Reisefieber - Alltag ade
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Wir können es noch nicht so richtig glauben, aber heute ist unsere letzte Etappe des Camino de Costa Rica. 23 km trennen uns jetzt noch vom Pazifik. Nach einem letzten Gallo Pinto zum Frühstück brechen wir, die Rucksäcke geschultert, um 6:40 Uhr früh auf. Gleich zu Beginn hören wir ein ungewöhnliches Krächzen und sehen über uns drei große Goldkehltukane im Baum sitzen. Wir können kaum fassen, dass wir am letzten Tag noch in freier Wildbahn diese wunderschönen Vögel bestaunen dürfen. Nachfolgend müssen wir erst einmal wieder Straße laufen und kommen nach einem kleinen Stück an der Villa Vanilla vorbei. Hierbei handelt es sich um eine Farm, auf der Vanille sowie Kakao und Gewürze angebaut und verarbeitet werden und man kann Touren mit Verkostungen machen. Für diese reicht unser straffer Zeitplan jedoch nicht aus, trotzdem erwerben wir im angrenzenden Shop einige Köstlichkeiten als Mitbringsel. Ein paar Kilometer weiter kommen wir durch den Ort Naranjito, in dem wir endlich wieder Handyempfang und Internet haben. Als wir gerade ein paar Lebenszeichen nach Hause schicken und die Mails checken, spricht uns ein Fahrradfahrer an und fragt uns nach dem Weg. Nach zwei Wochen Costa Rica sehen wir scheinbar schon sehr ortskundig aus. Obwohl es jetzt erst 9 Uhr ist, brennt die Sonne erbarmungslos und wir haben auch schon unsere T-Shirts durchgeschwitzt. Wir gönnen uns in einem kleinen Laden ein erfrischendes Wassereis und trotten weiter. Wir freuen uns gerade, dass wir endlich von der Asphaltstraße wieder auf einen bequemeren Schotterweg eingebogen sind, als der erste Transporter sowie Motorrad an uns vorbeibrettern und uns in einer Staubwolke gehüllt zurücklassen. Nach einer weiteren halben Stunde haben wir die Nase voll und lesen ein Schild auf dem das Restaurant und Bar "Rancho los delfines" ausgeschildert ist, das für ein Päuschen wie gerufen kommt. Zuerst freuen wir uns über die tolle Aussicht auf die Berge, doch dann entdecken wir den hauseigenen Pool, der einladend glitzernd den Gästen zur Verfügung steht. Schneller als man "Pura Vida" sagen kann stecken wir in unseren Badesachen (wie praktisch, dass man alles Wichtige dabei hat) und springen ins Wasser. Schöner könnte man sich die letzte Etappe nicht vorstellen: schwimmen im Pool mit Blick auf die traumhafte Landschaft, ein erfrischender Ananassaft wird uns serviert und aus den Boxen tönt die perfekte Gute-Laune-Musik mit Celia Cruz "La vida es un carnaval". Wir genießen diesen Moment in vollen Zügen und freuen uns, dass wir danach sogar noch ein letztes sauberes T-Shirt mit haben, denn wir haben gestern von Urritrek noch unser Shirt für den Finaltag bekommen mit Logo des Caminos und dem Satz: 280 km Costa a costa cumplidos (280 km von Küste zu Küste vollendet). Nachdem wir weiterlaufen biegen wir irgendwann auf eine Straße ein, in der sich Palme an Palme reiht so weit das Auge reicht. Dieses Areal wird zur Gewinnung von Palmöl genutzt und hat uns in unserer Liste typischer Exportgüter von Costa Rica noch gefehlt. Manchmal weiden hier Wasserbüffel zwischen den Palmen und es riecht süßlich von den Kaffeefrüchten, deren Bohne bereits entfernt wurde und die hier als Dünger vewandt werden. Am Ende dieses Areals sind wir plötzlich wieder in der Zivilisation und kreuzen eine Schnellstraße. Danach wird der Weg aber nicht angenehmer, denn er führt uns weiter durch die Randbezirke von Quepos an einer befahrenen Straße entlang ohne richtigen Fußweg. Obwohl das Ziel, der Hafen von Quepos, jetzt so nahe ist, sind diese letzten 3 km in der Hitze wirklich zermürbend. Das einzig schöne, sind die Mangroven, deren Ausläufer wir hier und da zwischen den Häusern vorlugen sehen. Dann endlich sehen wir den Pazifik und die großen Lettern des Ortes Quepos, die die Marina der Stadt und den Endpunkt des Caminos de Costa Rica markieren. Wir können es kaum glauben, dass wir es geschafft haben und fallen uns jubelnd um den Hals. Wir haben aus eigener Kraft ein ganzes Land und einen Kontinet gequert und hangelnd uns mühsehlig die Steine des Hafens herunter, um symbolisch den pazifischen Ozean zu berühren. Jetzt können wir unser T-Shirt zu Recht tragen und schießen von diesem Moment noch unzählige Erinnerungsfotos. Jetzt müssen wir aber noch zur Bar 506 um die Ecke, denn dort gibt es ein Buch, in dass sich alle, die den Camino erfolgreich absolviert haben, eintragen können. Als wir dort verschwitzt ankommen, werden wir erst einmal lautstark beglückwünscht und uns wird das Buch überreicht, in das auch wir uns verewigen. Das Buch ist noch sehr neu, aber wir gehören wahrscheinlich zu den ersten 600 Menschen, die diesen Camino bisher gelaufen sind. Ich schreibe hinter unsere Namen das Zitat eines meiner Vorbilder Alexander von Humboldt, welches aktueller denn je ist: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“ Nach einem deftigen Sandwich und einem Mojito zum Anstoßen gehen wir noch zur Post, denn wir wollen unseren Familien noch einen kleinen Gruß aus der Ferne schicken. Wir haben bereits ganz zu Beginn der Reise zwei Postkarten in San José erworben, die es, mangels Briefmarken unterwegs, nun mit uns zu Fuß bis hier her geschafft haben, um jetzt nach Deutschland geschickt zu werden. Quepos erscheint uns ansonsten nicht sehr sehenswert und da wir uns mit den vielen Menschen auch irgendwie nicht ganz sicher fühlen, suchen wir uns ein offizielles Taxi und fahren die 8 km bis nach Manuel Antonio zu unserem Hotel, dem Manuel Antonia Park House. Der dortige Besitzer empfängt uns freundlich und meint, dass er schon auf uns gewartet hat. Wir antworten, dass es uns leid tue, aber wir zu Fuß nach Quepos von Esquipulas gelaufen sind. Nachdem er unsere Geschichte hört, ruft er den anderen Gästen in der Lounge zu: "Hey, die hier sind gerade 280 km von der Karibikküste bis hier her gelaufen", woraufhin für uns sogar applaudiert wird und wir erst einmal ein paar Fragen beantorwten müssen. Zum Abschluss des Abends sitzen wir dann noch gemütlich in einem Café mit Blick aufs Meer und stoßen mit einem Cocktail auf eine gelungene Reise an.

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