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1001 Kirche - nein, diesmal nicht!

Tikal - Reisen schwer gemacht, Teil 1

Guatemala ist eigentlich kein Pflaster für europäische Angsthasen wie uns. Am Flughafen der Hauptstadt kommt das eingecheckte Gepäck regelmäßig aufgeschnitten und geplündert vom Förderband. Auf dem Weg von Flughafen in die Stadt stehen bewaffnete Überfälle auf Autos  und Busse auf der Tagesordnung - häufig kurz nach einer Polizeikontrolle. Ein Zufall? Auf den Reise-Websites des österreichischen und des deutschen Außenministeriums wird gleichermaßen vor Reisen nach Tikal gewarnt. Die große Maya-Stadt, die bis ins 10. Jhdt. besiedelt war, liegt mitten in den tropischen Wäldern von Petén, in denen sich allerlei schwer bewaffnete Kriminelle tummeln. Als ich diese Warnung las, hatte ich den Namen Tikal noch nie gehört, also wurde Google befragt. Und das war insofern schlecht, als die Fotos der Maya-Pyramiden so eindrucksvoll waren, dass mein Entschluss feststand. Dort müssen wir hin!

Wir haben dann einen ziemlichen Aufwand auf uns genommen, um das Risiko zu minimieren, haben unser großes Gepäck in Belize City gelassen und sind mit einem sicheren Bus nach Guatemala gefahren, aber nicht direkt nach Tikal. Nein, das geht nicht, weil irgendwelche mafios organisierten Shuttle-Unternehmen sich die Strecke von Flores nach Tikal unter den Nagel gerissen haben. Der archäologische Park liegt nämlich 63 km von Flores, der nächsten größeren Stadt, entfernt: mitten im Dschungel. Was ja kein Problem wäre, gäbe es so etwas wie Fahrpläne und gingen die Shuttle-Busse auch noch am Nachmittag. Das tun sie aber nicht, denn dann kommen die Taxis zum Zug, die den Touristen und -innen ein Heidengeld aus der Tasche ziehen. Unser Bus kam so an, dass es eine 50:50 Chance gab, noch ein Shuttle zu erreichen. Wir hatten Glück und wurden auch vom Busfahrer nur ein bisschen ausgenommen.

Die meisten Besucher und -innen wohnen im preiswerteren Flores und fahren per Tagesausflug nach Tikal. Wir haben uns entschieden, den deutlich teureren und - wie wir dachten - lustigeren Weg zu gehen und uns in einem der drei Dschungel-Hotels in Tikal selbst einquartiert. Wir wussten schon vorher, dass die Hotels ein schlechtes Preis-Leistungsverhältnis bieten, aber wir wollten mehr als einen Tag haben, um die große alte Stadt zu besichtigen, und auch einmal im richtigen Urwald schlafen, mit Brüllaffen in der Nacht und so.

Tatsächlich war das Hotel schäbig und teurer als eine gleichwertige Unterkunft in Europa (104 $ pro Nacht ohne Frühstück) - und das in einem Land, in dem 15 % der Bevölkerung mit weniger als 2 $ pro Tag auskommen müssen. Wir waren vorerst trotzdem glücklich in unserem Urwald. Dass es nur bis 8 Uhr abends Strom gab und dann das Licht ausging, war lustig. Immerhin gab es im tristen Besucherzentrum - Marke Bulgarien 1967 - eine Bar mit italienischer Hebel-Espressomaschine (Pavoni!). Für Cappuccino in der Früh und Espresso am Nachmittag war also gesorgt. Dem schlechten Essen in unserer Unterkunft konnten wir ausweichen, das Restaurant des Nachbarhotels war besser. Was jedoch nicht ging, war, dass unser Zimmer erst nach ausdrücklicher Aufforderung geputzt wurde (immerhin verbrachten wir vier Nächte dort) und dass die Dame an der Rezeption jeden Handgriff, den sie tun musste, als unzulässige Belästigung empfand: Service ein Fremdwort, jede Auskunft ein riesiger Gefallen.

Noch schlimmer und ärgerlicher (und außerdem unfassbar idiotisch): Die Tickets für den Park erhält man nicht vor Ort, sondern nur bei den Filialen einer bestimmten Bank. Die nächste solche Filiale ist 17 km entfernt. Wir haben unsere Tickets schon an der Grenze von Belize zu Guatemala gekauft; die dortige Bankfiliale akzeptiert ausschließlich guatemaltekische Währung, wechselt aber (als Bank!!!!) kein Geld. Dafür muss man sich an einen der draußen vor der Bank wartenden fliegenden Geldwechsler wenden, die natürlich einen schlechten Kurs verrechnen. Als wir dann in Tikal auch das Museum besuchen wollten, stellte sich heraus: Dafür hätte man eine eigene Eintrittskarte gebraucht - "leicht" erhältlich 17 km bergab! Kein Wunder, dass wir nie einen einzigen Besucher im Museum gesehen haben. Zugegeben, sehr einladend ist es obendrein nicht, in dem "bulgarischen" Gebäude und ohne elektrischen Strom.

Und was ist jetzt mit den Pyramiden, fragt ihr euch sicher. Sie sind kleiner und zarter, als ich sie mir vorgestellt habe. Mehr sage ich im Augenblick noch nicht, wir werden ja die nächsten Wochen quasi mit den Mayas verbringen und noch viel berichten. Aber schaut euch die Fotos an. Nett sind jedenfalls die Tiere hier, besonders die Nasenbären und die Äffchen.


#guatemala#tikal

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