12. Tag 10 nach Cañaveral
Ich bin pünktlich 5 Minuten vor dem Wecker wach geworden, damit ich die andere Person im Zimmer nicht störe. Dann habe ich meine Sachen leise rausgebracht und habe alles...

Veröffentlicht: 08.11.2024
Ich habe das Schnarchen von Nef nur ab und zu mal mitbekommen. Die Matratze war auch ein wenig weich und das gesamte Bett hat sich bewegt, wenn man sich mal umgedreht hat. Aber ich bin dann gegen 5 Uhr wach geworden. Eine andere Person, die in einem anderen Raum geschlafen hat, hat ein wenig Lärm gemacht und dadurch bin ich aufgewacht. Ich blieb noch bis 5:30 liegen und als ich nicht mehr einschlafen konnte, bin ich aufgestanden. Nef war auch wach. Ich habe meine Sachen gepackt und habe mir einen Kaffee aus dem Automaten geholt, lieber mal ohne Milch, weil ich nicht weiß, wie alt die ist. Der Becher war zu ein Drittel gefüllt, also mehr ein Espresso. Aber er war gut. Ich habe noch mit Nef geredet. Er geht gleich um 7 Uhr zu der Churrería, wo man Churros und heiße Schokolade bekommt. Ich überlege ebenfalls, dort hinzugehen, aber ich habe keine Lust, noch über eine Stunde zu warten. So verabschiede ich mich und gehe los. Es hat mich wirklich gefreut, ihn kennen gelernt zu haben. Und das, was er gemacht hat, als Hospitelero eine Zeit lang kostenlos zu arbeiten, wäre definitiv auch etwas für mich. Es ging eine halbe Stunde die Hauptstraße entlang und dann ging es in den Wald und ins Dunkle. Und dann wieder einen Berg hoch. Und so kam ich schon zu Anfang ein wenig ins Schwitzen. Ich musste auch immer aufpassen, dass ich den richtigen Weg nehme. Im Dunkeln ist es schon etwas herausfordernder, aber ich mag das, im Dunkeln zu gehen. Das gibt einem noch mehr das Gefühl von Ruhe und Alleinsein. Als ich dann zwei funkelnde Augen gesehen habe, habe ich mich kurz erschrocken, aber es war nur eine Kuh. Ich vergesse immer, dass die Tiere hier mehr als weniger frei auf den Felder herumlaufen können. Der Weg wurde wieder etwas feucht und ich hier und da musste ich ein wenig übers Wasser gehen, aber daran habe ich mich ja schon gewöhnt. Die Sonne wollte heute nicht so richtig rauskommen und es war erstaunlich windig. Mein Regencape hatte ich die meiste Zeit auf. Als es schon hell war, musste ich wieder einen kleinen Bach überqueren, wo ich über kleine Steine gehen musste. War schon rutschig und ich warte eigentlich nur auf den Moment, wo ich mich mal hinlege. Danach gab es auch wieder einen Abschnitt, der mehr aus Matsch bestand als Weg. Und dort bin ich auch eher durchgerutscht als gegangen. Danach habe ich das nächste Dorf erreicht namens Galisteo, wo ich schon geschaut hatte, dass es einen Spar, einen Supermarkt gibt. Doch leider war die Größe und das Sortiment auf Tankstellen- Niveau und so habe ich mit Wasser und Erdnüssen einen Pause gemacht. Vor mir liegen nur noch 12 Kilometer. Heute bin ich etwas langsamer als sonst unterwegs, aber die Strecke war auch nicht so lang. Ich bin echt gespannt, ob ich weiter so gut durchkomme. Ich habe eine kleine Blase und sonst ist gesundheitlich alles top. So langsam habe ich mich auch an den Rucksack gewöhnt und ich habe ja auch aussortiert und versuche, nicht zu viel Gepäck mitzunehmen.
Nach der Pause ging es eigentlich die ganze Zeit über eine Autostraße ohne Fußgängerweg. Und es gab nicht mal einen Seiten- oder Standstreifen. Also wieder ein Leben am Limit. Auch wenn nicht so viele Autos vorbeifuhren, war es doch nicht so entspannend. Aber ich habe es gemeistert und habe endlich mein Zielort erreicht. Der Ort ist auch sehr überschaubar, aber ich habe in einer Albergue ein Bett gebucht, die erst vor 8 Monaten aufgemacht hat. Und von außen macht sie einen super Eindruck. Nur leider war keiner da und ich habe zuerst die Panik, dass gar keiner da ist und die Albergue geschlossen hat, obwohl ich schon bezahlt habe. Aber ich habe die Nummer angerufen und nach 10 Minuten kam eine freundliche Dame und hat mir alles erklärt. Und die Unterkunft ist wirklich ein Traum. Alle ist sauber, die Betten bequem, die Decken weich. Hier könnte ich definitiv länger bleiben. Ich bin in einem 8-Bett-Zimmer und wir haben eigene Duschen und Toiletten im Zimmer. Zudem ist im Preis von 18€ das "Frühstück" inkludiert. Also Frühstück in Anführungszeichen, denn er gibt Muffins, Kaffee, Toast, Marmelade und sowas, aber das reicht mir, vor allem Kaffee. Und das Gute ist, dass die das abends schon hinstellen und man das morgens jederzeit nehmen kann. Nach der Dusche habe ich mich ausgeruht und bin dann zum Supermarkt, der auch ein wenig mehr zu bieten hatte. Ich habe mir eine Käsepizza geholt, Salat und Frischkäse. Und das habe ich dann in der Herberge verköstigt. Lecker war das. Dann habe ich die nächsten Etappen ein wenig geplant. Und dann ist noch ein weiterer Pilger aus Italien ins Zimmer gekommen. Ich habe seinen Namen vergessen, aber wir haben ein wenig geredet. Er ist auch schon mehrere Wege gegangen und war die letzten 5 Tage komplett alleine auf seinem Weg. Schon witzig, dass man direkt ein gutes Gefühl hat, wenn andere auch alleine gehen. Er sagt, dass das bei diesem Weg so ist. Und ich bin trotzdem froh, diesen Weg zu gehen und freue mich noch auf die folgenden Tage. Er ist nochmal rausgegangen. Ich bleibe im Bett, Ruhe noch ein wenig und werde dann früh schlafen. Morgen wird die Etappe wieder etwas länger und es gibt mehrere Varianten, wo ich aufpassen muss, dass ich mich nicht verlaufe.
In dem Sinne, bis morgen.
Fotos folgen noch
