Zauberwort Iberico
Monesterio. Wir sind heute aus Sevilla aufgebrochen mit dem Ziel Montemolin, unserer dritten Etappe auf der Via de la Plata. Zu der knapp 1300 Einwohner kleinen Gemeinde mussten...


Veröffentlicht: 30.03.2025








Monesterio. Wir hatten uns gestern noch so sehr über unseren schönen Stellplatz hier in Monesterio gefreut – um 23 Uhr war es schlagartig vorbei mit der Freude. Techno-Musik der übelsten Sorte donnerte wie ein Überschalljäger quer durch unser Wohnmobil. Uns hob es einen guten Meter aus unseren Betten, die Hunde begannen zu bellen, in jedem Fahrzeug neben uns gingen die Lampen an. Was war das denn? Wir standen am Rande des Parkplatzes, fast direkt an einem kleinen Park. Nach einem Blick aus der Seitenscheibe war alles klar: zwei, drei Dutzend Jugendliche tranken, tanzten und schrieen als wäre der Boden unter ihnen mit Nadelkissen ausgelegt.
Was tun? Die Party hatte gerade begonnen, also würde das mindestens zwei, drei Stunden so weiter gehen. Das wäre für uns und vor allem für die Hunde nicht auszuhalten gewesen. Wir mussten losfahren! Weg. Möglichst weit. Zum Glück streckt sich dieser Stellplatz über einen halben Kilometer in die Länge. Hoffentlich war am anderen Ende noch ein Plätzchen für uns. Wir suchten in stockdunkler Nacht nicht lange. Neben einer großen Halle war der Boden einigermaßen eben. Das musste für ein paar Stunden reichen. Wir krochen in die Betten und zogen uns die Decke über den Kopf.
Gefühlt nach einer halben Stunde klopfte es an unserer Tür. Erst leise und dann immer lauter. Halb kletterte, halb fiel ich aus meinem Hubbett. Ein alter Mann stand vor der Tür, und als ich öffnete ergoss sich ein Redeschwall über mich – in Spanisch. Während ich innerlich nach Luft japste, registrierte ich am Rande, dass es schon hell war. Plötzlich war der Mann still. Er deutete rings um uns: Da standen unzählige Autos. Aus einigen kletterten Eltern mit ihren Kindern, die ein Fußballtrikot anhatten. Und es kamen immer mehr Pkws. Langsam dämmerte mir … Ich hatte auf der Karte gesehen, dass in der Nähe ein Fußballstadion war. Jetzt musste ein Spiel sein. Der alte Mann hatte einen Weg für uns freigehalten, ansonsten wären wir heillos zugeparkt worden. Jetzt wurde ich schnell. Wir kehrten an unseren alten Platz zurück. Von Musik war nichts mehr zu hören.
Dank des Schocks in der frühen Morgenstunde – es war erst 8 Uhr, oh, 9 Uhr, wir hatten die Stunde Sommerzeit vergessen – war an Schlaf nicht mehr zu denken. So beschlossen wir, uns heute, an einem Sonntag, ein ordentliches Mittagessen zu gönnen. Eine Spezialität der Region sollte es sein. Ickes Wahl fiel auf einen Seehecht mit Venusmuscheln, für mich sollte es eine „Caldereta“ sein – das hatte ich irgendwo in einem Reisebericht aufgeschnappt. Ich wusste nicht genau, was das war, aber der Ober erklärte es mir – auf Spanisch. Als er mit dem Teller kam, wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen: eine riesige Lammkeule. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein zarteres Stück Fleisch gegessen zu haben.
