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Nachtzug nach Hué

Veröffentlicht: 27.04.2026

Fahrt
Ninh Binh → Hué
600 km · 12h
Zug
Bahnhof Hué → Bahnhof Hué
Hué, Vietnam
Taxi
Bahnhof Hué → Zitadelle Hué
Hué, Vietnam
Attraktion
Zitadelle Hué
Hué, Vietnam
Attraktion
Verbotene Stadt Hué
Hué, Vietnam
Attraktion
Mausoleum von Khai Dinh
Hué, Vietnam
Attraktion
Grabmal von Minh Mang
Hué, Vietnam

Für die fast zwölfstündige Fahrt aus dem ländlichen Ninh Binh in die ehemalige Kaiserstadt Hué entschied ich mich für den Nachtzug. Dieses Fortbewegungsmittel habe ich auch in Europa etliche Male genutzt. Zu sagen, ich sei zum Fan geworden, wäre übertrieben: Für mein Wohlbefinden fehlen Speisewagen, Komfort und Raffinesse.

Besser war der vietnamesische Zug auch nicht, der täglich mehrmals die 1726 km lange Strecke zwischen Hanoi und Ho Chi Minh Stadt (ehemals Saigon) befährt. Ich konnte zwischen einem normalen Wagen mit ungepolsterten oder gepolsterten Sitzen, einem Sechser- oder einem Vierer-Schlafabteil wählen. Für dieses entschied ich mich – man gönnt sich ja sonst nichts. Die Fahrt über zwölf Stunden oder 600 km von Ninh Binh im Norden nach Hué in Mittel-Vietnam kostete gut 40 Euro.

Als ich einstieg, hatte ein gepflegtes vietnamesisches Paar bereits die oberen Betten belegt; eine deutsche Ferienreisende bettete sich auf die Pritsche neben mir. Die Schlafstätte war eng, hart und mit einem Kissen, einem Bettlaken und einer muffigen Steppdecke ausgestattet. Ich legte mich in den Kleidern hin und schlief dann acht Stunden solide durch.

Muttergottes im Taxi

Am frühen Morgen des 27. November 2024 stolperten wir mit holpernden Rollkoffern über eine Baustelle aus dem Bahnhof Hué, und von allen Taxifahrern, die mich draussen bestürmten und umlagerten, wählte ich die einzige Frau, Linh. Sie gab sich als Christin zu erkennen, indem sie eine Statue der Madonna auf das Armaturenbrett gepflanzt hatte.

Etwa acht von rund hundert Millionen Vietnamesen sind katholisch, etwa 20 Millionen buddhistisch; 70 Prozent bezeichnen sich alt Atheisten. Doch ich habe noch selten erlebt, dass das Wiegenfest Christi so penetrant zelebriert wird wie hier. Das war nicht immer so. Bis die Franzosen und ihre Missionare das Land ab Mitte des 19. Jahrhunderts eroberten, waren Christen von den vietnamesischen Kaisern verfolgt worden.

In Teilen Vietnams herrschten während mehr als eintausend Jahren kaiserliche Familien. Die letzte war die Nguyen-Dynastie von 1802 bis 1945, die Hué zur Hauptstadt machte. 

Die Nguyen kollaborierten mit den Franzosen und ab 1941 mit den japanischen Eroberern und wurden nach deren Kapitulation 1945 weggefegt. 143 Jahre Nguyen-Herrschaft genügten aber, um Hué mit zahllosen Unesco-gelisteten Relikten zu verbauen. Da wäre zuerst die Zitadelle und dahinter die Verbotene Stadt, die nur von kaiserlichen Familienmitgliedern und ihren Gästen, von den Konkubinen des Herrschers und den wichtigsten Hofschranzen betreten werden durfte.

Heute, im real existierenden Sozialismus, promenieren hier junge Vietnamesinnen in geliehenen herrschaftlichen Gewändern und schiessen Selfies vor den Palästen und Pagoden. So alt, wie die Bauwerke aussehen, sind sie allerdings meist nicht: Der Palast Kien Trung zum Beispiel wurde erst 1921 bis 1923 gebaut.

Pomp und Potenzmittel

Zur kaiserlichen Usanz gehörte, dass man ein Mausoleum für sich selbst in Auftrag gab. Das skurrilste ist jenes von Khai Dinh, dem zwölften, vorletzten Nguyen-Kaiser. Der Bau an einem Abhang, der über eine breite Treppe erklommen wird, steht in seiner Pomposität in krassem Gegensatz zur Bedeutung Khai Dinhs. Dieser war 1916 Kaiser geworden und wurde von den Vietnamesen als «Lakai der Franzosen» verachtet.

Khai Dhin starb 1925. Er war erst 40, litt an Tuberkulose und war drogensüchtig. In seinem 1931 fertiggestellten Mausoleum wird er als gottgleiche Figur verherrlicht. Das Grab, vor allem aus Beton, Stahl und Schiefer gebaut, ist eine Mischung aus vietnamesischer Tradition und, bei den Franzosen entliehen, Neu-Barock, Neu-Gotik und Neo-Klassizismus. Es ist, um es nüchtern zu konstatieren, ein Monument imperialer Geschmacklosigkeit.

Gediegener wirkt das Grabmal von Minh Mang, der von 1820 bis zu seinem Tod 1841 regierte. Seine Grabstätte am Westufer des Parfümflusses zwölf Kilometer ausserhalb Hués erstreckt sich über eine Fläche von 15 Hektar und ist in eine liebliche Landschaft mit künstlichen Seen und Pärken eingebettet. Etwa 40 verschiedene Tempel, Pavillons und Tore sind entlang einer zentralen Achse angeordnet.

Minh Mang verfolgte Christen unerbittlich, von denen ihm Hunderte zum Opfer fielen. Bis heute bekannt ist er allerdings für seine 300 bis 500 Konkubinen. Pro Nacht wollte er fünf von ihnen beglücken, sagt der Guide augenzwinkernd, was nur mit Hilfe entsprechender Mittel möglich war.

Einem distinguierten Japaner in unserer Gruppe geht ein Licht auf, als er die Flaschen mit brauner Flüssigkeit sieht, die am Ausgang der Grabanlage angeboten werden. «Minh Mang wird auch in Japan als Potenzmittel verkauft», schmunzelt er. Ein späterer Blick ins Internet verrät, dass Minh Mang unter anderem aus Ginseng, Kordyceps (chinesischer Raupenpilz), Damiana, Maca-Wurzel und Zimt besteht. Ob das Mittel wirkt, konnte ich leider nicht testen.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Begleitung
In der Gruppe
Kulturell
  • Nachtzug von Ninh Binh nach Hué
  • Zitadelle und Verbotene Stadt in Hué
  • Mausoleum von Khai Dinh
  • Grabmal von Minh Mang
TransitGeschichteArchitekturKultur
  • Nachtzug Ninh Binh–Hué40 €
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