Ein großer Schatten ...
Medina. Der Tag begann mit einer schlimmen Nachricht: Opa Willi ist heute früh verstorben. Der Vater von Ickes erstem Mann Ingo und der Großvater ihrer gemeinsamen Kinder...


Veröffentlicht: 03.04.2025














Caceres. Merida ist Wahnsinn! Für mich persönlich die schönste Stadt, die ich in all den Jahren in Spanien besucht habe. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass mir die Baukunstwerke der alten Römer und deren Hinterlassenschaften ungemein viel geben. Das liegt vielleicht in meinem Blut, denn auch meine Heimatstadt Straubing hat eine römische Vergangenheit und kann Funde vorweisen, die Experten in ganz Europa ein Begriff sind.
Aber Merida ist ein anderes Kaliber. Eigentlich ist die ganze knapp 60.000 Einwohner zählende Stadt ein einziges, großes Museum. Mittendrin das Theater für 6.000 Zuschauer und das Amphitheater nebenan, in dem 14.000 Menschen Platz fanden. In dem einen wurden meist klassische griechische Werke für gehobenes Publikum zum Besten gegeben, im anderen lechzte nicht nur das gemeine Volk nach Blut. Hier kämpften Tiere aller Gattungen und Gladiatoren gegen- und miteinander um ihr Leben. Laut einer Inschrift am Eingang zur Arena baten die Kämpfer die römische Göttin des Glücks und der Gerechtigkeit um ihren Beistand: „An Nemesis – Um auf dem gleichen Fuß zurückzukehren, mit dem ich eingetreten bin.“
Beide Theater sind auf ihre eigene Art schön, imposant, ja Ehrfurcht gebietend; ich kann es nicht anders beschreiben. Konsul Marcus Agrippa hat sie gestiftet, eingeweiht wurden sie 16/15 vor unserer Zeitrechnung. Etwa zehn Jahre vorher wurde Augusta Emerita – so der ursprüngliche Name von Merida – als Hauptstadt der Provinz Lusitania von den Römern gegründet. Im Laufe der Jahre entstanden viele repräsentative Gebäude, wie etwa der Circus, in dem Wagenrennen und später Seeschlachten aufgeführt wurden. Er ist mit über 400 Meter Länge und 30 Meter Breite riesig. Hier konnten 30.000 Zuschauer mit ihren Helden mitfiebern und mitleiden.
Das sind nur drei von unsagbar vielen römischen Hinterlassenschaften, die mit ganz viel Liebe und Akribie ins Stadtbild dieser modernen Metropole eingepasst wurden. Während der Tempel der Diana zusammen mit Cafés und Geschäften einen Platz im Stadtzentrum schmückt, ragen die Pfeiler des „Acueducto de los Milagros“ – das Aquädukt der Wunder – gleichermaßen gewagt wie elegant aus einer großzügig angelegten Grünfläche empor. Nachts mit Scheinwerfern bestrahlt, werden sie ihrem Namen alle Ehre machen.
Merida ist mit seiner Dichte und Exzellenz an römischen Baudenkmälern einmalig – nicht umsonst gehört die Stadt zum Weltkulturerbe. Da Icke („Was willst du nur mit den vielen alten Steinen“) nicht viel hält von alter römischer Kunst, war ich heute morgen alleine unterwegs, bevor wir am frühen nachmittag nach Caceres aufbrachen. Aber ich bin mir sicher, dass ich bald nach Merida zurückkehren werde – nicht nur für einen Tag!
