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Antarktis!

Veröffentlicht: 30.03.2025

Attraktion
Nico Harbour
Antarktis, Antarktis
Attraktion
Davis Island
Antarktis, Antarktis
Attraktion
President Head
Südliche Shetlandinseln, Antarktis
Attraktion
Whalers Bay
Südliche Shetlandinseln, Antarktis
Tour
Zodiac-Tour
Tour · 1h 30m
Tour
Zodiac-Ausfahrt zum Aussichtspunkt
Tour · 15m
Tour
Besuch der ehemaligen Walfangstation
Tour
Event
Quiz an Bord
Aktivität
Event
Abschiedsabend mit Crew und Band
Show

Ich kann es noch immer nicht wirklich glauben, aber jetzt geht es für die nächsten 10 Tage auf das Expeditionsschiff M/S Expedition in Richtung Antarktis.

Ich beziehe eins der unteren Betten, da ich direkt in der ersten Bus gestiegen bin und somit recht früh im Zimmer war. Danach durften wir das Schiff erkunden, bevor es zum Sicherheitsbriefing ging. Alle machten sich mit den Schwimmwesten vertraut und sammelten sich für eine kurze Einweisung am jeweils zugewiesenen Rettungsboot. Während wir bereits durch den Beagle Kanal fuhren, ging es weiter mit dem allgemeinen Briefing, währenddessen zeigte sich bereits ein Buckelwal neben unserem Schiff, bevor danach alle im Restaurant zum Essen zusammen kamen. Nach dem Essen konnten sich alle ihre Parka abholen, im Anschluss ging es für mich dann auf das Oberdeck, um bis zur Dunkelheit die Aussicht zu genießen.

By by Ushuaia
Übung
Der zweite Tag startete für mich um 8 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück. Die Wellen machten mir tatsächlich nichts aus, aber wir hatten auch Glück, das Wetter ist gut und das Meer ist sehr sehr ruhig, laut der Crew eine 1 von 10, trotzdem schaukelt es schon ganz schön und beim Treppensteigen muss man sich mit einer Hand festhalten und einige wurden trotz Tabletten seekrank. Danach folgten zwei interessante Präsentationen, an denen ich teilgenommen habe, bei der ersten ging es um die verschiedenen Vogelarten, welche wir hoffentlich zu sehen bekommen, bei der zweiten darum, wie man richtig fotografiert. Draußen auf dem Achterdeck ging es dann weiter, wo man am besten welche Tiere sehen kann, Vögel am Heck, Wale vorne auf den Aussichtsplattformen. Nach dem Mittagessen konnte ich dann die ersten Albatrosse und Pinguine beobachten. Da es bereits ziemlich kalt und windig war, habe ich dem Kapitän auf der Brücke einen Besuch abgestattet. Die Brücke ist übrigens fast immer und für jeden zugänglich, dort kann man sich Ferngläser nehmen und die Umgebung beobachten oder einfach Fragen stellen. Abends ging es weiter mit dem Briefing für den nächsten Tag und dem Abendessen, ein vier Gänge Menü, ich entschied mich für eine Nudelsuppe, Krabbenfleisch, Lachs auf Kartoffeln und ein Tiramisu, bevor es dann bis zum Sonnenuntergang nochmal an Deck ging.
Vogelbeobachtung
Besuch auf der Brücke
Um halb 8 aufstehen ist mir etwas schwer gefallen, da man den Wellengang in der Nacht doch deutlich spürte. Etwa so wie Bananenschaukel fahren würde ich sagen, wobei bei hohen Wellen das ganze Schiff vibriert. Man merkt auch definitiv, dass man ein oder zwei cm in die Matratze gedrückt wird, trotzdem war es wohl nur ein Wellengang von 2 auf einer Skala bis 10. Nach dem Frühstück ging es weiter mit dem Programm und zwar zum Zodiac Meeting. Zodiacs sind die Boote, mit denen wir in den nächsten Tagen an Land gebracht werden oder zu den Gletschern, Walen, Pinguinen oder Eisbergen auf dem Wasser unterwegs sein werden. Danach mussten wir zum Bio-Screening. Alles, was wir auf das Festland mitnehmen wollten, musste gesäubert und abgesaugt werden, so dass wir keine fremden Organismen einschleppen. Danach gab es schon wieder Mittagessen, ich begnügte mich mit einem kleinen Salat. Bei so wenig Bewegung kann ich nicht alle 4 Stunden etwas essen. Danach war Zeit für den nächsten Vortrag, es ging um Pinguine, welche wir wahrscheinlich sehen werden, wie viel Abstand wir halten müssen und wie sich Pinguine uns gegenüber verhalten. Und zwar werden sie neugierig bzw. die Jungen auf der Suche nach Futter sein und sich deshalb uns nähern, ich bin gespannt. Als ich am Horizont das erste Mal etwas Weißes sah, dachte ich noch an Wolken, aber als diese sich langsam verzogen, wurde mir klar, dass wir fast da waren. Als dann der Himmel vollständig aufklarte, konnte ich meinen Augen nicht trauen, ich habe am Horizont nach ein paar Gletschern Ausschau gehalten, dabei konnte man über den Wolken bereits die 2800 Meter hohen Eisgipfel sehen, Gänsehaut, ich hatte vor Freude ein paar Tränen in den Augen und das wird nicht das letzte mal gewesen sein...
Eisberg + Antarktis (2800m)
Fast da (30km)

Da wir so gutes Wetter und eine so ruhige Drake Passage hatten, waren wir bereits 10 - 12 Stunden eher in der Antarktis und konnten heute schon unsere erste Aktivität durchführen. Den sogenannten “Polar Plunge”, dabei wird von außen mit einem Kran eine Plattform an das Boot gebracht, von der aus man dann ins Wasser springt. Meine Gruppe wurde natürlich als Erstes aufgerufen und so stand ich als Zweiter des gesamten Schiffes auf der Plattform. Zur Sicherheit wurde man über einen Gurt noch an einem Seil befestigt, bevor es unter dem Applaus von einigen Schaulustigen ohne nachzudenken mit einem Sprung in das 0,8°C kalte Wasser ging. 

Die ersten zwei Sekunden waren nicht schlimm, doch dann setzte sofort die eisige Kälte ein, meine Atmung fing an zu rasen und ich war froh, als ich nach 5 Sekunden wieder draußen war. Was für ein Erlebnis und das ganze auch noch in der verfickten Antarktis!!!

Das 100 Meter weiter ein 30 Meter hoher Eisberg vorbeigeschwommen ist, hatte ich gar nicht mitbekommen, der absolute Wahnsinn.

Zwischendurch ging es nochmal auf die Brücke, unzählige Wale durfte ich beobachten, dazu See Leoparden, Albatrosse, Pinguine. Beim Abendessen fuhren wir an Eisbergen vorbei, die so hoch waren, dass die Sonne dahinter verdeckt wurde und man nichts außer Eis sehen konnte.
Eisberg

Die Wale, welche zwischendurch aufgetaucht sind, sorgten lustigerweise fast für Tumulte. Ü-50 jährige werden scheinbar wieder zu Kindern, denn alle möchten so schnell wie möglich zum Fenster, um ein verwackeltes Foto oder schlecht herangezoomte Videos zu machen. Das man dabei andere anrempelt oder beim Essen stören könnte, egal, Hauptsache das Foto ist im Kasten. Wir an unserem Tisch fanden es lustig, zumal wir sowieso in der zweiten Reihe saßen, da die Fensterplätze weit vor dem Abendessen belegt sind, an sowas beteilige ich mich auch auf einer teuren Expedition nicht, zumal wir noch genug Wale zu sehen bekommen werden. Zum Sonnenuntergang ließen sich noch ein paar Wale blicken, wenn diese Giganten ausatmen, hört sich das ganz besonders an, einfach einmalig. Nach dem Abendessen ging es noch zum üblichen Briefing für den nächsten Tag, das Wetter sollte gut werden, kein Wind, keine hohen Wellen, also können wir noch weiter gen Süden fahren. Zudem sollten wir uns die nächsten Nächte keine Gedanken machen, wenn wir ein lautes Knacken, Knartschen oder Knallen hören, das ist lediglich Eis, welches gegen das Schiff stößt, ich bin gespannt :)

Sonnenuntergang
Wir fuhren noch, also war kein Eisberg im Weg. Um 6 Uhr klingelte der Wecker, schließlich wollten wir uns den ersten Sonnenaufgang in der Antarktis nicht entgehen lassen. Und das war genau die richtige Entscheidung:
Es ging weiter, Schlag auf Schlag. Um 7 Uhr zum Frühstück und um 08:15 wurde die erste Gruppe in den sogenannten "Mudroom" gerufen. Ich war in der Gruppe "Albatrosse" und für uns ging es als erste los. Parka anziehen, Halstuch, Mütze, Handschuhe, zwei Paar Socken, lange Unterhose, Fleece Unterhose und darüber die Regenhose, dann die Stiefel anziehen und zu guter letzt die Schwimmweste anlegen. Dann ging es durch das Desinfektionsbecken zum Checkout (jeder musste sich mit seiner Karte von Bord an- und abmelden), bevor es dann über den Seitenausgang ins Zodiac ging. Mit Vollspeed durch die Antarktis, was ein Spaß. Nach kurzer Überfahrt ging es an Land und ca. 20 Minuten berghoch, vorbei an Eselspinguinen, einem Gletschergrab (eine Bucht, in der sich viele Gletscher sammeln, bis sie schmelzen), bis zum Aussichtspunkt.
Gletschergrab 
Weg 

Phänomenal, atemberaubend, fantastisch, dafür gibt es nicht viele Worte und die Bilder können das ganze nicht annähernd einfangen, Wahnsinn.

Viewpoint

Auf dem Weg zurück konnte ich mir noch die Pinguinkolonie aus der Nähe anschauen. Und die Pinguine sind sowas von niedlich, das könnte ich mir ja stundenlang anschauen. Neugierig watscheln sie auf einen zu, wollen Futter haben oder spielen mit den Stäben, die für uns als Wegbegrenzung im Vorfeld von unseren Guides aufgestellt wurden. Wie fotogen kann man bitteschön sein?

Eselspinguin❤️
❤️
Gletschergrab mit Pinguinen 

Ich hätte die Pinguine noch Stundenlang beobachten können, aber es ging zurück auf unser Zodiac. Wir fuhren mit den kleinen Booten durch und über kleine Eisschollen und wurden dementsprechend etwas durchgeschüttelt, bevor vor uns hunderte Pinguine im Wasser auftauchten und mittendrin mehrere Buckelwale nach Futter suchten und das ganze in nur 30 bis 40 Meter Entfernung...

Rückweg zum Schiff

So langsam wurde es trotz meiner dicken Kleidung kalt, also ging es zurück an Bord. Stiefel putzen, zurück durch das Desinfektionsbecken, jegliche Steine aus den Solen entfernen, wieder auf dem Schiff einloggen, die Kleidung zum trocknen aufhängen, die Stiefel auf Sauberkeit kontrollieren lassen, zurück an Deck gehen, die Aussicht genießen und danach weiter zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen ging es durch den "Lemaire Channel", also wieder dick einpacken und an Deck gehen, um die Durchfahrt durch den wenige hundert Meter breiten Kanal zu beobachten. An beiden Seiten ragen fast einen Kilometer(!) hohe Felsen empor, von denen riesige Eisflächen ins Wasser ragen. Als ob das ganze für mich schon nicht surreal genug wäre, mussten wir riesigen Gletscher ausweichen. Man kann sich das ganze so vorstellen, als ob das Telekom-Hochhaus oder die Elbphilharmonie an einem vorbei treibt, ach ja, und zwischendurch enden riesige blaue Gletscher in dem Kanal. Auf Fotos ist das, wie gesagt leider nicht ansatzweise festzuhalten...

Lemaire Channel
Gletscher im Lemaire Channel
Ende des Lemaire Channels
Eisberge

Und dann war unser ganzes Schiff auf einmal in Aufruhr und an Deck, vor uns tauchte eine Gruppe Orcas auf, welche allerdings sofort abtauchen, unser Kapitän legte eine Vollbremsung ein und war kurz davor, das Schiff zu wenden, als wir leider feststellen mussten, dass die Orcas bereits hunderte Meter hinter uns waren und es viel zu lange gebraucht hätte um unser Schiff zu wenden. Ich hätte die Tiere nie im Leben erkannt, aber wir waren nah dran und uns bleiben ja noch ein paar Tage. Für einen Mittagsschlaf hatte ich übrigens keine Zeit, nach der Durchfahrt ging es zu den "Yalour Islands" zu unserer Nachmittags-Expedition und dem südlichsten Punkt meiner Reise (Koordination 65˚13.90 S; 64˚08.200 W). Passend dazu zeigte mir mein Handy heute "Halbzeit" an, die Hälfte meiner Reisezeit ist nun also vorbei und wie es der Zufall nunmal so will, am südlichsten Punkt meiner Reise geht es ab heute wieder Richtung Norden. Wieder musste ich mir alle Klamotten überziehen, die Schwimmweste überstreifen, durch das Desinfektionsbecken schreiten, mich ausloggen und ins Zodiac steigen. Es dauert gerade mal ca. 30 Sekunden, bis zwei neugierige Seelöwen vor einer Eisscholle auftauchten, keine 5 Minuten später konnten wir einen See-Elefanten und weitere Pinguine sehen. Nachdem wir wieder von etwas Eis ausgebremst wurden, tauchte ein neugieriger Zwergwal vor uns auf und das ganze nicht mal 5 Meter neben unserem Boot, Wahnsinn.

Dann ging es nochmal eine Stunde an Land und ich konnte etwas die Ruhe genießen und den Pinguinen beim Gefiederwechsel zuschauen, was sich interessant anhört, ist es mitnichten. Die Pinguine stehen ca. 2 Wochen lang an einem einzigen Ort und warten darauf, dass die neuen Federn endlich soweit wasserdicht sind, dass sie wieder ins Wasser auf Nahrungssuche gehen können. Das einzige, was zwischendurch passiert, ist, dass die Pinguine sich zwischendurch nach vorne beugen und einigermaßen weit im Strahl nach hinten scheißen. Daher, immer Abstand halten, vor allem wenn der Pinguin mit dem Rücken zu einem steht. Zurück auf dem Schiff folgte das tägliche Briefing, während des Abendessens zogen ein paar Wale, Seelöwen und riesige Eisberge an unserem Fenster vorbei, nichts, was wir noch nicht gesehen hätten...

Adeliepinguin
Adeliepinguin
Zodiac 

Gleiches Prozedere wie am ersten Tag, es ging per Zodiac Richtung “Cuverville Island” eine Pinguinkolonie, welche vom Weltall aus zu sehen ist. Tausend Pinguine laufen hier durch die Gegend und warten darauf, ihr Wintergefieder zu verlieren, bevor sie wieder auf Nahrungssuche ins Wasser können. Ich kann mich daran einfach nicht satt sehen, wie die kleinen Pinguine durch den Matsch watscheln, der Sound dazu ist genauso süß. 😍

Die Fahrt mit dem Zodiac war nicht weniger aufregend, bereits den ganzen Morgen hatten wir mehrere Wale um uns herum, den ganzen Morgen verbrachte ich dementsprechend schon auf Deck. Im Zodiac konnte man sich gar nicht so schnell umschauen. Überall um einen herum hörte man das Ausatmen der Wale, am Horizont sah man den Wassernebel, der entsteht, wenn die Wale ausatmen. Und dann tauchten mehrere Wale keine 10 Meter von unserem Boot entfernt auf, durch das kristallklare Wasser konnte man die Flossen und Muster genau erkennen, wow, Gänsehaut über mehrere Minuten. 😍

Vorbereitungen
Wow 
💔
❤️

Auf dem Rückweg sehen wir dann noch einen riesigen Seeleopard auf einer Eisscholle schlafen.


Seeleopard 

Stiefel waschen, Klamotten trocknen, Mittagessen, und wieder zurück ins Boot, zum Ausruhen blieb wirklich keine Zeit. Es ging Richtung "Nico Harbour" zu einem riesigen, wirklich riesigen Gletscher. Zuerst mussten unsere Zodiac Fahrer einen Weg durch das Packeis finden, für uns alle an Bord sah es nahezu unmöglich aus, alle hatten daher schon mit einem Nachmittag an Bord gerechnet. Doch nicht so unsere Crew, es dauerte zwar einige Zeit, die kleinen Schlauchboote durch das Eis zu manövrieren, aber es hat geklappt und dann ging es auch schon los. Unten versuchten Pinguine vom Wasser aus auf einen kleinen Eisberg zu springen, die meisten haben kläglich versagt, es sah so lustig aus, ich hatte meinen Spaß. Oben angekommen, hatten wir einen unglaublichen Blick auf den Gletscher, da auch unser Weg auf einem Nebenarm des Gletschers verlief, duften wir unter keinen Umständen den Weg verlassen, um nicht in vom Schnee verdeckte Spalten zu stürzen. Das Knacken der Gletscher und das Abbrechen von Eis hört sich gigantisch an und werde ich wohl nie mehr vergessen, ein weiterer Gänsehaut-Moment. Auf dem Weg zurück konnte ich noch eine Pinguinjagd beobachten. Die Jungen wollen noch immer gefüttert werden, aber irgendwann ist es auch mal gut und die Eltern verweigern eine weitere Fütterung. Da die Jungen aber mittlerweile so groß sind, jagen sie ihre Eltern bis zum Wasser wo diese dann hin verschwinden. Dann muss unser Schiff noch den Weg aus dem Packeis finden, Eisberge krachen ans Schiff, das ganze Schiff vibriert, es entstehen unglaubliche Geräusche, ein Knacken, Knarzen und Knirschen, wieder ein Gänsehautmoment, man ist hier draußen so klein. Ich kann meine Gedanken kaum sammeln und muss vor Freude kurz mal in meine Kabine und heulen 😭

...


Zodiac
Zurück zum Boot
Putzen & desinfizieren
Packeis
Wie jeden Tag zum Briefing und "recap", dann zum Abendessen, bevor ich an einem kleinen Quiz (wahr oder gelogen) teilgenommen hatte, bevor es um 21:30 ins Bett ging. Unser Schiff fährt heute im "Ship Blackout", was bedeutet, dass wir alle Fenster verdunkeln und kein Licht nach außen dringen soll. Wir fuhren in ein Gebiet, in dem viele Vögel unseren Weg kreuzen und nicht von unserem Licht irritiert werden sollen. Zudem sollen Unfälle vermieden werden, denn jeden Morgen geht ein Crewmitglied über das Schiff, sammelt die Vögel ein, päppelt sie wieder auf und entlässt sie später wieder in die Freiheit.
Ship blackout
Um 07:15 Uhr ging es wie gewohnt zum Frühstück, eine Stunde später saß ich bereits im Zodiac. Endlich etwas Antarktis Feeling. Der Wind frischte auf, die Wellen waren etwas höher und so wurden wir alle das erste Mal etwas nass, aber da geht hoffentlich noch mehr. Denn bis jetzt hatten wir viel Glück mit dem Wetter, wenig Wind und sogar zwei Tage Sonne, was wohl wirklich selten hier unten ist. Da ich wieder in der ersten Gruppe war, bin ich direkt hoch zum Aussichtspunkt, um ca. 15 Minuten vollkommene Ruhe zu genießen, was eine Wohltat war. Auf dem Rückweg nach der kleinen Wanderung konnte ich noch ein paar "chinstrap" Pinguine ablichten. Wie süß kann man sein? 😍
❤️
❤️
Antarktis
Storm
Zügelpinguin (chinstrap)
Wirklich nervig, ohne es böse zu meinen, sind Amerikaner und Ü60 Personen, die jedes Tier lautstark kommentieren müssen. Wow, amazing, ohhh a tail, look at that, beautiful, einfach mal die Schnauze halten ist für manche echt schwer. Zudem wollte ich wirklich nicht wissen, wo Peter aus Washington schon überall Wale gesehen hatte, dass Oma aus Oklahoma ja auch schon wirklich alles mehrmals gesehen hatte, interessierte mich auch herzlich wenig. Ach und dann gab es noch Rich, der eigentlich mehr wusste als unsere Expeditionsleiter. Beim Abendessen saßen immer die gleichen Leute am Fenster, während sich alle anstellten und dann zu einem der Plätze gingen, rennen die üblichen Experten erst mal zu den besten Plätzen, falten die Servietten auseinander und legen ihre Telefone auf den Platz. Naja, wer es braucht. Gott sei Dank kann man den Leuten ja aus dem Weg gehen, mich ärgert sowas Null, es belustigt mich einfach nur und ich habe meinen Spaß.
Für unsere Nachmittags-Expedition fuhren wir in Richtung Davis Island, eine bislang unerforschte Insel. Unsere Crew ließ ein Zodiac zu Wasser und fuhr vor unserem Schiff mit einem Sonar und übermittelte die Wassertiefe der Umgebung zum Schiff. Für uns ging es dann auf eine 90 minütige Zodiac Tour auf die Rückseite der Insel, die Chance, dass dort tatsächlich noch nie jemand gewesen ist steht recht hoch, da die Wassertiefe nicht tief genug für große Schiffe ist und die Gegend noch nicht kartografiert wurde. Eigentlich unglaublich, aber wir sind auf einer Expedition und nicht auf einer Kreuzfahrt... 

Wir fuhren an 100 Meter hohen Eisbergen vorbei, sahen zwei Seeleoparden aus nächster Nähe und Buckelwale so nah, dass man sie fast anfassen konnte. 😍 Am Abend gab es noch eine Geschichtsstunde über die Entdeckung der Antarktis, bevor ich müde um halb 10 ins Bett gefallen bin. 

Seeleopard
Eisberge
Wie üblich ging es um 7 Uhr zum Frühstück und danach in eins der Zodiacs, um den "President Head" auf den südlichen Shetland Inseln zu erkunden. Dort gibt es eine große Kolonie Seelefanten. Wahnsinn, was für Kolosse, die bis zu 4000 Kilogramm schwer werden. Die Geräusche sind wirklich lustig, aber nicht zu beschreiben, genau wie der etwas gewöhnungsbedürftige Geruch. Die See war heute deutlich rauer und wir wurden ziemlich nass, aber immer noch ziemlich ruhig für antarktische Verhältnisse.
Seeelefanten
Seeelefanten

Nach dem Mittag ging es zu unserer letzten Landung zur ehemaligen Walfangstation der "Whalers Bay", hier wurden noch bis 1932 Wale gefangen und zu Öl verarbeitet. Danach wurde die Station als Forschungsstation genutzt, ehe sie 1967 aufgrund eines Vulkanausbruches evakuiert werden musste. Die Caldera des Vulkans ist vor über 3000 Jahren eingestürzt, so dass man mit dem Schiff ins Innere des Vulkans fahren kann und vor starken Winden von allen Seiten geschützt ist. Es ging noch ein letztes Mal zurück, ein letztes Mal Stiefel waschen, desinfizieren, die Hose und den Parka zum Trocknen aufhängen, etwas wehmütig bin ich schon, aber auch dieses Abenteuer muss irgendwann zu Ende gehen. 

Ölbehälter
Kohlebunker
Whaler's Bay
Mudroom

Abends ging es noch an die Bar, wo die "Monkey Eating Eagles" aufgetreten sind, eine Band bestehend aus allen Teilen der Besatzung, vom Maschinisten, Housekeeping bis zum Koch, waren alle dabei. Das ganze Expeditionsteam, die Kapitänin und viele Crewmitglieder waren ebenfalls dabei, inklusive einer Polonaise über das Deck und dem Rausschmeißer-Song "Summer of 69" war alles dabei, ein netter Abschluss!

Monkey eating Eagles
Die Drake Passage war erneut sehr ruhig, eine 2 von 10, trotzdem hatte es wieder einige erwischt, die richtig seekrank wurden und die nächsten 2 Tage in ihren Kabinen verbrachten. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich hier ein richtiger Sturm anfühlt. Denn auf 10% der Überfahrten ist das Wetter so schlecht, dass es drei Tage lang nur Obst und Sandwiches in den Kabinen gibt, da alles andere unmöglich und viel zu gefährlich wäre. Ansonsten muss man wie wir einfach Glück haben :)

Da es mir gut geht, schaue ich mir die Vorträge und Filme über nachhaltiges Reisen an, in denen eindrücklich gezeigt wurde, warum ich wahrscheinlich an keiner "normalen" Kreuzfahrt teilnehmen werde (Filmtipp: The last tourist film).

Wie viele von meinen 5 Büchern, die ich dabei habe und 20 Podcastfolgen die ich herunterladen habe, habe ich bis jetzt wohl gelesen/gehört? Genau 0!

Am letzten Abend gab es noch ein Quiz, in dem wir Fragen zu den verschiedenen Vorträgen beantworten mussten, dazu durfte sowohl die Bücherei als auch alle Aushänge auf dem Schiff benutzt werden, gewonnen haben wir nicht, aber ganz gut geschlagen hatten wir uns schon. Danach verabschiedete sich noch die gesamte Crew mit einem kleinen Ständchen bei uns, ich wurde doch etwas wehmütig und musste eine kleine Träne verdrücken, ich wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben, aber so endet das Abenteuer und es geht weiter nordwärts!

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