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Zappas kleine Reiseskizzen

Der Plan ist jetzt, sich etwas von den Besucherströmen von Le Gouffre zu entfernen, der Tag ist jedoch schon in den frühen Abend fortgeschritten. Es ist noch sehr lange hell, der späte Sonnenuntergang sorgt für ausgedehnte Abende bei wunderbarem Licht. Doch viele Kilometer wollen wir nun nicht mehr zurücklegen und schauen uns in der Umgebung um.

Die Bretonen haben dem Camperspaß enge Grenzen gesetzt. Auf meernahen Parkplätzen ist der Verbleib stark eingeschränkt. Abhängig von der jeweiligen Kommune kann sich das Übernachtungsverbot an diesen Orten auf Wohnmobile beschränken oder auf den Zeitraum von 22:00 bis 07:00 Uhr oder von 21:00 bis 6:30 Uhr oder von 00:00 bis 8:00 Uhr oder von 23:00 bis 6:00 Uhr oder oder oder... Es kann sich aber auch um ein absolutes Halteverbot für alle Fahrzeuge handeln oder nur für Caravans, Transporter und Wohnmobile. In anderen Orten gibt es überhaupt keine Einschränkung und es herrscht die ganze Nacht Partystimmung am Strand. Viele Variationen sind möglich. Eine kleine Fotoserie der Ver- und Gebotsschilder würde sich lohnen.

Eine von vielen Varianten

Wir entscheiden uns, das Abendessen bis zum Sonnenuntergang auf einem Strandparkplatz zu verbringen. Hier ist der Aufenthalt für Wohnmobile von 22:00 bis 8:00 Uhr nicht erlaubt. Genaugenommen ist der Kangoo kein WoMo und ein französisches Pärchen mit einem ähnlichen Camper gesellt sich zu uns. Ganz sicher fühlen wir uns jedoch nicht und so ziehen wir zur Nacht um. Auf der Erkundungstour haben wir einen kleinen Parkplatz entdeckt. Darauf ein Parkverbotsschild und drum herum fünf oder sechs PKWs, den Kennzeichen nach Einheimische auf Hunderunde oder beim Picknick. Also vermuten wir, dass sich das Verbot auf den Platz bezieht, den der Wanderweg quert, damit die Randonneurs ungehindert laufen können.

Als wir gegen 23:00 Uhr ankommen, verlässt gerade die letzte Familie mit Hund und Picknickkorb den Platz und wir freuen uns auf eine geruhsame Nacht mit Blick auf die langsam ansteigende Flut, das leise Meersrauschen, den glutroten Horizont und den immer runder werdenden Mond.

Plougrescant

Zum Frühstück ziehen wir auf den Strand, die Temperaturen im Schatten und stetig wehenden Wind sind zur Morgenstunde noch frisch, so dass wir Zuflucht in der wärmenden Sonne suchen.

Der Kaffee ist soeben durchgeblubbert und duftet, das Müsli gerade in die Schale geschichtet, als ein Wagen auf den Platz einbiegt. Daraus entsteigt Monsieur le Policier municipal und bellt in unsere Richtung die Frage, ob sich es hier um unser vehicule handelt. Über die Entfernung und nicht in meiner Muttersprache verstehe ich nicht sofort und muss um Wiederholung bitten. Das amüsiert Monsieur nicht besonders und deshalb folgt die erneute Frage noch unwirscher. Dann befiehlt er weisungsberechtigt und gehorsamgewohnt, dass wir unser Fahrzeug entfernen, es steht im Parkverbot! Und nein, wir dürfen das Picknick nicht beenden, maintenant!!!

Zappas erstes und vorerst letztes Auto

Ich kann es kaum fassen, das ist der erste Franzose, der eine Mahlzeit im Freien nicht als Ausrede für alles gelten läßt! Der erste Franzose, der kein Auge zudrückt, wenn es sich nur um ein Picknick handelt!

Ich kann die Ausrufezeichen in seinem Gesicht deutlich sehen und so sammeln wir Kaffeetasse und Müslischale zusammen und transportieren nacheinander das Frühstück, unsere Klappstühle und die Catering-Kiste zurück zum Auto. Monsieur nutzt die Zeit und notiert sich das Kennzeichen. Oh nein, nicht auch noch ein Knöllchen! 

Die Räuberhöhle befindet sich eindeutig noch im Schlafmodus, die Sitze sind nach vorn geschoben, die Vorhänge verhindern die Sicht und es herrscht ein allgemeines Chaos der Klamotten und Dinge, die abends schnell aus dem Weg geschafft werden. Leugnen hat wohl keinen Zweck, es ist eindeutig, dass wir hier im Parkverbot illegal übernachtet haben.

Pleubian

Ich setze meine mitleiderregenste Leidensmine auf und aktiviere den bettelnden Hundeblick, der auch bei Zappa immer zieht. Ich erkläre Monsieur, dass wir erst sehr spät in der Nacht nach langer, anstrengender Fahrt angekommen sind und nicht wussten, wohin. Und wir haben angenommen, dass sich das Verbot auf die Behinderung der Wanderer bezieht. Monsieur streicht sich über seinen Rauschebart, während er nebenbei immer mal wieder ratlos auf sein Handy schaut, in das er gerade versucht, unser Kennzeichen einzutippen.

Cam Luis: 7,00 Meter

Als ich mit den letzten Frühstücksflocken vom Strand wiederkomme, gibt er großzügig bekannt, dass er uns jetzt "un cadeau", ein Geschenk macht. Er lässt uns unbestraft ziehen, aber nur, wenn wir versprechen, sofort den Platz zu räumen und nie-nie-nie wieder wild zu campen!

Ich verspreche, ich gelobe, ich schwöre!

Damit rauscht Monsieur vom Platz und wir trinken erst mal unseren mittlerweile kalten Kaffee.

Puh, noch mal Glück gehabt, das falsche Parken hätte 15 Euro gekostet, das wilde Campen jedoch bis zu 1500€!

Menhir de Kerloas: 10 Meter

Während wir uns gegenseitig versichern, in Zukunft Schilder und deren Botschaften ernster zu nehmen, fahren zwei alte Twingos auf den Platz und parken mitten auf dem Wanderweg. 

Schließlich ist wie jeden Tag Hunderundenzeit.

Zappas kleine Reiseskizzen


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