicht nur wegen ihres perfekten Zustands, sondern auch wegen der frei stehenden Figuren. Angesichts dessen (und des aberwitzig hohen Eintrittspreises) würde man sich wünschen, dass die Fassade allen Interessierten zugänglich wäre und ältere oder unsportliche Besucher/innen nicht gezwungen wären, am Hintern die steilen Treppen herunterzurutschen. Die Kunst des Baus von zeitgemäßen Holztreppen auf hohe Pyramiden beherrscht man in Guatemala, Belize oder Kambodscha bestens.

Kabah (2): Einmal noch muss es Puuc sein: ein Tempel oder Palast (wer weiß das schon so genau), der über und über mit Masken des Regengottes Chaak bedeckt ist. Diese Masken sind hoch stilisiert, und man braucht einige Übung, um Augen, Ohren (mit quadratischem Pflöcken drinnen) und den Mund zu erkennen. Hilfreich ist da die große Nase, die aus der Wand ragt – ist sie vollständig erhalten, sieht sie wie ein Ring aus; gibt es sie nur fragmentarisch, hat sie die Form eines Hakens. Es gibt zwar auf fast auf allen Maya-Gebäuden Masken, auf keinem anderen jedoch so viele, und ein paar von ihren Nasen dienen gleich auch als Stufen ins Gebäude. Das schöne Rosa des Steins und die perfekten Proportionen des Kabah-Tempels machen ihn zu einem Spektakel, insbesondere im Licht des späten Nachmittags. Dass auch seine hintere Fassade mit Figuren, Reliefplatten und in die Wand geschnitztem Flechtwerk geschmückt ist, macht ihn noch einmal lustiger. Der Palast direkt neben ihm wirkt dagegen schlicht, zeigt aber ebenfalls die architektonische Meisterschaft der dortigen Maya. Eine kleine, aber superfeine Ausgrabung.

Copán (E1 und R4): Mein Ranking hat unsere einzige Besichtigung in Honduras gewonnen. Copán hat einfach alles: die wunderbaren Stelen mit den Ganzkörperportraits der Herrscher, die Hieroglyphentreppe mit ihren tausenden Schriftzeichen und den auf ihr sitzenden Figuren, einen schönen Ballspielplatz (alle mesoamerikanischen Fundstätten haben einen solchen, aber kaum einer ist so nett wie jener in Copán, der mit Papageienskulpturen geschmückt ist), gut proportionierte Plätze (umringt von Gebäuden) und viele gute Stuckarbeiten, die zu einem Gutteil in einem tollen, modernen Museum zu bewundern sind. Und dann gibt es natürlich noch den tönernen Maya-König mit Brille.

Außer Konkurrenz läuft jene Maya-Stadt, die mehr Touristen und -innen anzieht als alle anderen Sehenswürdigkeiten in Mexiko: Chichén Itzá. Und tatsächlich sind die Ruinen großartig, aber nur der kleinere Teil ist stilistisch wirklich den Maya zuzuordnen: Ein großes und ein kleines Gebäude, die beide über und über mit Masken und Ranken bedeckt sind – Maya-Kunst vom Allerfeinsten. Was mich besonders gefreut hat: Hier habe ich wieder Menschenköpfe mit Brillen entdeckt, diesmal auf der Stirn der Göttermasken. Alles andere in Chichén Itzá ist aber eigentlich toltekische Architektur: Hallen mit einer Unmenge von Säulen und reliefierten Pfeilern; Portale, die von monumentalen Schlangensäulen getragen werden; Plattformen, deren Seiten mit Reliefplatten bedeckt sind, die Jaguare, Raubvögel, Totenköpfe, Krieger und den Hauptgott – eine gefiederte Schlange – zeigen; und riesige Ballspielplätze. All das ist wunderbar, aber der Besuch trotzdem unangenehm: Der Eintrittspreis ist verrückt überhöht, das ganze Gelände von Souvenirstandeln übersäht (man kommt sich vor wie auf einem Tandelmarkt) und die Angestellten uninteressiert bis unfreundlich. (Was, da kommt jemand eine halbe Stunde vor Betriebsschluss aus der Ausgrabung und will noch einen Kaffee, wo wir an der Bar doch schon alles geputzt haben? So eine Frechheit auch.)

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