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Unterwegs durch Sumatras Norden

Veröffentlicht: 11.07.2026

Fahrt
Banda Aceh → … → Medan
Indonesien
Unterkunft
OYO 2180 Vina Vira Hotel
Hotel · Lokhseumawe
Unterkunft
Hayy
Langsa
Essen
Sams Coffee and Roastery
$ · Snack
Essen
Healy Mac’s
$ · Abendessen
Sehenswert
Center Point
Medan, Indonesien

Nach intensiven Tagen in Banda Aceh mache ich mich am 24. Mai 2026 auf Richtung Medan, der grössten Stadt auf Sumatra mit rund zweieinhalb Millionen Einwohnern oder auch fünf, wenn man die Metropolitanregion dazurechnet. Indonesien ist das Land der 17.500 Inseln. Viele sind winzig, Sumatra hingegen ist riesig: Von der Nord- zur Südspitze misst sie mehr als 1700 Kilometer. Ihre Fläche, 480.000 Quadratkilometer, ist fast zwölfmal so gross wie die der Schweiz oder um 120.000 Quadratkilometer grösser als Deutschland.

Das heisst: Reisen wird zur Herausforderung. Am bequemsten wäre ein Flug, aber ich habe mich für den Bus entschieden. Medan liegt zwar nur et-wa 600 km südlich von Banda Aceh, aber die Busse brauchen für diese Strecke rund zwölf bis 13 Stunden, und so lange an einem Stück will ich meinen Rücken nicht strapazieren.

Drei Etappen

Also habe ich die Fahrt portioniert: Am ersten Tag 250 km von Banda Aceh zur Stadt Lokhseumawe, die zwar 200.000 Einwohner hat, aber auch in Indonesien ziemlich unbekannt ist. Am zweiten Tag gut 150 km von Lokh-seumawe nach Langsa, fast gleich gross und fast gleich unbekannt. In Langsa bleibe ich ein paar Tage mit dem guten, aber nicht erfüllten Vor-satz, die berühmten Mangrovenwälder zu besuchen. Und schliesslich noch-mals 170 km bis Medan.

In Banda Aceh soll ich vom Minibus am Hotel abgeholt werden, doch die Reise beginnt ziemlich mühsam: Der Fahrer taucht mit einer Stunde Ver-spätung auf, aber erst, nachdem die freundliche Rezeptionistin dreimal telefonisch nachgefragt hat. Dann kurven wir eine weitere Stunde von Bus-station zu Busstation, wobei ich in der einen mein online erworbenes E-Ticket gegen einen von Hand ausgefüllten Fahrschein tauschen muss (den danach niemand mehr sehen will).

Unterwegs halten wir diverse Male an, weil sich unser Fahrer gleichzeitig als Paket-Zustelldienst versteht. Und natürlich müssen wir uns auch ver-pflegen, in einem grossen Lokal an einer dicht befahrenen Strasse. Die er-hältlichen Mahlzeiten – diverse Saucengerichte mit Fisch, Rind oder Huhn sowie Frittiertes – stehen bereits in Tellern auf einem Buffett bereit, damit die eiligen Reisenden keine Zeit verlieren. Als Beilage schöpft eine junge Frau Reis aus einem grossen Topf. Das Ganze sieht nicht gerade ver-trauenserweckend aus. Aber mein Fisch-Curry schmeckt hervorragend, und auch meine Verdauung reagiert nicht ungnädig auf die Speisen, die zudem extrem preisgünstig sind: keine zwei Franken bzw. Euros für eine Mahlzeit.

Keine gute Erinneung an Lokhseumawe

Die Nacht ist bereits hereingebrochen, als wir in Lokhseumawe ankommen. Der Busfahrer, der die halbe Strecke verbummelt hat, hat es plötzlich eilig und mag nicht in die Stadt hineinfahren. Er lädt mich an der Überland-strasse aus und bezahlt einen Rikschafahrer, um mich zum Hotel zu brin-gen. Das altmodische, wahrscheinlich am Ort zusammengeschweisste Ge-fährt, das unter dem kombinierten Gewicht meiner selbst und meines Rei-segepäcks ächzt, holpert über eine stellenweise ungeteerte Strasse durch unbeleuchtete Quartiere, und ich halte mit der einen Hand mich selbst, mit der anderen meinen Koffer fest, der jederzeit herunterzufallen droht.

Schliesslich kommen wir beim Hotel an. Es heisst «OYO 2180 Vina Vira Hotel». OYO steht für «On Your Own» und ist eine Organisation und Buchungsplattform für preisgünstige Hotels, Hostels und Gästehäuser, die man in jedem indonesischen Ort findet. Ich habe über agoda gebucht, wo das Zimmer trotz des Mini-Preises von rund sechseinhalb Franken bzw. knapp sieben Euro pro Nacht ganz akzeptabel aussieht. 

Allerdings hat die im Netz publizierte Fotografie nichts mit der Realität zu tun: Ich verbringe die Nacht in einer düsteren, fensterlosen Abstellkammer mit alten, wackeligen Möbeln und verlotterten Armaturen im Bad. Aus-nahmsweise verzichte ich aufs Duschen, und ich schlafe auch nicht im, son-dern auf dem Bett, voll bekleidet, weil ich fürchte, ansonsten von irgend-welchen Käfern heimgesucht zu werden.

Sagen wir es so: Lokhseumawe wird, vielleicht zu Unrecht, als der bisher unsympathischste Ort meiner Reise in Erinnerung bleiben, zumal das «Vina Vira Hotel» das einzige Etablissement ist, das ich jemals frequentiert habe, wo kein einziger Angestellter auch nur ein Wort mit mir wechselte. Ich wurde stumm abgefertigt, stumm zur Abstellkammer geleitet und am nächsten Morgen stumm verabschiedet. Hier war sie, die unfreundliche Be-handlung, die ich eigentlich in Banda Aceh erwartet hatte.

Langsa war dann ganz anders, auch wenn der Tuk-Tuk-Fahrer, den ich an der Busstation angeheuert hatte, mein Gästehaus nicht fand und ich mich mühsam durchfragen musste, weil es natürlich auch in Langsa kaum je-manden mit Englischkenntnissen gibt. Aber die Stadt wirkt freundlicher als Lokhsuemawe. 

Das ist sicher auch meiner Unterkunft zu verdanken, dem ziemlich neuen Gästehaus «Hayy» in einer Nebenstrasse. Nicht mit dem «Vina Vira» von letzter Nacht zu vergleichen, obwohl das Zimmer auch diesmal nur knapp neun Franken oder neun Euro pro Nacht kostet. (Etwas hat mich allerdings verwundert: Ich habe noch nie ein Hotelzimmer bewohnt, das zwar Dusche und WC bietet, jedoch kein Waschbecken. Sich in der Dusche die Zähne zu putzen, zu rasieren und die Hände zu waschen, ist eher unbequem – aber natürlich keine Katastrophe.)

Ich lief ein paarmal durch die halbe Stadt, um mich in «Sams Coffee and Roastery» zu verpflegen. Wir sind immer noch in der Provinz Aceh, und auch dieses Lokal ist strikt islamisch, allerdings modern und hell. Es wird vorwiegend von Menschen frequentiert, deren Gross- oder Urgrossvater ich sein könnte, aber ich fühle mich wohl; das Essen ist vorzüglich und ebenso der Espresso.

Von Ereignissen überrollt

Doch auch in Langsa werde ich von Ereignissen überrollt – und als jemand, der lange in arabischen Ländern reiste und lebte, hätte ich es besser wissen müssen. Mein Aufenthalt fällt genau mit dem Eid al-Adha zusammen, dem höchsten und wichtigsten Fest im Islam. 

Der Eid al-Adha, das Opferfest, erinnert an die Geschichte Abrahams, den Gott aufforderte, seinen geliebten Sohn Isaak zu opfern. (Im Islam, der viel später aufkam als das Judentum und das Christentum, heisst Abraham «Ibrahim», und Isaak hat keinen Namen.) 

Abraham bzw. Ibrahim war bereit, die göttliche Forderung zu erfüllen; im letzten Moment hielt Gott ihn jedoch zurück und schickte stattdessen einen Widder, der anstelle des Sohnes geopfert wurde. Gleichzeitig markiert Eid al-Adha den Höhepunkt und Abschluss der jährlichen Pilgerfahrt nach Mekka. Ein wichtiger Aspekt des religiösen Festes ist die Opferung von Tie-ren, meist Schafen, Ziegen, Rindern oder Kamelen.

2026 wird der Eid vom 26. bis 29. Mai gefeiert. Und die Feiern finden vor allem im Familienkreis statt. Das heisst, das öffentliche Leben steht mehr oder weniger still. So ist es unmöglich, am 26. Mai einen Ausflug in die Mangrovenwälder zu buchen, derentwegen ich überhaupt in Langsa Sta-tion mache. Lokale und Supermärkte sind geschlossen. Ich sehe mich in Gedanken bereits in den Strassen von Langsa verhungern, als um 14 Uhr «Sams Coffee and Roastery» zu meiner Rettung die Türyen aufschliesst.

Am 27. Mai will ich nach Medan weiterfahren, aber es ist unmöglich, einen Bus zu finden. Schliesslich kann ich einen Taxifahrer zur Fahrt überreden. Er verlangt für die 170 Kilometer eine volle Million Rupien, und ich muss wieder die Gehirnwindungen strapazieren, um zu realisieren, dass es sich bei dieser astronomischen Zahl um weniger als fünfzig Franken bzw. Euro handelt.

Hätte ich fliegen sollen? Natürlich nicht. Es sind solche Tage, die im Ge-dächtnis haften bleiben, nicht jene, an denen alles wie geschmiert läuft. In Medan steige ich im modernen Hotel «deSatu» neben einem grossen Ein-kaufszentrum namens Center Point ab. In derselben Strasse quillt sehr lau-te Life-Musik aus einem Pub im irischen Stil namens «Healy Mac’s», das rund um die Uhr geöffnet hat. 

Wir befinden uns nicht mehr in der von der Scharia beherrschten Provinz Aceh, sondern in der liberaleren Provinz Sumatra Utara, deutsch Nord-Sumatra, und «Healy Mac’s» führt auf seiner Getränkekarte so ungefähr sämtliche Alkoholika, die man sich während einer Woche Enthaltsamkeit erträumt hat.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Begleitung
Allein
AbenteuerlichSparsam
  • Busreise in drei Etappen durch Nord-Sumatra
  • Eid al-Adha in Langsa
  • günstiges Fisch-Curry in Lokhseumawe
  • moderne Unterkunft in Medan neben Center Point
TransitEssenStadt
  • Mahlzeit in Lokhseumawe2 €
  • OYO 2180 Vina Vira Hotel7 €
  • Gästehaus Hayy9 €
  • Taxi von Langsa nach Medan50 €
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