châteaugeschichten

Bande auf Reisen - die Wild- und Minicamper!

Mein Held!

Der seit Tagen ausdauernde Niederschlag verwandelt die Wege in Schlamm- und Matschrouten, so dass ich meine Aufgabe häufig darin sehe, ängstlich zu quietschen, wenn der Fahrer mal wieder allzu mutig in offensichtliche Pamp-Pfade steuern will.

Es ist Mittagszeit und ein anheimelndes Plätzchen für eine Siesta nirgends in Sicht. Dafür das nächste Gewitter mit dunklen, bedrohlichen Wolkentürmen.

An dieser Stelle soll angemerkt sein, dass zu den Standards auf unseren Reisen gehört, die Räuberhöhle mindestens einmal festzusetzen. Das kann in Matsch, Pampe, Sand, schmierseifenglatten Wiesen, Schlamm, Modder sein oder was sonst noch an Möglichkeiten zur Verfügung steht. Mindestens einmal, auf jeder Tour...

Für die heutige Kaffeepause bietet sich nur ein Platz an der Strasse. Ein gigantischer Strohberg verwandelt denselben in ein Idyll.

Eigentlich stehen wir bereits und ich will schon aussteigen, da legt der Held noch einmal den Gang ein und ich kann nur noch fix fragen, weshalb er jetzt in die Pampe fährt. Sein Plan ist, hinter den Ballen in deren Windschutz zu halten. Doch wir stecken schon fest. Die Räder drehen durch und Pfützenwasser spritz in Fontänen, begleitet von Matsch und Kladderradatsch meterhoch, um am Auto kleben zu bleiben.

Es beginnt zu regnen.

Nein, ich steige nicht aus, ich bin bockig. Sofort würde ich bis zu den Knöcheln in weichem Lehm und Nässe stehen. Der Held kümmert sich allein um das Problem.

Mittlerweile haben die Reifen tiefe Gräben in den Untergrund gefräst und ich habe eine aussichtslose Lage vor Augen, in der wir ausharren, bis die nächste Trockenperiode unseren Platz entwässert.

Der Held buddelt derweil im Sumpf, steigt völlig verdreckt wieder ein und lässt die Räder erneut tiefer einsinken.

Der Held steigt wieder aus. Ich sehe dass er eine Idee hat: er klaubt herumliegende Strohreste zusammen und schiebt sie unter die Reifen. Ich könnte ihm behilflich sein, doch ich bin verzweifelt und will mich nicht einsauen, falls wir in den nächsten Wochen hier kein Wasser zum Waschen finden.

Der Held wiederholt die Prozedur, immer wieder versucht er das Fahrzeug aus der tiefer werdenden Fahrrinne zu zirkulieren. Schlamm, Schmand und Einstreu wirbeln durch die Luft, das Auto versinkt noch ein Stückchen.

Ich verharre in Resignation, Ängstlichkeit, Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit und halte die Augen kraft- und mutlos geschlossen.

Tatsächlich müsste ich wissen, dass der Held uns bisher aus beinahe jedem Loch gerettet hat.

Mit dreckigem Stroh, Kreativität, Fußspitzengefühl und jeder Menge herumfliegender Pampe rauscht die Räuberhöhle in einem wunderbaren Moment nach gefühlter Ewigkeit auf festen Grund und hinterlässt tiefe Rinnen im Schlamm.

Der Held ist von oben bis unten mit graubraunem Zeugs beschmaddert, grinst und schimpft, dass ich nicht ausgestiegen bin, um das Meisterstück live und in Farbe zu filmen.

Unterdessen prasselt wieder einmal der Regen und Donner grollt, aber alles ist wieder gut. Und der Held hat wie immer Recht...


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