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Ecuador: Tren de los Volcanoes

Tren de los VolcanoesEcuador: Tren de los VolcanoesPferdeshowPferdeshowLamashowTanzvorführung: Der eindeutig beste Teil des TagesEcuador: Tren de los VolcanoesEcuador: Tren de los Volcanoes1. Pause: FutterhaltZumindest ein Vulkänchen lag nicht im Nebel"Wandern" im strömenden RegenDer vermutlich älteste Baum der GegendFerrocarril Mittagspause

Mit Rehaugen schaute uns Manuela an und fragte, ob wir nicht einen Ausflug mit dem Touristenzug machen könnten. Wie kann man sowas seiner Mutter auch abschlagen? Nun, man kann zwar nicht, aber man sollte trotzdem.

Natürlich buchten wir wunschgemäss die Fahrt und fanden uns am nächsten Morgen pünktlich um 08:00 Uhr am Bahnhof in Quito ein. Das Schienennetz in Ecuador diente ursprünglich vor allem dazu, den Personenverkehr zwischen der Küste und den Anden zu gewährleisten bzw. zu beschleunigen. Heutzutage sind nur noch einige Abschnitte befahrbar und es werden nur noch touristische Fahrten angeboten, die Züge dienen nicht mehr als Verkehrsmittel. Es gibt dabei einige verschiedene Routen, die in verschiedenen Teilen in Ecuador angeboten werden. Wir buchten die Route «Tren de los Volcanos», und wie der Name schon sagt, führt die Strecke entlang an einem Panorama aus Vulkanen (in Ecuador sind offiziell 85 Stk. gelistet) bis nach Bariloche, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Vulkan Cotopaxi hat. Beziehungsweise haben sollte, denn just an diesem Tag war es vollkommen bewölkt und wir konnten nicht nur den Cotopaxi nicht sehen, nein auch das komplette restliche Vulkanpanorama blieb uns leider verborgen. Na super. Also fuhren wir stundenlang auf mehr oder weniger bequemen Sitzbänken durch das vernebelte Ecuador. Freude herrscht. Menschen, die zuvor noch nie in einem Zug gefahren waren, mögen dies unter Umständen wohl spannend finden….aber wir waren halt eben schon zuvor mal ab und zu Zug gefahren.

Pro Zugwaggon gab es ungefähr 60 Passagiere und einen Guide. Da wir (bzw. Manuela und Othmar) die einzigen nicht-spanisch-sprechenden Touristen in unserem Waggon waren, musste unser Guide sämtliche seiner Ausführungen nochmals auf Englisch wiederholen. Und da wir die einzigen englischsprechenden Personen im Zug waren, mussten wir stets einen konzentrierten und interessierten Eindruck machen, während der Guide direkt bei uns stand und die englischen Informationen an uns gerichtet zum Besten gab. Und das stundenlang, während von den übrigen Passagieren bereits einige schliefen. Da offenbar nur Jörg und ich beide Sprachen beherrschten, bemerkten auch nur wir, dass der faule Sack die Hälfte der Informationen gar nicht ins Englische übersetzte.

Den ersten Stopp gab es in einem Bahnhof nahe eines kleinen Dorfes. Dort hatten wir die Gelegenheit ein paar typische einheimische Snacks zu kosten. Das Essen am von Dorfbewohnern nebenan aufgebauten Guerilla-Essensstand war allerdings um Längen besser. Ausser dem Futter und ein paar Toiletten gab es an diesem Bahnhof absolut nichts zu sehen oder zu tun.

Nach einiger Zeit weiterruckeln und -zuckeln im Zug erreichten wir Bariloche. Aber natürlich gab es keine Chance den Cotopaxi zu sehen. Stattdessen hatte es zu allem Elend auch noch zu regnen begonnen. Nach einer kurzen Kunsthandwerksvorführung gab es einen etwa 45-Minütigen Spaziergang im strömenden Regen durch sekundären Nebelwald, wo uns unter anderem ein Baum gezeigt wurde, von dem man stark annimmt, dass es sich um einen der ältesten Bäume in der Region handelt. Wirklich absolut nicht atemberaubend. Anschliessend hatte man noch eine gute Stunde Zeit, während der man wahlweise im völlig überfüllten Restaurant stehend oder draussen in der Kälte stehend einen Tee trinken konnte. Zu diesem Zeitpunkt wusste man schon nicht mehr, ob man lieber hier in der Kälte steht, oder doch lieber wieder für die nächsten paar Stunden auf dem mittlerweile wirklich unbequem gewordenen Sitzbank im Zug hockt.

Beim nächsten Stopp gab es Mittagessen. Ausser Essen schien den Organisatoren dieser Ausflüge wohl nicht sehr viel Kreatives an Unterhaltungsprogramm in den Sinn zu kommen. Halt, vor dem Essen gab es zwar noch eine kurze Darbietung traditioneller Tänze. Obwohl natürlich ein reiner Touri-Gag war das doch sehr bunt und fröhlich und eine willkommene Auflockerung. Genaugenommen war das das Highlight des Tages, jedenfalls für mich, die ich alle Arten von Tanz liebe.
Da wir kein All-inclusive-Programm gebucht hatten (bzw. nicht hatten buchen können), mussten wir zwar unser Essen extra zahlen, konnten dafür aber auch das Restaurant selber auswählen. Wir entschieden uns dafür, der Gruppe zu folgen, die in einem Restaurant auf der Ranch essen würde, da es dort auch noch einen Rundgang auf der Ranch mitzuerleben gab.
Das Essen war soso lala, man wurde eilig abgefertigt und erhielt die Rechnung unter die Nase gehalten, während man noch am Kauen war. Als dann der Rundgang losgehen sollte, wurden wir auf eine Wiese geführt, wo zuerst ein Pferd und ein Maultier und dann ein Pony mit Wagen herbeigeführt und uns vorgezeigt wurden. Das wars dann auch schon mit dem «Rundgang». Anschliessend wurden wir in eine winzig kleine Stube gebracht, wo nicht mal alle Leute Platz fanden, wo uns der zwar freundliche und leicht übermotivierte Farmbesitzer einige Anekdoten in kaum verständlichem Spanisch zum Besten gab. Irgendwann wurde es uns zu blöd und wir entschieden uns zum wiederholten Male am heutigen Tag, lieber in der Kälte draussen zu stehen und zu warten, bis der Zug endlich weiter fahren würde.

Dies würde gottseidank die letzte Etappe der Zugfahrt sein, unglaublich wie lange 1.5 Stunden dauern können. Wenigstens hatte der Guide inzwischen sein Entertainment beendet und es gab keine Informationen mehr, so dass wir auch nicht mehr weiter Interesse und Aufmerksamkeit vorheucheln mussten. Inzwischen war rund die Hälfte der Passagiere am Pennen. Es schien jedenfalls niemand traurig zu sein, als wir wieder im Bahnhof Quito einfuhren und endlich aus diesem verdammten Zug aussteigen konnten.

Wenn ihr jemals nach Ecuador kommt, tut euch den Gefallen und bucht keine Zugfahrt. Dies ist wirklich eine absolute Touristenfalle, noch dazu zu einem ziemlich überteuerten Preis. Und man kriegt absolut nichts geboten für sein Geld.
Klar, wenn wenigstens das Wetter schön gewesen wäre, hätte man zumindest das Panorama geniessen können. Aber ansonsten sitzt man wirklich den ganzen Tag ausschliesslich auf seinem Hintern. Zwischendurch steht man auch draussen rum. Und wenn man gerade nicht am im Zug sitzen oder am draussen rum stehen ist, ist man am Essen. Und die Zugfahrt ist….wie soll ich sagen…halt eine Fahrt im Zug.
Das Schönste war eigentlich, wie die Einheimischen und besonders die Kinder auf den Zug reagieren. Wenn der Zug vorbeifährt schaut jedermann aus dem Fenster, die Leute bleiben auf der Strasse stehen und schauen dem Zug nach und die Kinder winken freudig.
Die Veranstalter könnten bestimmt mehr herausholen aus diesem Ausflug, insbesondere müssten die Pausen interessanter gestaltet werden. Evtl. könnten Aktivitäten eingebaut werden, oder man könnte einen kleinen Markt abhalten. Bestimmt gäbe es Möglichkeiten, damit auch lokale Familien eingebunden werden und profitieren könnten.

Wie dem auch sei, für mich bitte keine Touristenzüge mehr. Danke…..aber nein danke.

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