Ein hilfsbereiter Ruhestörer
Monesterio. Wir hatten uns gestern noch so sehr über unseren schönen Stellplatz hier in Monesterio gefreut – um 23 Uhr war es schlagartig vorbei mit der Freude. Techno-Musik der...


Veröffentlicht: 31.03.2025











Medina de las Torres. Seit Samstag morgen waren wir nun in Monesterio, weil wir am Freitag Abend zu spät in Montemolin eingetroffen sind und das dortige Rathaus schon geschlossen hatte. Wir warteten also auf Montag morgen. Normalerweise öffnen Rathäuser um diese Zeit – in Montemolin beginnen sie erst am Montag nachmittag zu arbeiten. Die Tür in das große Gebäude war aber offen, und wir hörten Stimmen aus einem der Zimmer im Gang. Ich klopfte an, ging hinein – und platzte Mitten in eine Versammlung. Da saßen etwa 40 meist junge Menschen in hellgrüner Uniform im Quadrat und hörten einen Vortrag. Natürlich waren alle Blicke sofort auf uns gerichtet. Ich versuchte es mit einem „Sorry“ und wollte die Tür ganz schnell wieder hinter mir zumachen, aber aus den Augenwinkeln sah ich, dass viele lächelten und ganz offen wirkten. Also wedelte ich im Rückwärtsgehen mit unserem Pass „Ruta Via de la Plata“, woraufhin ein vielstimmiges „Oh! Si! Un momento!“ erklang. Fünf, sechs junge Frauen kamen wild gestikulierend angestürmt – wenn ein junger Mann dabei gewesen sein sollte, habe ich ihn übersehen – und zeigten uns mit Google Maps auf dem Handy, wo wir den Pass noch abstempeln lassen konnten. Gerettet!
Wir holten uns den Stempel, auf den wir so lange gewartet hatten und düsten weiter. Nur 15 Kilometer trennten uns von Fuente de Cantos, unserer nächsten Station auf der Silberstraße. Das wäre doch gelacht! Das nehmen wir im Vorbeigehen mit! Die Jagd nach den Stempeln hatte uns gepackt. Es fühlt sich an wie auf einer kleinen Schnitzeljagd. Die Orte zu finden ist kein Problem, aber die Stellen, an denen du einen Stempel für den Pass kriegst, die zu finden ist nicht leicht. Sie liegen oft im Ortskern und dorthin führen fast nur Wege, für die die Bezeichnung „Gässchen“ schon maßlos übertrieben wäre. Ehrlich, an der schmalsten Stelle war links und rechts höchstens ein Zentimeter Spielraum. Icke musste aussteigen und mich leiten. Das kostet sie immer enorm viel Nervenkraft, weil sie Angst hat, dass wir an der nächsten Stelle hängen bleiben und dann den ganzen Weg im Rückwärtsgang zurücklegen müssen. Was sie nicht weiß: Ich kenne das Wort Rückwärtsgang überhaupt nicht. Ich bin noch überall durchgekommen – wenn auch mit Schrammen. Diesmal hat’s den Rückspiegel erwischt.
Aber das ist zu verschmerzen, besonders beim Blick in unseren „Pasapo“: Wir haben heute vier Stempel gesammelt. Bei den letzten beiden war die Tinte schon eingetrocknet. Die Urlauber, die sich zuletzt in Calzadilla de los Garros einen Stempel abgeholt haben, waren wahrscheinlich noch in Kutschen unterwegs. Uns soll’s egal sein. Wir brechen morgen auf nach Zafra, einer größeren Stadt (15.000 Einwohner), die unter anderm eine wunderschöne Altstadt haben muss.
