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Honduras - ein Maya-Herrscher trägt Brille

Honduras ist, so liest man, hinter El Salvador das zweitgefährlichste Land, San Pedro Sula die gefährlichste Stadt der Welt - gemessen in Morden pro Jahr. In Honduras gibt es aber auch einzigartige Maya-Skulpturen, die auf überlebensgroßen Stelen die wichtigsten Herrscher von Copán, einem in der Zeit von 250 bis 900 bedeutenden Stadtstaat, zeigen. Ich wollte eigentlich nicht nach Copán, der weite Weg durch Guatemala und die Gefahren in Honduras sprachen laut gegen einen Besuch. Diesmal war es Roby, der sagte: Dort müssen wir hin. 

Copán liegt direkt an der Grenze zu Guatemala, deshalb werde ich die lange und nervenaufreibende Reise dorthin im nächsten Blogbeitrag, in dem ich mich von Guatemala verabschiede, beschreiben - freut euch darauf ;-)

In Honduras war dann alles anders - besser und viel netter - als erwartet. Ein großer Teil der Stelen ist ganz hervorragend: Die Herrscher tragen einen aufwendigen Kopfschmuck, große Ohrringe und einen voluminösen Gürtel, auf dem allerlei Verzierungen angebracht sind. Doch auch die Ruinen, zwischen denen die Stelen stehen, sind wirklich einen Besuch wert. Vor allem eine prunkvolle, lange Stiege, die an den Vorderseiten sämtlicher Stufen mit der längsten Inschrift der Maya-Kultur verziert ist und auf der sechs Steinskulpturen sitzen. Auch die vielen Stelen tragen übrigens Schriftzeichen. Deshalb weiß man, wer die Dargestellten sind und was sie in ihrer Herrschaftszeit so gemacht haben.

Interessant ist auch, dass man einen Blick auf die Vorgänger der derzeit sichtbaren Gebäude werfen kann. Die Maya haben nicht viel von Denkmalschutz gehalten und ältere, wohl unmodern gewordene Gebäude nach relativ kurzer Zeit einfach überbaut. In Copán darf man in einige der Tunnels klettern, die die Archäologen gegraben haben, um eben diese älteren Tempel zu erforschen. Und so sieht man unter der Erde gut erhaltene Masken, zum Teil noch mit Farbe (ja, nicht nur die antiken Griechen, sondern auch die Maya haben ihre Tempel bunt bemalt), die die älteren Gebäude einst geschmückt haben.

Skulpturen waren die große Spezialität in Copán: Und so sind die Gebäude auch mit Figuren und Reliefs geschmückt gewesen - viel üppiger zB als in Tikal, dem berühmten Maya-Sight in Guatemala, wo alles größer, aber auch weitgehend unverziert ist. Das gilt zB auch für die rätselhaften Steinbänke (Betten?), die überall in den winzigen Räumen der Wohn- und Verwaltungsgebäude zu finden sind: in Tikal sind sie ganz schlicht, in Copán jedoch mit feinen Reliefs versehen.

Einen besonderen Narren habe ich an den hübschen großen Weihrauchgefässen aus Ton gefressen, deren Deckel oft die Form von Menschen haben. Mein Liebling ist die Darstellung des Gründungsvaters der großen Herrscherdynastie von Copán: mit riesigen runden Brillen, mit denen auch Dame Edna ihre Freude gehabt hätte.

Um es ganz klar zu sagen: Copán Ruinas, das Städtchen beim Weltkulturerbe, ist eine vollkommen sichere und daher atypische Oase in bitterarmen Honduras, das andernorts von blutigen Bandenkriegen geschüttelt wird. Hier ist alles sauber, die Häuser (inkl. Hotels) sind hübsch und überaus geschmackvoll hergerichtet, das Essen schmeckt gut (deutlich besser als in Guatemala, obwohl mehr oder minder auch hier alles auf Mais, Bohnen, Avocados und Käse beruht), vor allem aber sind die Menschen unglaublich nett, entspannt und gut gelaunt (auch das ein riesiger Unterschied zum Nachbarland). 


#honduras#copán#ruinas

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