18. Tag 16 nach Montamarta
Gestern ist es noch ordentlich voll geworden. In meinem Zimmer kamen 2 Leute, Hermann, ein Italiener, der aber Deutsch konnte, und Simone aus Leipzig. Die Beiden gehen schon...

Veröffentlicht: 14.11.2024


















Gestern sind noch 2 Spanier in die Unterkunft gekommen, die ich auf dem Weg eine Stunde vorher überholt hatte. Sie hatten beide einen Regenschirm am Rucksack geklemmt. Ich habe mit einem noch kurz geredet, wie ich ins Bad wollte. Sonst hatte ich ja mein eigenes Zimmer, welches ich nicht mehr verlassen hatte mit der Heizung auf dem Bett stehen.
Um 5:50 klingelte mein Wecker. Ich war motiviert, aber schaute auf meine Wetterapp und die sagte mir Regen die nächsten 2 Stunden an. So legte ich mich nochmal ins Bett. Es waren heute ein paar Kilometer weniger als gestern, aber ich wollte trotzdem gerne los. So habe ich die Rolladen hoch gemacht und keinen Regen gesehen. So habe ich meinen Schuhe angezogen und bin los. Und es hat tatsächlich die ersten 2 Stunden gar nicht geregnet. Daran sieht man wieder, dass man sich auf die Wetterapp nicht immer verlassen kann.
Ich war nicht so kalt wie gestern, aber trotzdem kühl. Ich hatte nur mein Shirt, eine Pulloverjacke und meinen Poncho an und bereute es schon, nicht mein langes Shirt drunter gezogen zu haben, aber jetzt muss ich dadurch. Denn nochmal umziehen kommt für mich nicht in Frage. So bin ich los und es ging schnell auf Feldwege. Ich musste öfters genau nach dem Weg schauen, denn es gab mehrere Wege und im Dunkeln sieht man ja die Pfeile schlecht. Generell mag ich es ja, im Dunkeln los zugehen, aber heute komme ich etwas zögerlich ans Laufen und in meinen Flow. Ich bin dann ein Stück neben der Autobahn, die ich auch kreuze und dann weiter am Rand. Der Weg besteht aus vielen kleinen Kieselsteinen und ich bin heute zweimal leicht umgeknickt. Das passiert, wenn man nicht immer auf den Weg achtet. Dann gehe ich ein Stück auf dem Autobahn und es ist schon sehr gefährlich, wenn Autos mit 120 Kilometer und mehr einige Zentimeter an einem vorbeifahren. Aber zum Glück kam das Stück nur ein Auto vorbei. Schnell runter von der Autobahn geht es wieder auf Landstraßen und dann wird nochmal die Autobahn über eine Brücke gekreuzt. Nach einiger Zeit erreiche ich das erste Dorf, welches ich aber nicht betrete, weil ich eine Abkürzung gehe. Im Dorf ist um die frühe Zeit bestimmt eh alles geschlossen. So gehe ich weiter und sehe die Sonne aufgehen, die danach aber gleich hinter den Wolken verschwindet. Ich komme noch an ein weiteres Dorf vorbei, wo aber echt alles verschlossen ist und ich niemanden sehe. Es geht wieder über Felder, dann neben einer Autobahn und dann komme ich in Granja de Moreruela an, wo ich in einem kleinen Laden mir Wasser und eine Süßigkeit kaufe. Der Ort gefällt mir und ich sehe immerhin ein paar Leute. Ich setze mich auf dem Hauptplatz und mache eine Pause. Hier gibt es zwei Wege zum Weitergehen: Der reguläre Via de la Plata- Weg würde weiter bis nach Astorga führen und dann auf dem Camino Francés übergehen. Diesen Weg bin ich aber letztes Jahr schon mal gelaufen. Deswegen gehe ich von nun dann den Camino Sanabrés. Nach meiner Pause geht es raus aus dem Ort und eine Sandstraße entlang. Ich hatte in meiner Pause überlegt, meine Pulloverjacke auszuziehen, aber bin froh, dies nicht gemacht zu haben, denn der Wind wird stärker und es wurde wieder kälter. Dann geht es an einer Straße weiter, aber die Umgebung ist herrlich. Es geht um einen Fluss und man überquert eine Steinbrücke. Dahinter hat man die Wahl, an der Straße weiter oder ein wenig Klettern. Natürlich entscheide ich mich fürs Klettern. Die Pfade sind schmal und man muss über einige Felsen klettern. Zudem kommt hinzu, dass es verschiedene Wege gibt und man aufpassen muss, auf dem richtigen zu bleiben. Aber ich liebe das und ist eine gelungene Abwechslung zum bisherigen Weg. Mir wird dabei richtig warm und den Weg muss man sich manchmal erkämpfen durch das ganze Unkraut. Dann geht es durch den Wald und über Landstraßen wird der Weg wieder ebener und leichter zu gehen. Doch der Weg zieht sich und ich bekomme doch schon ein wenig Hunger. Aber es muss weitergehen. Dann komme ich an einen kleinen Ort vorbei, wo ich dachte, dass man dort etwas kaufen kann, aber Pustekuchen. Dort hatte nichts geöffnet. Gar nichts. Wieder so ein toter Ort, aber die Kirche und das Rathaus sieht schön aus. Danach sind es noch 6 Kilometer bis zum Ziel. Das wird eine Herausforderung. Es geht wieder durch die Pampa und der Weg zieht sich. Ich mache mir ein wenig Musik an, um mich zu motivieren. Es wird sogar etwas wärmer und dann erreiche ich endlich Tábara. Das Blöde ist, dass die Herberge ganz am Rand liegt. Ich gehe erstmal kurz in den Supermarkt, der richtig groß und aufgeräumt ist. Hätte ich nicht gedacht für so ein kleines Kaff. Dann bin ich noch eine halbe Stunde zur Unterkunft. Es ist eine Spendenherberge. Es gibt ein Raum mit 7 Betten. Wie ich ins Zimmer komme, liegt Eric in einem Bett. Er kommt ursprünglich aus Amerika, aber lebt seit 8 Jahren im Allgäu. Also können wir entspannt Deutsch gehen. Er ist heute erst los gelaufen, aber ist den ganzen Weg in Etappen über mehrere Jahre gelaufen. Zudem hat er in Spanien auch ein Haus. Die Dusche tut richtig gut und sie ist auch sehr heiß. Danach lege ich mich ins Bett. Es gibt Decken und eine Standheizung, aber der Raum ist trotzdem kühl. Um 19:30 gibt es ein gemeinsames Abendessen. Ich bin gespannt. Gerade ist noch ein weiterer Pilger aus Argentinien eingetroffen. In einer Stunde gehen wir zum Essen. Ich plane noch die nächsten Routen und melde mich später oder morgen.
Update: Neben Eric und dem Argentinier sind noch zwei weitere Spanier eingetroffen, die gestern auch in meiner Unterkunft geschlafen hatten. Gegen 19:30 sind wir vier dann zum Abendessen. Der Betreiber der Herberge ist ein Autor und hat schon über 20 Bücher herausgebracht. Zur Vorspeise gab es eine Nudelsuppe, zum Hauptgang eine Art Paella mit Tomaten und Champignons und zum Nachtisch noch Obst. Zu Trinken gab es Wasser und Sangria. Danach haben wir noch etwas zusammen gequatscht über alles Mögliche. Gegen 21 Uhr sind wir dann rüber und uns dann so langsam ins Bett gelegt. Ich freue mich, dass ich dann doch noch ein paar Leute gefunden habe, mit denen man reden kann, wobei ich heute auf dem Weg wieder keine einzige Person getroffen habe. Morgen weiß ich noch nicht, wie weit ich gehe. Entweder 35 oder 50 Kilometer. Ich werde das spontan entscheiden. In beiden Orten gibt es öffentliche Herbergen und zur Not auch Hostels. Jetzt lege ich mich hin und freue mich aufs Schlafen. Es ist nicht richtig warm, aber ich liege in 2 Decken. Bis morgen
