vogel-fliegt-aus
vogel-fliegt-aus
vakantio.de/vogel-fliegt-aus
Zuletzt in Thailand

Königliche Reminiszenzen in Luang Prabang

Veröffentlicht: 08.05.2026

Attraktion
Wat Xieng Thong
Luang Prabang, Laos
Attraktion
Königspalast von Luang Prabang
Luang Prabang, Laos
Attraktion
Phou Si
Luang Prabang, Laos
Sehenswert
Nachtmarkt an der Sisavangvong-Straße
Luang Prabang, Laos
Attraktion
Kuang Si Wasserfälle
Luang Prabang, Laos

Am 11. März 2025 bin ich, nach zweitägiger Fahrt mit dem Slow Boat auf dem Mekong, zum dritten Mal in Luang Prabang angekommen. Für mich ist das einer der angenehmsten Orte in Südostasien – vorerst noch. Inzwischen gibt es auch hier für meinen Geschmack zu viele Touristen. Vor allem Chinesen reisen dank einer direkten Zugsverbindung bis hinauf nach Kunming in Massen an.

In Luang Prabang mit rund 70.000 Einwohnern besticht vor allem das historische Zentrum auf einer Halbinsel zwischen dem Mekong und seinem Nebenfluss Nam Khan. Hier finden sich in Fussdistanz fast sämtliche Sehenswürdigkeiten, und hier treten auch die Touristen geballt auf. Zusammen mit der Altstadt im französischen Kolonialstil, heute ein lebendiges Ausgehviertel, machen sie aus Luang Prabang ein ungemein attraktives Reiseziel. 1995 wurde die Stadt ins Unesco-Verzeichnis des Welterbes aufgenommen.

Man verzeihe mir einen kleinen historischen Abstecher: 1353 bis 1560 war Luang Prabang Hauptstadt des Königreichs Lan Xang. Lan Xang, das «Land der Millionen Elefanten», existierte vom 14. Jahrhundert bis 1707 und umfasste grosse Teile des heutigen Laos sowie angrenzende Regionen in Thailand und Vietnam. Bis 1560 war Luang Prabang die Hauptstadt; dann verlegte sie König Setthathirath nach Vientiane. 1707 zerfiel Lan Xang in mehrere kleinere Königreiche; eines davon war Luang Prabang; die Stadt wurde somit wieder zum Königssitz. Die französischen Kolonialisten verlegten zwar das Verwaltungszentrum erneut nach Vientiane, doch die Residenz des Königs verblieb in Luang Prabang, auch nach dem Abzug der Franzosen 1953.

Der letzte Monarch wurde 1975 nach Ende des Vietnamkriegs abgesetzt. Dieser wird in Laos «Amerikanischer Krieg» genannt und hat auch in diesem Land schwerste Zerstörungen angerichtet. Die marxistisch-leninistische Revolutionäre Volkspartei übernahm die Macht, die sie bis heute hält. Die Kommunisten steckten die Königsfamilie in ein Lager vermutlich im Nordosten des Landes, wo der der König, die Königin und der Kronprinz zwischen etwa 1978 und 1984 unter den unmenschlichen Lagerbedingungen an Hunger, Krankheit oder den Folgen der Zwangsarbeit starben.

Was von den Königreichen bleibt

Was in Luang Prabang vom Königtum übriggeblieben ist, sind mehrere Paläste und Dutzende traditionelle, reich verzierte buddhistische Tempel mit spitzen Giebeln. Wat Xieng Thong, der Tempel der Goldenen Stadt, ist ein fast 500 Jahre altes Ensemble und einer der bedeutendsten, ältesten und am besten erhaltenen buddhistischen Tempelkomplexe in Laos. Xieng Thong ist sowohl ein Touristenmagnet als auch ein aktives Kloster, in welchem Mönche leben, religiöse Feste abgehalten werden und sich Gläubige zum Gebet und zur Verehrung Buddhas einfinden. Jahrhundertelang diente der Tempel auch als grandiose Kulisse für königliche Zeremonien und Krönungen.

Die elegant geschwungenen Dächer des Hauptgebäudes sind in mehreren Stufen gestaffelt und reichen fast bis zum Boden. Fassaden und Säulen sind üppig mit schwarzem Lack und filigranen Goldornamenten verziert. Sie zeigen Szenen aus dem Leben von Prinz Siddhartha Gautama, der im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. im heutigen Nordindien und Nepal lebte, als religiöser Lehrer und Wanderprediger wirkte, später den Ehrentitel Buddha («Der Erleuchtete») erhielt und in vielen asiatischen Ländern als Gründer des Buddhismus verehrt wird.

An der Rückwand des Haupttempels befindet sich ein leuchtendes Mosaik aus bunten Glassteinen, das einen prächtigen Lebensbaum darstellt. In der königlichen Begräbniskapelle glänzt der imposante, vergoldete, mit Drachenköpfen bestückte Leichenwagen von König Sisavang Vong (1885–1959). Er war der letzte Herrscher des Königreichs Luang Prabang und 1946, unter den französischen Kolonialisten, mit denen er eng kooperierte, der Gründer des Königreichs Laos. 1953 führte Sisavang Vong Laos in die Unabhängigkeit von Frankreich.

Ein kleineres Gebäude, die Rote Kapelle, beherbergt einen liegenden Buddha. Interessant sind aber vor allem die Aussenwände. Sie sind über und über mit Mosaiken verkleidet, welche laotische Volksmärchen erzählen.

Ein Aufseher auf dem Tempelgelände erzählt mir, dass Luang Prabang 1887 von einer chinesischen Mörderbande, den sogenannten Schwarzen Flaggen, geplündert und fast vollständig zerstört wurde. Wat Xieng Thong sei als einer der ganz wenigen Tempel verschont worden; der Bandenchef habe hier nämlich in seiner Jugend als Novize studiert.

Der Königspalast in Luang Prabang, auch bekannt als Ho Kham oder «Goldenes Haus», ist auf den ersten Blick eher eine Enttäuschung. Verglichen mit den pompösen Palastanlagen der Könige von Thailand in Bangkok oder von Kambodscha in Phnom Penh wirkt er bescheiden. Er wurde zwischen 1904 und 1909 während der französischen Kolonialzeit für König Sisavang Vong in einer Mischung aus laotischem traditionellem Stil und französischer Baux-Arterbaut. Die Gebäulichkeiten dienten der Königsfamilie als Residenz, bis die Kommunisten die Monarchie 1975 abschafften.

Shorts sind tabu

Ich hätte das Museum gern besucht. Es gibt dort drin den ehemaligen Thronsaal zu besichtigen, die originalen Wohnräume, Schlafzimmer und Speisesäle der Königsfamilie, königliche Insignien, religiöse Artefakte und Gastgeschenke aus aller Welt, darunter offenbar ein Stück Mondgestein, das die USA den Laoten schenkten. Doch ich erhalte keinen Einlass.

In Luang Prabang ist es sehr heiss; ich trage Shorts (massgeschneidert, gutsitzend, gebügelt), werde aber von einem Wächter barsch abgewiesen, denn hier herrscht eine strikte Kleiderordnung «aus Respekt vor der Königsfamilie». Ich muss innerlich lachen: Die kommunistischen laotischen Herrscher haben ebendiese Familie, für die sie nun Respekt erheischen, einst im Lager elendiglich verrecken lassen.

Wenn nicht das Nationalmuseum, dann wenigstens die königliche Garage. Aber auch diese enttäuscht. Keine Rolls-Royces oder Bentleys, nur ein paar beige Amerikanerwagen, ein ästhetisch missratener Ford Edsel von 1958, ein paar Lincoln Continental aus den 1950er- und 1960er-Jahren, ein Jeep stehen in der Remise und eine schwarze DS 19 von Citroën in einem eher jammervollen Zustand. Immerhin steht das ganze royale Ensemble in einem Park mit hohen, schattenspendenden Palmen.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang wird es auf der anderen Strassenseite gegenüber dem Eingang zum Palastgelände lebendig: Hunderte Touristen wollen auf langen Treppen mit rund 350 Stufen den Berg Phou Si besteigen, der sich mitten in der Altstadt 100 Meter hoch erhebt. Oben steht ein Tempel, Wat Chom Si, mit einer goldenen Stupa. Er ist aber nicht der Gunrd für die spätnachmittägliche Völkerwanderung. Vielmehr hat man vom Berg einen Panoramablick über die Stadt, den Mekong und den Nam Khan, und der Sonnenuntergang ist zhiemlich spektakulär – wenn man denn ein Plätzchen findet, wo man über die Menschenmenge hinwegschauen kann.

Im Morgengrauen gibt es in der Altstadt ein ganz anderes Spektakel: die Speisung der Mönche. An den Strassen knien Männer und Frauen auf Bastmatten und halten ihre Gaben bereit, vor allem gekochten Reis, vegetarische Currys und Bananen. In leuchtend orange Gewänder gehüllt, ziehen Hunderte von kahlgeschorenen, barfüssigen buddhistischen Novizen und Mönche in Einerkolonne mit ihren Gefässen vorbei, in denen die Spenden aufgenommen werden.

Bei meiner eigenen Speisung am Abend staune ich wieder über die laotischen Preise: Beim Eingang zum Nachtmarkt gibt es einen Food-Court mit Dutzenden von Strassenküchen. Für lokale Köstlichkeiten (oder, wenn es unbedingt sein muss, auch Würste nach deutschem Rezept oder Sushi, die allerdings ungekühlt in der Auslage liegen und von denen ich deshalb die Finger lasse) plus einem, zwei laotischen Bieren kommt man mit umgerechnet fünf Euro davon. Die Frau, die mir Reisnudeln mit Fisch und Gemüse serviert, staunt, als ich ihr verrate, dass es für diesen Preis in einem Schweizer Kaffeehaus gerade mal einen Espresso gäbe.

Der Nachtmarkt selber, der sich entlang der Sisavangvong-Strasse befindet, an der auch der Eingang zum Königspalast und der Aufgang zum Berg Phou Si liegen, ist eine Attraktion für sich. Die Strasse, während der Marktzeiten von 17 bis 23 Uhr für den Autoverkehr gesperrt, wird links und rechts von unzähligen Ständen gesäumt. Handgefertigtes lokales Kunsthandwerk, Kleider und Textilien, zum Teil ebenfalls aus laotischer Produktion, aber auch die üblichen, in Vietnam oder China massenhaft gefertigten Souvenirs werden hier angeboten. In Alkohol eingelegte, in Flaschen abgefüllte Schlangen, Skorpione und anderes Getier, die gegen allerlei Gebresten wirksam sein sollen, sind nicht jedermanns Sache.

Beeindruckende Wasserfälle

Luang Prabang ist, wie gesagt, eine attraktive Stadt. Aber irgendwann hat man sie gesehen und braucht etwas Luft. Dafür bietet sich eine Schifffahrt auf dem Mekong an, zum Beispiel zu den Buddha-Höhlen von

Oder man nimmt einen Kleinbus hinaus zu den Kuang Si Wasserfällen etwa 30 km Mekong-abwärts: Die mehrstufigen Wasserfälle, die sich in Becken ergiessen, in denen sich ganze Familien tummeln un d junge Frauen und Männer gewagte Kopfsprünge vorführen, sind beeindruckend. Ein Bad im Nass, auch wenn dieses nicht wirklich kühl ist, wirkt bei der schwülen Hitze, die schon kurz vor Anbruch der Hitzemonate April und Mai hier herrscht, durchaus erfrischend.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Trockenzeit
KulturellKulinarischEntspannend
  • Wat Xieng Thong
  • Königspalast von Luang Prabang
  • Phou Si
  • Nachtmarkt in der Sisavangvong-Straße
  • Kuang Si Wasserfälle
StadtKulturGeschichteArchitekturEssenNatur
vogel-fliegt-ausFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten

Laos
Reiseberichte Laos
#unescowelterbe#mekong#watxiengthong#luangprabang#laos#laoskoenige#laosnationalmuseum#phousi