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Zuletzt in Indonesien

Über die Berge quer durch Flores

Veröffentlicht: 28.08.2026

Unterkunft
Mawar B&B
4 Nächte · B&B · Bajawa
Sehenswert
Bajawa
Bajawa, Indonesien
Attraktion
Bena
Bajawa, Indonesien
Attraktion
Luba
Bajawa, Indonesien
Attraktion
Mengeruda Hot Springs
Bajawa, Indonesien
Attraktion
Ogi-Wasserfall
Bajawa, Indonesien
Essen
The Kartini
$ · Abendessen

Ich bin auf Flores, und am 30. Juli 2026 fahre ich weiter von Ruteng nach Bajawa, von einer Bezirkshauptstadt zur nächsten. Die Strasse ist oft schmal; der Verkehr ist überschaubar, und doch wird viel gehupt und an unmöglichen Stellen überholt. Immer wieder wundere ich mich (nicht nur auf Flores, sondern generell in Indonesien), dass trotz abenteuerlicher Fahrweise kaum Unfälle zu sehen sind.

Wir fahren mit Gunung Mas, einer Gesellschaft, deren Minibusse die grösseren Orte der Insel verbinden. Gunung Mas bedeutet auf Indonesisch «Goldener Berg» – ein Name, der pompös klingt für eine Flotte von Toy-ota-Vans. Meinen Sitz kann ich nicht mit einer der bekannten Apps wie 12go, redbus oder easybook buchen, sondern über WhatsApp-Nummern, die ich zuerst erfragen muss.

Normalerweise holen einen die Busfahrer bei der Unterkunft ab und brin-gen einen am Ende der Fahrt direkt zur nächsten. In Bajawa funktioniert das nicht: Die Hauptstrasse verläuft einige Kilometer ausserhalb dieser Stadt mit rund 40.000 Einwohnern, und ich werde an einer Strassen-kreuzung abgesetzt. Dort warten Taxis, deren Fahrer damit rechnen, Rei-senden mehr abknöpfen zu können als Einheimischen.

Bajawa liegt, ähnlich wie Ruteng, auf rund 1100 Metern Höhe. Die Nächte sind kühl; man schläft ohne Air Condition - eine angenehme Abwechslung zu den Tropennächten in den Küstenorten. Die Luft ist klar, wenn nicht ne-benan gerade eines der hunderttausend Feuerchen brennt, mit denen sich die Inselbewohner ihres Abfalls entledigen. Flores wird mir wegen des all-gegenwärtigen Geruchs nach brennendem Müll in Erinnerung bleiben.

Allerdings wird nicht der gesamte Abfall verbrannt. Müllsäcke, zum Teil von Tieren auf Futtersuche aufgerissen, und leere Plastikflaschen zieren fast überall in Indonesien Strassenränder, Bachtobel, Waldlichtungen und häufen sich sogar unter Palmen am Rand gewisser Strände.

Heulende Motorräder, heulende Hunde

In Bajawa bleibe ich vier Nächte im Mawar B&B, einem Gästehaus, 13 Franken bzw. gut 13 Euro pro Nacht inklusive Frühstück – durchaus ange-nehm, wären da nicht die lokalen Halbstarken, die halbe Nächte lang auf ihren Motorrädern mit abmontierten Schalldämpfern, und deshalb unter infernalischem Lärm, durch die Strasse rasen, und der Hund des Nach-barn, der fast pausenlos den Mond anheult.

Am Morgen geweckt wird man hier nicht vom Muezzin, der aus Laut-sprechern vom Minarett krächzt, sondern von Kirchenglocken. Bajawa ist, falls das möglich sein sollte, noch katholischer als Ruteng.

Auf einem Ausflug in die Landschaft komme ich bei einer Ortschaft na-mens Radha unerwartet zu einem am Hang angelegten, weitläufigen Fried-hof mit einem kleinen Abteil für Muslime und einer imposanten Kollektion luxuriöser Gräber der Christen, mit Marmor oder anderen Steinplatten ver-kleidet und mit grossen Porträts der Verstorbenen versehen, denen allen seltsamerweise auf Englisch (das hier kaum jemand spricht) «Rest in Peace» gewünscht wird.

Christine, die 23-jährige Tochter des Hauses, ist Apothekerin, spricht tat-sächlich ein sehr verständliches Englisch, träumt von einer eigenen Apo-theke, einer aufwändigen Hochzeit und eigenen Kindern und nimmt sich meiner an. Sie kennt die Sehenswürdigkeiten und die Wege, auf denen man hinkommt. (Google Maps hingegen, das habe ich auf meiner Reise schon öfters bemerkt, scheint immer dann zu versagen, wenn man es draussen im Gelände am dringendsten bräuchte.)

Gespräche beim Frühstück

Ein Bed & Breakfast ist ein Haus, in welchem man mit dem Zimmer-nachbarn auf demselben Sofa frühstückt und sofort ins Gespräch kommt. Ich treffe hier Gian Luigi, einen grosszügig tätowierten, gut 50-jährigen Geologen aus dem Veneto; wir werden uns später in Maumere weiter im Osten von Flores erneut begegnen. Einer vierköpfigen polnischen Familie werde ich ein paar Wochen später, in Rantepao auf Sulawesi, das heisst fast 1000 km nördlich von Bajawa, zufällig wieder über den Weg laufen.

Ich habe einen Motorroller gemietet, doch schon bei dessen Anlieferung müsste ich ihn zurückweisen, denn die Reifen sind so vollkommen abge-fahren, dass vorn wie hinten null Profil bleibt. Stattdessen fahre ich los und merke vor der ersten engen Kurve, dass auch die Bremsen kaum greifen – das übelste Gefährt, das mir je untergejubelt wurde, zumal auf der Rück-fahrt auch der Motor zu stottern beginnt und irgendwelche Warnlämpchen aufgeregt flackern.

Bei der vorzeitigen Rückgabe verweigere ich die Bezahlung, was der Ver-mieter diskussionslos akzeptiert; er ist sich offensichtlich bewusst, dass sein Roller auf den Schrottplatz gehört und nicht unter den Hintern eines Touristen. Für die restlichen Tage leiht mir Christine grosszügig ihre pri-vate Honda Beat.

Ein imposanter, aber harmloser Vulkan

Mit dem kaputten Roller bin ich immerhin bis Bena und Luba gelangt, zwei traditionellen Dörfern der Ngada (das ist die im Hochland von Bajawa vor-herrschenden Ethnie; sie spricht eine andere Sprache als die Manggarai weiter im Westen).

Im Hintergrund erhebt sich der Inerie, ein 2245 hoher Vulkan in Form eines fast perfekten Kegels. Ein Wölkchen, das den Gipfel umspielt, könnte auf eine vulkanische Aktivität hindeuten, was allerdings täuscht: Der Inerie mag drohend aussehen, aber seinen letzten Ausbruch datieren Geologen auf etwa 8050 v.Chr.

Die Häuser von Bena mit spitzen Dächern, geschnitzten Symbolen an den Wänden und aufgereihten Ochsenhörnern stehen in zwei geordneten Reihen, dazwischen die steinernen Altäre und Grabmäler, die an die Ahnen erinnern. In Bena gibt es ein paar Touristen, in Luba fast keine. Die tra-ditionellen Dörfer sind schön, aber nicht geschniegelt, und sie sind auch nicht einfach Kulissen für Selfies; bis heute sind sie bewohnt; es werden neue Häuser in der alten Bauweise gebaut; Frauen weben bunte Tücher, die zum Verkauf aushängen; Kinder spielen Fussball. 

Später, nicht mehr mit dem Schrott-Roller, sondern mit Christines Honda, fahre ich zu den Mengeruda Hot Springs etwa 25 km nördlich von Bajawa am Fuss eines anderen Vulkans. (Dieser, der Inielika, ist im Gegensatz zum Iniere noch aktiv und brach letztmals vor 25 Jahrxen aus.) In Mengeruda sprudelt schwefelhaltiges, etwa 40 Grad warmes Quellwasser, das mehrere Badebecken und einen kleinen Wasserfall speist.

Der Weg ist das Ziel

Auch der Ogi-Wasserfall hält nicht, was die Reise-Sites versprochen haben. Der Fussweg dorthin, nachdem das Strässchen so schlecht geworden ist, dass man den Roller lieber abstellt, ist reizvoller als der Wasserfall selbst. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem versorgt die Gemüse- und Reisfelder, und auf den kleinen Dämmen zwischen den feuchten Flächen grasen einsame Kühe und Wasserbüffel mit stoischer Ruhe.

Der Name Ogi weckt Erinnerungen an das Berner Oberland. (für deutsche Leserinnen und Leser: Adolf Ogi – jawohl, so heisst er wirklich – war ein besonders populäres Mitglied unserer Landesregierung, was bei Euch die Bundesregierung wäre. Er stammt aus dem Berner Oberland.)

In jenem Berner Oberland also gibt es eine ganze Reihe spektakulärer Wasserfälle: den Staubbachfall in Lauterbrunnen zum Beispiel, der fast 300 Meter eine vertikale Felswand hinunterstürzt; die Giessbachfälle mit 14 rauschenden und Gischt sprühenden Kaskaden in einer idyllischen Wald- und Berglandschaft, die sich über 400 Meter hinab in den Brienzersee ergiessen; die tosenden Reichenbachfälle bei Meiringen, in denen Arthur Conan Doyle seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Tode kommen liess (um ihn Jahre später wieder auferstehen zu lassen).

Vergleichen mit ihnen sind die Ogi-Fälle bei Bajawa nur ein Katzenpipi. Und trotzdem lohnt sich der Ausflug, denn auf dem Weg zum Wasserfall herrscht eine ungewohnte Ruhe, und der kontemplative Blick auf Felder, Auen, gurgelnde Bäche und weidendes Rindvieh entschädigt mich für das angekündigte, aber ausgebliebene Wasser-Spektakel.

Bajawa mag eine kleine Provinzstadt ziemlich verloren in der Mitte der Insel Flores sein. Aber man leistet sich hier ein modernes, hell erleuchtetes Restaurant, weiss gleissend, nachts hell erleuchtet, das jeder Metropole gut anstünde. Es nennt sich nach dem Park, an dessen Rand es steht, «The Kartini» und offeriert traditionelle regionale neben internationaler Küche (die ich verschmähe). Die Preise sind moderat, die Qualität ist gut, und von meinem B&B ist es nur fünf Fussminuten entfernt.

Ich bin fast jeden Abend da, und das erweist sich als kluge Massnahme, denn an meiner nächsten Station, Maumere, gibt es, obwohl die Stadt doppelt so gross ist wie Bajawa, nichts Vergleichbares.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Trockenzeit
Begleitung
Allein
KulturellAbseits der PfadeEntspannend
  • Übernachtung im Mawar B&B in Bajawa
  • Besuch der traditionellen Dörfer Bena und Luba
  • Ausflug zu den Mengeruda Hot Springs
  • Wanderung zum Ogi-Wasserfall
  • Abendessen im Restaurant The Kartini
MotorrollerHonda Beat
NaturKulturEssenRoadtripGeschichte
  • Mawar B&B pro Nacht13 €
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