Reisefieber - Alltag ade
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Nach der Nacht im Zelt müssen wir am nächsten Morgen feststellen, dass all unsere nassen Sachen inklusive der Schuhe nicht getrocknet sind. Chris zieht seine feuchten Schuhe trotzdem an, aber ich weichen auf die Trekkingsandalen aus. Heute nutzen wir auch noch einmal den Gepäcktransport, der für unsere Freunde sowieso deren Gepäck in das nächste gemeinsame Ziel Esquipulas bringt. Es geht heute 13 km eine grobe Schotterstraße stetig bergab, was mit den Sandalen überhaupt keinen Spaß macht. Als Kontrastprogramm zu gestern knallt die Sonne heute so richtig und eröffnet uns dafür jetzt endlich den ersten Blick auf den Pazifik. Wir kommen regelmäßig an kleinen Wasserfällen und Rinnsalen mit glasklarem Wasser vorbei. Wir merken, dass wir uns nun wieder auf knapp 500 Höhenmeter befinden, da die Pflanzen- und Tierwelt deutlich tropischer geworden ist. Das unglaublich laute Zirpen der Zikaden und die flimmernde Hitze unterstreicht dies noch einmal. Kurz vorm Ziel Keifen uns vor einem Haus zwei Gänse an und versuchen uns lauthals zu verscheuchen. Wir haben hier in Costa Rica ja schon alle Formen von Wachhunde erlebt, aber Wachgänse sind neu. Gegen Mittag kommen wir im kleinen Ort Esquipulas an und checken in unserer Unterkunft die Chorro Ecolodge ein. Diese besteht aus einem großen Safari-Zelt mit richtigen Betten, sodass dieses Glamping deutlich komfortabler ist als der alternative Campingplatz. Zusätzlich befindet es sich in einem wunderschönen Areal mit tropischen Pflanzen und Blick auf den Fluss. Einen besseren Ausblick von einer Toilette oder Dusche, habe ich bisher noch nie gehabt! Bevor wir jedoch uns im kühlen Nass erfrischen, essen wir noch mit der Gruppe von Urritrek zusammen Mittag, wo wir ganz aus der Nähe einen majestätischen Tukan, genauer einen Rotschnabel-Arassari, beim stibitzen von Früchten beobachten dürfen. Wir schnappen noch schnell unseren großen Rucksack (der ist natürlich typisch costa-rikanischen nicht korrekt in unserer Unterkunft sondern im anderen Camp angekommen) und schlüpfen in unsere Badesachen, um zum Wasserfall runter zu laufen, der sich direkt unter unserer Unterkunft befindet. Über ein paar Steine erreichen wir den Wasserfall, der sich über mehrere Kaskaden in einem natürlichen Pool ergießt und in dem man in erfrischendem Wasser schwimmen kann. Dieses Kleinod können wir ganz ungestört genießen, da weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, im Gegensatz zu sonstigen Wasserfällen zum Baden in Costa Rica, die als Geheimtipp gehypt werden. Nach der heutigen eher durchschnittlichen Etappe war das sicherlich unser Highlight des Tages. Nach einer wohltuenden Dusche lümmeln wir uns noch gemütlich in die Hängesessel, die auf einer Art Holzplattform mit Ausblick angebracht sind und können mal so richtig entspannen bei Vogelgezwitscher und Flussrauschen, zumal wir hier die einzigen Gäste sind. Am Abend gibt es dann doch noch ein bisschen Aufregung. Wir hatten eigentlich bei einer Familie im Dorf ein Abendessen vereinbart, aber als wir dort hinwollen, ist das Tor verschlossen und der Besitzer nicht auffindbar. Scheinbar haben die Bauarbeiter, die auf dem Gelände noch an einem Haus gearbeitet haben, fälschlicherweise dieses einfach hinter sich zu gemacht, ohne zu wissen, dass heute tatsächlich Gäste da sind. Nach etwas Gesuche im Dunkeln nach einem alternativen Ausgang, klettert Chris dann doch über das Tor, um den Schlüssel zu holen, denn Handyempfang oder Internet gibt es hier nicht. Nach dem ausgiebigen Essen mit leckeren Fruchtsäften halten wir noch ein kleines Schwätzchen mit der Familie vor Ort und sind mächtig stolz auf uns, was für Konversationen wir mittlerweile nach zwei Wochen in Spanisch führen können. Morgen steht dann die letzte Etappe unseres Caminos an, sodass wir etwas aufgeregt früh ins Bett gehen.

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