Unser Pass ist verschwunden
Plasencia. Heute war nicht unser Tag. Beim ersten Augenaufschlag hörte ich schon das Trommeln auf dem Dach unseres Wohnmobils. Es schüttete. Wie aus Eimern. Nach unserer ersten...


Veröffentlicht: 05.04.2025












Banos de Montemayor. Hervas und Banos de Montemayor hießen heute unsere beiden Stationen. Das waren zusammengenommen nicht einmal 50 Kilometer. Eigentlich wollten wir in Hervas nur kurz anhalten und uns den Stempel holen, aber auf dem Weg ins Tourismus-Büro raubte dieses 4.000 Einwohner kleine Schmuckstück das Herz meiner Icke. Viele kleine Läden, liebevoll gestaltet und ausgeschmückt mit einem reichhaltigen und überaus attraktiven Angebot und zudem nur wenige Touristen – das war genau nach dem Geschmack meiner Icke. Wir hatten die Hunde im Wohnmobil gelassen, und auch wenn der Himmel bewölkt war und es nur um die 15 Grad warm war, wollten wir nicht zu lange wegbleiben. Doch immer wieder entdeckten wir kleine Schätze, wie das Häuschen mit einer riesigen Kakteensammlung im Miniaturformat im Garten. Pflanzen, die in Fingerhüten gezogen wurden, das war auch für Icke neu, die bei allem, was grün ist und wächst, einiges an Wissen und Erfahrung mitbringt.
Montemayor, unser nächstes Ziel, lag mir ganz besonders am Herzen, denn hier sollte es den letzten Rest der original Via de la Plata geben, also ein Stück der Straße mit den Steinen, mit denen die Römer gebaut hatten. Für mich ein Highlight auf unserer Tour! Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. war der Weg von Sevilla bis Astorga vollständig gepflastert. Via de la Plata, die römische Bezeichnung, würde mit Silberstraße übersetzt, doch wahrscheinlich geht der Name auf die arabische Bezeichnung Ball’latta zurück, was „breiter, gepflasterter Weg“ bedeutet. Wie auch immer, die Schritte auf den alten Steinen der Via de la Plata waren für uns etwas ganz Besonderes. Alleine der Gedanke, wie viele Menschen in all den Hunderten Jahren darauf schon unterwegs waren, verändert den Maßstab für das eigene Sein.
Ich wollte den Tag mit einem Besuch der bekannten Therme hier beschließen. Icke war nicht danach. Ich weiß auch warum: Sie ahnte, dass aus dem Bad nichts wird. Die Therme war voll. Kein einziger Platz mehr für Gäste. So endete der Tag mit einer Enttäuschung. Mit einer bösen Überraschung hatte er begonnen. Kurz nach Mitternacht hatte unser Gaswarner Alarm geschlagen. Zweimal, kurz hintereinander. Was war das für ein Schreck! Zum Glück war nichts zu riechen. LPG-Gas wird heute der Geruch von faulen Eiern beigemischt, um Lecks leichter zu bemerken. Wir fanden auch nichts, und so sperrten wir sicherheitshalber alle Gashähne ab. Bei 10 Grad Außentemperatur konnten wir gerade noch so auf die Heizung verzichten. Trotzdem war an Schlaf erstmal nicht zu denken. Was könnte den Alarm ausgelöst haben? Ich studierte die Bedienungsanleitung des Gaswarners. Es gibt kein Gas, das er nicht erkennt. Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Narkosegase, Faulgase … Faulgase? Hmm … Am Abend hatte es Linseneintopf gegeben. Hmm … Eine große Portion. Der Gaswarner, steckte im Zigarettenanzünder unter meinem Hubbett. Ich habe ihn sofort mit der Powerstation am Esstisch verbunden. Er hat sich nicht mehr gerührt.
