Reisefieber - Alltag ade

Wir wachen nach einer sehr kalten Nacht, aber gut gewärmt durch die dicken Decken, auf. Uns wurde erzählt, dass es ein Unwetter gegeben hatte und es nur etwas über Null Grad gewesen seien. Alles ist in dichten Nebel gehüllt und man läuft durch eine Art Vorhang aus Tröpfchen. Wir laufen in unsere Regenjacken gehüllt los. Heute verläuft ein größeres Stück des Weges entlang einer stark befahrenen Asphaltstraße, auf der das Wandern kein Vergnügen ist, zumal es auch noch leicht angefangen hat zu regnen. Wir versuchen zwei Mal eine angenehmere Umgehungsroute zu finden, werden jedoch unter anderem von den aufdringlichen costa-ricanischen Hunden verscheucht, die ihr Territorium beschützen wollen. Nach der letzten schlechten Erfahrung laufen wir also weiter Straße an den amerikanischen Brummies vorbei. Heute kommen wir endlich an zahlreichen geöffneten Lebensmittelgeschäften vorbei, in denen wir unsere Vorräte für unterwegs auffüllen können. Leider haben wir mit den Restaurants da nicht so viel Glück, die nach wie vor geschlossen sind. Wir entscheiden uns doch auf der Veranda eines Restaurants kurz Pause zu machen und unsere Jacken zu wechseln, als uns ein Mann anspricht, der sich als der Besitzer herausstellt. Er dachte zum Glück von weitem, wir wären seine Freunde, sodass er herüber gekommen ist. Er lädt uns kurzer Hand auf einen heißen Tee in die gute Stube ein, was wir dankend annehmen. In der warmen Gaststube bekommen wir auch noch leckeren Schokokuchen zum Tee serviert und unterhalten uns prima mit ihm. Er stellt sich als Unterstützer des Caminos heraus und erzählt und auch viel über die hiesigen Früchte, Gewürze und natürlich den Kaffee, den er hier auch verkauft. Er lässt uns an einer milden Sorte Kaffe schnuppern, der auf eine bestimmte Art produziert wird, bei der auch eine Art Honig, die die Pflanze produziert mit verarbeitet wird. Nach etwas Überlegung, entscheidet sich Chris dann doch ein Päckchen zu kaufen, dass er jetzt allerdings die nächsten Etappen mit schleppen muss. Der muss also besonders gut schmecken! Der Mann berichtet uns außerdem, dass er hier regelmäßig Quetzales in den frühen Morgenstunden sieht und er erst gestern ein Gürteltier über die Straße hat laufen sehen. Für die kleine Zwischenmahlzeit möchte er nichts haben und so verabschieden wir uns dankbar für die willkommene Pause. Wir haben das Mittagessen unterwegs mittlerweile perfektioniert: wir essen meist knusprige Kochbananen mit abgepackten Bohnenmus (Frijoles) sowie Nüsse, Obst und costa-ricanische Schokolade, was in Kombination super Energie für unterwegs spendet. Es ist immer noch stark neblig und windig. Durch die Höhe und Luftfeuchtigkeit wächst auf allem Moose und Farne, sogar auf Zäunen oder Stromkabeln. Die Bäume sehen aus wie bärtige Riesen, so überwachsen sind sie und dienen als feste Ankerpunkte im Nebeldunst. Wir befinden uns mittlerweile auf dem höchsten Punkt des Caminos auf 2340 Höhenmeter, ab jetzt muss es also mehr bergab als hoch gehen. Sobald wir tiefer kommen bricht die Sonne mehr und mehr durch und es wird auch wärmer. Wir werden mit den hier vorherrschenden Nadelbäumen und den Kühen auf den Weiden etwas an Deutschland erinnert. Jetzt tauchen auch immer regelmäßiger die rot-weißen Wegmarkierungen oder das aufgesprühte Symbol des Kolibris als Zeichen des Camino de Costa Rica auf, die sonst eher spärlich gesäht waren. Ein Stück weiter lesen wir ein Schild mit dem an den scheinbar verstorbenen Pionier des Caminos erinnert wird, der die Route entwickelt hat. Wir kommen durch den Ort San Pablo de León Cortés, in dem es erstaunlich viele Geschäfte und Restaurants gibt, sowie auch den lang ersehnten Geldautomaten. Anschließend laufen wir weiter nach San Marcos, wo wir im Hotel Palenque de Tarazú übernachten. Leider können wir keine Wäsche waschen, obwohl Waschmaschinen dastehen. Wir gehen früh schlafen, denn morgen steht unsere längste Etappe an.

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