Reisefieber - Alltag ade

10. Etappe: Im Nebelwald Palo Verde umschwirrt von Kolibris

Für die heutige Etappe haben wir im Voraus (Kontakt José Masis) einen lokalen Guide organisiert, da es querfeldein durch ein über 600 Hektar großes Privatreservat namens Bosque Nuboso Palo Verde geht. Dieser Nebelwald wird schon seit vier Generationen von der Familie vor der Abholzung bewahrt (obwohl sie damit kein Geld verdienen, sondern das geringe Eintrittsgeld eher eine Auffandsentschädigung ist) und so können wir die ganze Pracht des üppigen Urwaldes erleben. Unser Guide Nelson zeigt uns Blüten, die wie Schamlippen aussehen, erzählt von giftigen Pilzen und nimmt uns mit auf die Entdeckungsreise des berühmten "Göttervogels", dem Quetzal. Dieser smaragdgrüne Vogel mit roter Brust, trägt prachtvolle lange Schwanzfedern, die in bei den früheren Ureinwohnern als Kopfschmuck von Priestern benutzt wurden. Bei Ornithologen ist dieser majestätische Vögel sehr beliebt und man trieft ihn nur, wie hier in Palo Verde, in kühlem Nebelwäldern an. Wir befinden uns hier auf 1800 Höhenmetern, also der perfekte Ort für den Quetzal. Leider ist der Tag schon etwas fortgeschritten und so sehen wir leider keinen, trotz der Lockrufe, die unser Guide auf dem Handy abspielt. Auch die Klammeraffen beehren uns nicht mit ihrer Anwesenheit. Trotzdem ist es für mich eine der bisher schönsten Etappen und so merke ich vor lauter Hingerissenheit heute kaum das Gewicht des Rucksacks und auch für die Füße ist der Weg auf dem weichen bemoosten Waldboden eine Wohltat. Die Gummistiefel trägt man hier übrigens nur aufgrund des Matsches (die Regenzeit ist erst seit letztem Monat vorbei), da es hier keine giftigen Schlangen gibt. Der plätschernde kleinen Fluss, den wir mehrfach passieren, enthält klares sauberes Wasser direkt von der Quelle, sodass wir gleich unsere Wasservorräte (trotzdem unter Verwendung unseres Filters) auffüllen. beeindruckt hat mich außerdem, dass Nelson akribisch jeden noch so kleinen Müll aufhebt und wir entdecken sogar eine alte Patronenhülse, von früheren Wilderern. Nach ca. 3h haben wir fast das Ende des Reservats erreicht und kommen an mehreren kleinen Häusern vorbei. Hier hat die Familie Nektarspender für die Kolibris aufgestellt, die sich in großer Anzahl dort tummeln. Wir sind ganz hingerissen davon, nur ein paar Meter von uns entfernt ca. 20 Kolibris flink hin und her huschen zu sehen. Unter den vier verschiedenen Arten von Kolibris dort hat es uns besonders der Violettdegenflügel-Kolibri angetan, der in der Sonne purpur leuchtet. Das letzte Stück begleitet uns der Vater unseres Guides, da er mitbekommt, dass wir doch etwas Spanisch können. Wir entscheiden uns für einen kleinen Trampelpfad als Alternative zur Straße, der uns auf einem kleinen Umweg zu unserer Lodge führt, mit dem wir aber noch etwas länger durch den Urwald tapern können. Der Weg wird immer abenteuerlicher und unser Guide bahnt uns einen Weg mit der Machete. Er erzählt uns, dass er das wöchentliche macht, weil der Pfad so schnell zuwächst. Seine Begeisterung für dies Natur hier ist ansteckend und so genießen wir die Zeit sehr. Nach insgesamt 12 Kilometer kommen wir an der Verdesana Lodge an, wo wir heute inmitten dieser großartigen Natur in einer traumhaften Holzhütte übernachten werden. Direkt vor dem Häuschen finden wir erneut Unmengen an Kolibris, welche von den lila Blüten der Hecke angezogen werden. Daran kann man sich kaum satt sehen. Wir erfahren, dass wir die einzigen Gäste auf dem großzügigen Gelände sind und so wird extra für uns ein gehobenes drei Gänge Menü aus lokalen Biozutaten kredenzt, was sich unserer Meinung nach vor keinem Nobelrestaurant verstecken muss. Wir finden sogar einen süßen costa-rikanischen Wein der uns schmeckt. Als i-Tüpfelchen taucht während des Abendessens vor dem Fenster ein Opossum auf und nutzt den Fruchtteller, der eigentlich für die Vögel gedacht ist, als sein Abendmahl.

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