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Kommunistische Mumie

Veröffentlicht: 26.04.2026

Attraktion
Ho Chi Minh Mausoleum
Hanoi, Vietnam
Attraktion
Ho Chi Minh's Stilt House
Hanoi, Vietnam
Attraktion
Presidential Palace
Hanoi, Vietnam
Sehenswert
Government Office Building
Hanoi, Vietnam

Vietnamesen und vor allem Vietnamesinnen sind äusserst fleissig, und die Privatwirtschaft boomt, seit sie 1986 offiziell wieder zugelassen worden ist. Doch muss der Staat an jeder Ecke unterstreichen, dass das politische System nach wie vor kommunistisch ist. Überall baumeln Nationalflaggen, gelber Stern auf rotem Grund, und, in denselben Farben, auch Hammer und Sichel als Emblem der Partei.

Während im Alltag weder Gleichheit noch Brüderlichkeit herrschen, sondern jede und jeder um seinen Platz kämpft, muss man beim Anstehen zum Mausoleum des Präsidenten Ho Chi Minh jede Individualität ablegen. Man wird zum winzigen Bestandteil einer amorphen, unübersehbaren Menschenmasse, die sich 45 Minuten lang kaum bewegt, wobei es nur darum geht, eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen zu durchqueren. Aber man wird auch daran erinnert, dass man nur ein winziges Rädchen in einem übergeordneten Getriebe ist.

«Ho Chi Minh hat uns die Freiheit und die Menschenwürde zurückgegeben», sagt Ruby. Sie arbeitet in einem Tourbüro in der Altstadt, ist 27 Jahre alt und hat die bewegte Geschichte ihres Landes gar nicht miterlebt. Nicht den von den USA geführten Vietnamkrieg zwischen 1955 und 1973, nicht den Befreiungskrieg gegen die französischen Kolonialisten, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Land unterdrückten, nicht die japanische Besetzung zwischen 1941 und 1945. (Zwischenbemerkung: Wer Geschichte öd findet, soll die nächsten Abschnitte überspringen.)

Vietnam war gut eintausend Jahre lang, von 938 bis 1945, ein Kaiserreich. Doch ab 1858 wurde das Land durch die Franzosen kolonialisiert, von 1941 bis 1945 von Japan besetzt.

Im Krieg gegen die Franzosen und später die Amerikaner wurde Ho Chi Minh, seit 1945 Präsident von Nordvietnam, zum Volkshelden. Er wird noch heute liebevoll «Onkel Ho» genannt, erlebte den definitiven Sieg aber nicht mehr: 1969 starb er, der ein starker Raucher gewesen war, mit 79 Jahren an Lungenkrebs. Sofort nach seinem Tod liessen die Funktionäre sowjetische Spezialisten für die Einbalsamierung von Leichen einfliegen.

In seinem Mausoleum im pompösen sowjetischen Stil kann man Ho Chi Minh deshalb beim Vorbeigehen betrachten, als ob er gerade eben das Zeitliche gesegnet hätte. Zwei Minuten stehen für die Leichenschau zur Verfügung; bewacht wird die Mumie von strammstehenden Soldaten in weissen Gala-Uniformen mit Karabinern und aufgepflanzten Bajonetten. 

Gottseidank sind wir nicht nur für diese zwei Minuten drei Viertelstunden angestanden. In den weitläufigen Parkanlagen rund um das Mausoleum können wir auch die einfachen Wohnhäuser Ho Chi Minhs, den Präsidentenpalast (von den Franzosen einst als Sitz ihres Gouverneurs erbaut) und das Gebäude des Premierministers im modernen sozialistischen Stil erkunden.

Auf einen Blick

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Kulturell
  • Ho-Chi-Minh-Mausoleum
  • Präsidentenpalast
  • ehemalige Wohnhäuser Ho Chi Minhs
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