Reisefieber - Alltag ade

Die Nacht hat es stundenlang wie aus Eimern geschüttet, was auf dem Wellblechdach unserer Cabaña ein ziemlicher Lärm war. Nach dem Frühstück haben wir noch bei der Vermieterin hausgemachte Kakaokugeln (aus Rohmasse) und gezuckerte Kakaonips als energiespendende Wegzehrung günstig gekauft. Anschließend haben wir uns von unserer sympathischen Wandergruppe (zwei Schweizer, eine in Spanien lebende Italienerin, ein Costa-Ricaner und unser Guide) verabschiedet, denn ab jetzt geht es für uns den restlichen Camino alleine weiter. Wir sind schon etwas aufgeregt, jetzt auf uns allein gestellt zu sein, freuen uns aber auch das Land auf eigene Faust erkunden zu können. Es hat viel Planung und Vorbereitung gebraucht, auf allen Etappen passende Unterkünfte und Essensmöglichkeiten zu finden, da auf dem Camino noch die durchgehende Infrastruktur fehlt, aber mit ein paar Spanischkenntnissen ist alles machbar. Wir haben heute eine kurze Etappe von ca. 12 km, bestens um sich mit dem neuen Gewicht der Rucksäcke einzulaufen (vorher gab es Gepäcktransport). Auch heute ist es wieder heiß und sonnig, sodass man bereits nach kurzer Zeit durchgeschwitzt ist. Wir genießen das Laufen die saftigen Hügel hinauf, begleitet von zahlreichen bunten Schmetterlingen, die unseren Weg kreuzen. Wir übernachten heute in der charmanten Finca ViaLig, wo wir ein Zimmer im Haus der Besitzerin beziehen und uns ein Badezimmer teilen. Wie schön ist doch das Gefühl frisch geduscht zu haben nach einer schweißtreibenden Wanderung! Sogleich beginnen wir einen Plausch mit der liebenswerten Besitzerin, die uns einen authentischen Einblick in das hiesige Leben gewährt und wir freuen uns, das wir mit unserem Spanisch tatsächlich eine richtige Konversation führen können. Außerdem dürfen wir dort unsere dreckige Wäsche waschen, die es dringend nötig hat. Auf dem riesigen Grundstück befindet sich außerdem ein Mariposario, in dem Schmetterlinge gezüchtet werden. Wir bekommen eine persönliche Führung über das Gelände und jeden Schritt der Züchtung ausführlich erklärt und gezeigt, von den eierlegenden Schmetterlingen in einer Voliere, über die kleineren und größeren Raupen, bis zu den Puppen, bei welchen nur die makellosen zum Export in die ganze Welt freigegeben werden. Zwei verschiedene Schmetterlinge werden hier gezüchtet der große blaue Morphofalter (auch Himmelsfalter) und der schwarze-gelbe Königs-Schwalbenschwanz. Interessant für uns ist auch, das jeder der beiden Arten eine ganz bestimmte Pflanze zur Eiablage nutzt, welche zuhauf auf dem großen Areal wachsen, sodass man nur ein Netz über die jeweiligen Äste stülpen muss, auf denen sich die Eier befinden, um dann die Raupen oder Puppen abzusuchen. Des weiteren staunen wir nicht schlecht, als wir Steine mit uralten Gravuren und Symbolen sowie Steinformationen gezeigt bekomme, welche von früher hier lebenden indigenen Ureinwohnern stammten. Ein toller Abschluss war dann das fantastische Abendessen mit frisch gepresstem Säften aus süßer Guanábana (meiner Lieblingsfrucht) und erfrischender Carambola. Pura Vida!

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