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-Kapitel 16- Arbeit-Mac, Powen und die Kiwis

Veröffentlicht: 11.08.2020

Am Donnerstag starteten wir den zweiten Anlauf bei der Arbeit. Dieses Mal nur 5 Minuten zu früh. Glücklicherweise war sogar schon der Chef da, so dass wir auf die Kiwifarm fuhren und hinter ihm parken konnten. Er stellte sich als „Mac“ vor. Er war der Manager und Powens Chef, allerdings gab es noch den „Boss“ namens Marti von dem die beiden immer sprachen, und der sich uns nach einer Woche vorstellte. („I am the Boss. Mac works for me, but sometimes I do the work. Ha ha“). Das waren im Grunde auch schon alle, die etwas mit dieser Farm zu tun hatten. Alle paar Tage halfen noch zwei Inder, die wahrscheinlich Freunde von Powen waren. (Der eine ging richtig ab und sang laut mit, wenn er Musik hörte, und der andere trug immer einen Sack über dem Kopf, der nur zwei Löcher für die Augen hatte (?!)). Sie kamen nur für ein paar Stunden, meistens am Wochenende, wenn Mac nicht da war.

Mac erklärte uns an unserem ersten Tag eine halbe Stunde lang unsere sehr anspruchsvolle Arbeit: Sehr sehr langsam durch die Reihen schleichen, die ganze Zeit nach oben schauen und aus drei Kiwiknospen eine machen. Es war ein bisschen wie in der Schule. Er schärfte uns ein, dass wir „nice“ und „gentle“ zu den Knospen sein sollten, und wir sie behandeln sollten wie „little babys“. Mac war sehr vernarrt in seine Arbeit auf der Farm. Er erzählte uns später, dass er eigentlich einen anderen Job gelernt hatte, aber jetzt auf dieser Kiwifarm arbeitete, weil es ihn glücklich macht. Er warnte uns außerdem vor der Toilette auf der Kiwifarm, einem Schuppen, indem sich ein Plumsklo befand. (Ich versuchte einmal es zu benutzen, aber als ich die Klobrille öffnete, krabbelte eine riesige Spinne raus).

8.20 („Work starts at eight“) kam Powen dann auch mal angefahren, zog seine Gummistiefel an, und schlurfte langsam zu Mac und uns. Mac stellte ihn uns stolz als „hard worker“ vor (Powen scharrte stumm mit den Füßen), und meinte sie würden als Team zusammenarbeiten. Dann ließ er uns unsere Arbeit machen, während wir die ganze Zeit rätselten, wo die anderen Arbeiter wären. Als Celina ihn bei unserem ersten Treffen fragte, hatte Powen nämlich wage auf die hintere Ecke der Kiwifarm verwiesen und gemeint, dass natürlich noch andere dort arbeiten würden.

In Neuseeland begrüßt man sich mit „Wie geht es dir?“, was wir am Anfang gewöhnungsbedürftig fanden. Auch wenn das nur eine Höflichkeitsfloskel ist, bin ich viel zu schüchtern (und wahrscheinlich auch zu Deutsch), um fremde Leute zu fragen, wie es ihnen geht. Am zweiten Morgen begrüßte uns Powen also mit „Good Morning! How are you?“, woraufhin wir voll überrumpelt „good“ antworteten. An den Morgenden danach meinte er dann immer: „How are you? Good?“. Unseren Vertrag sollten wireigentlich am nächsten Tag bekommen, aber da wir unsere IRD, also unsereSteuernummer noch nicht zugeschickt bekommen hatten, meinte Powen, wir sollenihm Bescheid geben, wenn wir sie haben. Obwohl wir ihm das versicherten und esuns unmöglich war, den Prozess zu beschleunigen, fragte er uns jeden Tag „mjhfhjgjh IRD?“, woraufhin wir 7 Tage lang nur immer wieder mit zunehmendschlechtem Gewissen „äh... no“ sagen konnten.

fleißig in der ewig langen Reihe

Danach passierte eigentlich nichts. Wir standen jeden Tag 9 Stunden. Reihe für Reihe, Tag für Tag, bis wir die ganze Farm mit dieser Aufgabe bearbeitet hatten. Zwar konnten wir Musik hören und uns unterhalten, aber trotzdem war die Arbeit natürlich so öde, dass uns jeder Tag wie zwei vorkam. Ab und zu kam Mac um mit uns zu quatschen, oder uns etwas über die Farm zu erzählen, und ein paar Mal am Tag überprüfte Powen unsere Arbeit. Wir hatten drei Pausen. Zwei 15 Minuten Pausen um 10 Uhr und um 15 Uhr und unsere Mittagspause um 12.30 Uhr. In den ersten zwei Wochen hatten wir alle drei bis vier Tage frei. Entweder weil es regnete, einmal wegen einem Feiertag, oder zwei Mal, weil wir so fertig waren, dass wir uns selbst frei nahmen. Das einzige Erlebnis war, dass es einmal bei der Arbeit plötzlich stark anfing zu regnen. Alle mussten sich ins Auto verkriechen und als wir total motiviert wieder zu den Kiwis gingen und anfingen zu arbeiten, kam Powen uns hinterher und rief etwas von dem wir nur „hrmpf“ verstanden, weil er es so schnell sagte. Dann zog er an dem Gitter über uns, so dass es auf unseren Kopf regnete und erklärte uns, es wäre zu nass.

Nach einer Woche, als wahrscheinlich auch Powens Schmerzgrenze erreicht war, erhielten wir unsere IRD. Wir konnten endlich unseren Arbeitsvertrag ausfüllen.

-> Fortsetzung folgt

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