Vier auf einen Streich
Medina de las Torres. Seit Samstag morgen waren wir nun in Monesterio, weil wir am Freitag Abend zu spät in Montemolin eingetroffen sind und das dortige Rathaus schon...


Veröffentlicht: 02.04.2025








Medina. Der Tag begann mit einer schlimmen Nachricht: Opa Willi ist heute früh verstorben. Der Vater von Ickes erstem Mann Ingo und der Großvater ihrer gemeinsamen Kinder Christoph und Tanja war schon längere Zeit schwer krank, dennoch gruben sich Schock und Schmerz tief ins Innere. Willi war ein lustiger, hilfsbereiter und geselliger Mensch, der gerne ein Bier trank und leidenschaftlich mit dem FC Bayern München mitfieberte. Alle haben ihn lieb gehabt. Das wirft natürlich einen Schatten auf unsere Reise.
Wir haben es heute langsam angehen lassen. Unser Ziel war das von Zafra aus gut 60 Kilometer entfernte Merida, wo wir jetzt am Abend in strömendem Regen auf einem städtischen Stellplatz stehen. Auf unserem Weg wollten wir in Los Santos de Maimona vorbeischauen, um uns den nächsten Stempel abzuholen.
Das ging ratzfatz, und so blieb noch Zeit, uns das „El Capricho de Cotrina“ – übersetzt: die Laune der Cotrina – von Francisco Gonzáles Grajera anzusehen, ein Geheimtipp für die Besucher von Zafra. Das Capricho ist ein Landhaus, wie es auf dieser Welt wohl kein zweites gibt und beherbergt heute ein Museum. Der gelernte Steinmetz lebte mit diesem Bau die ganze Phantasie aus, die in seiner beruflichen Tätigkeit zu kurz kam. Er begann damit 1988 und steckte jede Minute seiner Freizeit in die Gestaltung seines Märchenschlosses. Wenn man davor steht und in Ruhe den Blick über dieses Kunstwerk wandern lässt, bleibt nur den Kopf zu schütteln über die unglaubliche Detailliebe und die ungeheuere Schaffenskraft dieses Mannes.
2006 kam die Stadtverwaltung von Los Santos de Maimona auf den Gedanken, von Grajera Qualifikationen einzufordern, die ihn als Architekt oder Ingenieur ausweisen. Die hatte er natürlich nicht, da er mit 13 Jahren von der Schule abgegangen war. Er musste seine Arbeiten einstellen. Natürlich baute er heimlich weiter und als 2011 eine neue Stadtverwaltung alle Verbote wieder aufhob, ging er mit doppeltem Elan an die Arbeit. Doch bevor er sein Lebenswerk vollenden konnte, starb Gonzáles Grajera 2016 unerwartet an einem Herzinfarkt. Sein Sohn Roberto hat die Arbeiten im Sinne seines Papas weiter geführt und das Werk vollendet.
Übrigens: In einem Kreisel im Zentrum der Stadt steht heute ein Denkmal für „El Capricho de Cotrina“ und seinen Schöpfer. Die Leute in der Stadtverwaltung haben mittlerweile scheinbar erkannt, dass sie die Besucher, die heute nach Los Santos de Maimona kommen, in erster Linie ihrem Gonzáles Grajera zu verdanken haben …
