Reisefieber - Alltag ade

11. Etappe: Cerro Alto: Garten Eden auf über 2000 m

Die Nacht war sehr kalt, was für diese Höhe aber zu erwarten war. Wir fragen mittlerweile immer im Voraus nach einer zweiten Decke. Dafür war das vegane Frühstück umso leckere und noch dazu so kunstvoll, dass man es sich kaum traute zu essen. Bestens unterhalten wurden wir mit dem Blick aus dem Fenster, denn da war mit Früchten auch ein Frühstück für die Vögel angerichtet. Es war ein richtiges Spektakel den zahlreichen knallbunten Vögelchen beim Kampf um die besten Stücke zuzusehen, eine Art reales "Angry Bird". Die Natur ist eben besser als Fernsehen. Ein jehes Ende fand der Streit mit der Ankunft des deutlich größeren Montezumastirnvogels, den wir jetzt endlich Mal vor die Linse bekamen. Die letzten Tage konnten wir ihn mehrmals beobachten, wie er bei seinen gurgelnden Rufen sich kopfüber den Ast runter hängen lässt, was wirklich drollig aussieht. Die heutige 11. Etappe ist zwar sehr kurz, dafür die Anstiege umso steiler, denn wir erreichen heute erstmals über 2000 Höhenmeter und da kommt man schnell außer Puste. Nach ein paar Kilometern erreichen wir ein Refugium, eine Art Garten in dem Hortensien und Eukalyptus gezüchtet werden. Hier erwartet uns ein Etappenstein des Caminos, der zu unserer Freude anzeigt, dass es nur noch 99 km bis zu unserem Endziel Quepos am Pazifik sind. Daneben ist ein kleines Podest aufgebaut, auf dem man Selfies machen kann, was wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Der Rest des Weges ist bis auf ein paar schöne Aussichten nicht sehr spektakulär und leider gibt es auch wieder kein Restaurant unterwegs, sondern nur einen kleinen Tante Emma-Laden (hier Pulperías). Hier unterhalten wir uns nett mit dem Besitzer des Lädchens, der uns interessiert über den Camino ausfragt. Solche Gespräche führen wir öfter, denn scheinbar hat es sich noch nicht gut rumgesprochen, dass es jetzt hier einen Fernwanderweg gibt. Wir machen also richtige Aufklärungsarbeit. Das heutige Highlight ist aber unser Ziel: Las Cabinas Touristicas Cerro Alto im gleichnamigen Ort. Diese geräumigen Holzhütten mit tollem Blick befinden sich auf einem größeren Gelände mit liebevoll angelegtem Garten sowie einem hauseigenem Urwald inklusive kleinem Wasserfall hinten dran. Überall blüht es und es gibt mehrere schöne Wege durch dieses kleine Paradies, sodass wir doch noch einmal zwei Kilometer mehr für heute zurücklegen. Vorallem der Dschungelschaukel kann ich nicht widerstehen. Auf einmal sehen wir auf einer Stange zwei grüne Tucanillos (Laucharassaris, gehören zur Familie der Tukane) sitzen, die auch nicht wegfliegen als wir uns noch etwas nähern. Beim Abendessen werden wir etwas schnell abgefrühstückt, aber wir möchten sowieso schnell wieder in unsere Cabaña, denn es ist, wie hier üblich auf dieser Höhe, starker Nebel aufgezogen und die Temperaturen sinken rapide. Zusätzlich beginnt es stark zu stürmen. Obwohl es hier häufiger so kalt wird, sind die Häuser überhaupt nicht darauf ausgelegt. Wir stopfen in alle Ritzen, durch die es durchzieht, Kissen und Decken und ziehen alle Schichten an Kleidung an, die wir haben, denn etwas zum Heizen gibt es hier nicht. Unter mehreren Decken schlafen wir schließen ein und lassen den Sturm vorüber ziehen.

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