newzealandinspiration
„Orientierungslose Abiturienten machen sich ans andere Ende der Welt auf.“ Dieses Klischee eines neuseeländischen Backpackers erfüllen wir schon Mal komplett. Relativ spontan entschlossen wir uns Anfang August dazu, Work & Travel in Neuseeland machen zu wollen. Dass wir unbedingt ins Ausland wollten, stand zwar schon immer fest, dass es so weit weg sein würde, allerdings nicht. Von Oktober bis April 2020 waren wir also mit einem klapprigen alten Toyota Estima auf Nord- und Südinsel unterwegs, arbeiteten auf Kiwifarmen, gerieten in die Coronakrise und mussten am Ende mit der deutschen Rückholaktion nach Hause geflogen werden. Das Einzige, was wir an dieser ganzen Zeit bereuen ist aber, dass uns so viele Probleme erspart geblieben wären, hätten wir einige Dinge einfach vorher gewusst... Deshalb haben wir versucht, hier alles aufzuschreiben, was wir nur mit viel Mühe oder durch Ausprobieren herausgefunden haben. Wir hoffen, zukünftigen Backpackern damit eine Hilfe sein zu können. Außerdem teilen wir mit euch all unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Auf und Für eine unvergessliche Zeit in Neuseeland! - Anna und Celina

-Kapitel 18- Mac, Powen und die Kiwis & Te Puke Holiday Park- Teil 2

Mac, Powen und die Kiwis- Teil 2

Nach über einer Woche bei Powen, wurde unser Arbeitsalltag endlich aufgemischt. Nach der Mittagspause erhielt er von Mac den Auftrag, mit dem Trecker die Äste einzusammeln, welche dieser zuvor tagelang auf der ganzen Farm von den Bäumen geschnitten hatte. Plötzlich meinte er zu uns „One of you have to drive the ghfdy“ und zeigte in Richtung des Treckers, der leider vor unserem Auto stand. Als er „All good?“ fragte, nickte Celina überzeugend in der Hoffnung, ich wüsste was er von uns wollte. Als wir weggingen, bemerkten wir, dass ich das Gleiche gehofft hatte. Powen lachte zum Glück, als ich ihm beichtete, wir hätten leider gar nichts verstanden. Das brachte ihn aber voll aus dem Konzept. Nachdem er mehrere Anläufe brauchte, um uns zu erklären, was wir tun sollten (er musste immer wieder lachen), wussten wir dann endlich, dass einer von uns den Trecker fahren sollte. Als sichere Fahrerin eines Toyota Estimas mit schwacher Bremse und wackelndem Lenkrad, erklärte sich Celina dazu bereit.

Es stellte sich heraus, dass Powen sehr gerne und sehr schnell erzählte, seine Familie in Indien und sein Bruder in Australien lebte. Er fragte Celina nach mehreren deutschen Wörtern, zum Beispiel „Indien“, „Frucht“, „Kiwi“, und stellte ihr Fragen zu Deutschland. Er erzählte, dass er seit 5 Jahren in Neuseeland lebte und fragte, was wir nach Neuseeland machen wollen. (Bei mir meinte Celina erst „Sie weiß es noch nicht.“ und dann, um mich zu retten: „Vielleicht etwas mit Sprachen“. Ich hoffe Powen dachte, ich kann fließend Französisch). Es sah auf jeden Fall lustig aus, wie Celina mit dem Trecker über die Kiwifarm tuckerte, während Powen wie ein Diener hinter ihr herlief und das Holz einsammelte.

Ein paar Tage später wurden Bienenkästen auf die Farm gestellt. Mac erklärte uns, sie seien wichtig für die Kiwis. Weil es so typisch ist, wurde ich auch gleich Mal von einer gestochen. Celina und mich erinnerte Powen dummerweise immer an den kleinen Muck, weil seine lockeren Hosen zusammen mit den Gummistiefeln voll kurze Beine machten und er mega schnell durch die Reihen schlich, ohne dass wir ihn bemerken. Er ging immer in die Hocke und guckte grimmig, um eine Reihe einzusehen (auf der Pirsch, nannte ich es auch), oder zwängte sich durch die kleinsten Löcher im Netz, um die Reihen zu wechseln. Seit dem Tag mit dem Trecker musste Celina jedes Mal, wenn Powen ihr etwas erklärte, nochmal wiederholen was er ihr denn erklärt hatte. Es stellte sich heraus, dass er uns unvorstellbarerweise fast genau so wenig verstehen konnte, wie wir ihn. Die Kommunikation war nach wie vor die Schlimmste überhaupt. Irgendwer musste am Ende immer lachen, weil es eigentlich nur zum Verzweifeln war. Mit ein bisschen Glück verstanden wir die Hälfte von dem was er sagte beim zweiten Mal, und uns tat es leid, dass er jeden Satz noch einmal wiederholen musste. Dadurch war irgendwie jedes Gespräch ein Erlebnis für sich. Eine typische Situation war der Tag an dem wir unser erstes Gehalt bekommen sollten. Als wir zur Mittagspause gingen, tauchte er neben uns auf und fragte: „Didd yu goht your behmen?“

Ich: „Hm?“

„Did you got your behmen?“

Bis ich nach einem verwirrten Blick „Ahh Payment!“ rief.

Als wir endlich die letzte Reihe der Kiwifarm mit unserer öden Arbeit erreicht hatten, erklärte er uns umständlich, wie wir abwechselnd die Reihe bearbeiten sollten. Leider verstand ich überhaupt nichts, egal wie doll ich mich konzentrierte. Dementsprechend verständnislos und grimmig versuchte ich ihm auch zu folgen, so dass er lachen musste und „No worries!“ rief.

anna und ich bei der Kiwi-Arbeit
anna und ich bei der Kiwi-Arbeit

Der Te Puke Holiday Park Teil 2
Nachdem wir den ersten Schock verdaut hatten, lebten wir uns ganz gut im Te Puke Holiday Park ein. Sogar so gut, dass wir danach nochmal zwei Wochen verlängerten. Obwohl wir vorher nie wirklich gekocht hatten, gaben wir jeden Abend in der ziemlich überfüllten Küche unser Bestes. Neben den Lateinamerikanern, die mega aufwendiges und gut riechendes Zeug kochten, Pizzateige rollten oder Gemüse schnippelten, kamen wir uns mit unseren Kreationen schon ein bisschen arm vor. Wir probierten Fertigessen, Wraps, Nudeln mit Tomatensauce, und Kürbissuppe, die wir wegschmeißen mussten, weil sie so eklig geschmeckt, gerochen und ausgesehen hat. Unser Highlight in der Anfangszeit war Ratatouille, in dem wir Reis, Hack, gestückelte Tomatensauce, Erbsen, ungekochte Möhren und Gewürzgurken zusammenschütteten. Letztendlich sah es nicht schön aus und schmeckte nach allem, aber irgendwie auch nach nichts. Als eine Argentinierin ganz interessiert fragte, wie sich unser Essen nennt, versuchte Celina ihr zu erklären, dass es eine Art Ratatouille wäre, woraufhin sie begeistert „Ahh, it's a Mix!“ sagte.

Eine Woche nach unserem ersten Jumpstart, brauchten wir an unserem ersten freien Tag im Te Puke Holiday Park wieder einen. Da alle anderen auf Arbeit waren, war der Campingplatz wie leergefegt. Erst Mal kauften wir ein Starthilfekabel in dem Baumarkt, der glücklicherweise auf der anderen Straßenseite lag. Wir machten uns auf die Suche nach irgendwem, der uns helfen konnte. Ein Mann schickte uns zu einem der Schuppen, in dem die dauerhaften Anwohner des Parks wohnten. Wir klopften ein paar Mal, doch niemand öffnete. Nach 20 Minuten entdeckten wir dann aber einen älteren Mann, der aggressiv die Blumen goss und anscheinend sowas wie der Hausmeister des Campingplatzes war. Er bretterte sofort mit seinem Auto zu unserer Wiese, und konnte uns netterweise helfen. (Ein anderer Bewohner des Parks tauchte plötzlich vor unserem Auto auf. Als er uns seine Hilfe anbot, rastete der Hausmeister aus, und schrie: „Fuck off, Patrick! FUCK OFF!“, bis der andere das Weite suchte).

unser Toyota braucht viel Aufmerksamkeit
unser Toyota braucht viel Aufmerksamkeit

An die anderen Gäste im Te Puke Holiday Park, die größtenteils das Klischee von Backpackern erfüllten, mussten wir uns erst Mal gewöhnen. Sie waren so nett und so offen, und fast jeden Abend wurden wir in Small Talks verwickelt, wurden um Hilfe gefragt, oder mussten um Hilfe fragen. Und das alles auf Englisch, denn bis dahin waren wir die einzigen Deutschen dort.

Mit der Zeit waren wir aber auch nicht mehr die Einzigen auf der Wiese: Da waren noch zwei spanische Mädchen, die sich oft stritten, ein einzelner Argentinier, den wir den Gangster von New York nannten, und ein deutsches Pärchen, das uns ziemlich unsympathisch war, weil sie uns ständig Blicke des Todes zuwarfen, nie Hallo sagten und sich beim Kochen ganz laut besserwisserische Anweisungen zuriefen. Einen Morgen saß ein Junge in unserem Alter mit Basecap und Kaffeekanne alleine am Tisch, der total deutsch aussah. Abends kochten wir ein sehr kreatives Gericht: trockenen Reis mit Ei und Würstchen, als Celina total panisch zu mir kam und flüsterte: „Der Deutsche hat gefragt, ob er sich zu uns setzen darf, und ich habe ja gesagt!“. Dezent überfordert haben wir dann erst mal mit einem Fremden zusammen gegessen, der auch nicht gerade offener war als wir. Nach einer stillen Minute, konnten wir uns dann aber doch ganz gut unterhalten. Er kam aus Thüringen, wir, wie Celina ihm erklärte „aus MV... also äh aus Mecklenburg-Vorpommern“. Er toastete sich ein Sandwich nach dem anderen und reagierte auf alles was wir erzählten mit „Krass.“ Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass wir ihn am besten mit den Worten sympathisch und total normal beschreiben konnten. Danach stellten wir die Hypothese auf, dass man die meisten Menschen am Aussehen ihre Nation zuordnen kann- Zumindest bei Deutschen liegen wir so gut wie immer richtig. 

->Fortsetzung folgt 


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