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Crêpes, Galettes und Breizh-Cola

Veröffentlicht: 21.07.2022

Zappas kleine Reiseaquarelle

Nun also die Bretagne. Jetzt im hellen Sommer ein Blütenmeer in allen Farben, sonnengelb, purpurrot, schneeweiß, kobaltblau. Duftige Hortensien-Bälle in jedem Garten, vor alten granitfarbenen Häusern, vor jedem Mäuerchen, also doch nicht nur von romantisierenden Krimiautoren so erfunden.

Kleine Dörfer mit überdimensional-riesigen Kirchen und noch höheren, sich weit in den tiefblauen Himmel reckenden Kirchtürmen, winderprobte Steinhäuser, Megalithe, Dolmen, Hinkelsteine, sturmumtoste Leuchttürme, beachtliche Gemüseäcker mit Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und vor allem Artischocken. Auf einer Holperpiste zwischen zwei Örtchen folgen wir einem Artischocken-Bomber, der die Kurven typisch französisch rasant nimmt und eine seiner kostbaren Früchte verliert. Ich mache mich schon bereit, aus dem Kangoo zu springen, um die Verlustware einzusammeln. Doch die Artischocken-Garde ist wachsam und schnell, hier bleibt nichts auf der Straße liegen.

Es wäre dem kleinen Campingkocher auch zu viel abverlangt, das äußerst gesunde und kalorienarme Gemüse etwa eine Stunde zu garen. Auf der Reise müssen wir uns eher mit der eingelegten Supermarktware zufrieden geben.

Eins der Ziele dieser Tour haben wir nun erreicht: die rosa Granitküste und die Felsen von Le Gouffre.

Hier finden wir das meistfotografierte Haus der Bretagne, erbaut zwischen zwei dicken, rosa Granitfelsen. Darin wohnen Menschen, weshalb der geneigte Fotograf das Gebäude nur aus etlicher Entfernung, mit Superzoom und immer zwei Fahrzeugen vor der Tür ablichten kann. Es scheint, als hätten die Besucherströme in den letzten Jahren so erheblich zugenommen, dass sich die Bewohner nur noch mit konsequenter Absperrung über weite Wege mit hoher Bezäunung von den Paparazzi abschirmen können.

Das meist fotografierte Haus der Brteagne

Also machen auch wir das Bild aus der Ferne und folgen dem Menschenstrom weiter zu den Felsen von Le Gouffre.

Von hier hat man eine tolle Aussicht auf die überall im Meer pitoresk verteilten rosa Steine. Sie bieten bei Ebbe ein faszinierendes Bild einer unwirklich scheinenden, stimmungsvoll aufregenden Landschaft. Nur leider ist uns heute das Azorenhoch nicht hold, ebenso wenig wie den vielen anderen, gefühlt Millionen Touristen, die mit uns gemeinsam unter grauen Wolken auf dem Granit herumturnen, lachen und schreien. Mich stressen Menschenansammlungen mit steigendem Alter immer mehr, die Fotos wollen nicht so recht werden. Es fehlt das stimmungsvolle Licht, es herrscht nur stimmenreiche Atmosphäre. Diese treibt mich schnell weiter, hier kann ich nicht entspannen.


Zappa übertritt bei der Rückkehr zum Auto versehentlich die nur 20cm hohe Absperrung des Weges, um seine verbogene Körperhaltung beim Fotografieren zu stabilisieren. Und sofort ist Madame La Ranger in Polizeiuniform zur Stelle und pfeift ihn zurück. Betreten verboten! Vogel- und Pflanzenwelt müssen vor den Besuchermassen geschützt werden.

Zappa gehorcht brav und artig, doch hinter ihm steht schon Monsieur Important weit hinter dem niedrigen Zäunchen. Madame reagiert sofort und möchte ihn über den Sinn des Ganzen aufklären. Doch Monsieur interessiert das nicht und will sie an der Schulter aus dem Weg schieben. Da hat er aber nicht mit Madame gerechnet! Sie faltet ihn nach allen Regeln der Kunst zusammen, Grenzen übertreten ist nicht und anfassen schon gar nicht. Sie erklärt ihm mit ungeahnter Autorität, wieso, weshalb, warum. Monsieur wird quasi mit jedem Buchstaben kleiner, das Wichtigtun ist ihm gründlich vergangen, der abschließende bonne journée aber auch.

Wir haben genug gesehen und müssen uns langsam sowieso auf die Suche nach einem Platz für die Nacht machen.

Das entwickelt sich noch zu einer Herausforderung.


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