newzealandinspiration

„Orientierungslose Abiturienten machen sich ans andere Ende der Welt auf.“ Dieses Klischee eines neuseeländischen Backpackers erfüllen wir schon Mal komplett. Relativ spontan entschlossen wir uns Anfang August dazu, Work & Travel in Neuseeland machen zu wollen. Dass wir unbedingt ins Ausland wollten, stand zwar schon immer fest, dass es so weit weg sein würde, allerdings nicht. Von Oktober bis April 2020 waren wir also mit einem klapprigen alten Toyota Estima auf Nord- und Südinsel unterwegs, arbeiteten auf Kiwifarmen, gerieten in die Coronakrise und mussten am Ende mit der deutschen Rückholaktion nach Hause geflogen werden. Das Einzige, was wir an dieser ganzen Zeit bereuen ist aber, dass uns so viele Probleme erspart geblieben wären, hätten wir einige Dinge einfach vorher gewusst... Deshalb haben wir versucht, hier alles aufzuschreiben, was wir nur mit viel Mühe oder durch Ausprobieren herausgefunden haben. Wir hoffen, zukünftigen Backpackern damit eine Hilfe sein zu können. Außerdem teilen wir mit euch all unsere Erfahrungen und Erlebnisse. Auf und Für eine unvergessliche Zeit in Neuseeland! - Anna und Celina

-Kapitel 47- Fazit zum Leichenwagen & chaotischter Autoverkauf

Es ist unter normalen Umständen schon ziemlich schwierig im März, bzw. April einen Campervan in Neuseeland zu verkaufen. Die meisten reisen zu diesem Zeitpunkt ab, und nur wenige Backpacker kommen an. Wegen Corona war es nun so gut wie unmöglich unsere Autos für einen fairen Preis zu verkaufen. Schließlich wollten auf einen Schlag so gut wie alle Backpacker ihr Auto loswerden, und durch den Reisestopp kamen keine neuen ins Land. Der normale Preis für einen Campervan war daher von 3000 bis 4000 auf 1000$ gesunken.

Die ganzen Monate über hatten wir uns so viele Sorgen um den Zustand unseres Autos gemacht: Dass es jeden Moment schlapp machen würde, dass es Öl verlor, dass unsere Batterie wieder Mal Hilfe bräuchte... Niemand verschwendete auch nur einen Gedanken daran, dass Floris Auto nicht in Ordnung sein könnte. Zwei Tage vor der Ausgangssperre fuhren wir eine halbe Stunde lang zu einem Campingplatz etwas außerhalb von Christchurch, wo wir einen Termin mit einem Franzosen hatten, der sich Floris Auto ansehen wollte. Er war überhaupt nicht wählerisch und hätte Flori das Auto definitiv abgenommen, wäre da nicht der missglückte Ölcheck gewesen. Es war nämlich absolut kein Öl am Messstab, was meines Wissens nicht so ein gutes Zeichen ist :D Der Franzose meinte, mit einem erneuerten TÜV würde er es trotzdem nehmen.

Klar, dachten wir uns. Der TÜV kostete nur 30€ und da dieser eigentlich erst im Juni auslief, sollte das klappen. Tja, dumm nur, dass der Leichenwagen durchfiel, aber volle Kanne. Zugegeben, der Prüfer war vermutlich ein wenig strenger, als unserer... Trotzdem waren sechs von acht Kategorien nicht in Ordnung, und ich glaube nicht, dass der TÜV bei einer anderen Werkstatt anders ausgefallen wäre.

Übrigens hatte Flori den Preis für den Leichenwagen in Blenheim gesenkt, in dem er versuchte auf unserem winzigen Campingspot zwischen unserem Auto und dem Zaun einzuparken. Dabei krachte er mit der Beifahrertür gegen den Zaunpfeiler. Das zog nicht nur ganz schön viele Blicke auf sich, sondern es war auch verdammt schwer, wieder auszuparken ohne noch mehr Schaden anzurichten. Hat dann auch nicht ganz so gut geklappt: Über die ganze rechte Seite zieht sich jetzt eine 10 Zentimeter breite Delle. („Kleine Schramme“ meinte Flori dazu).

"Kleine Schramme"

Da saßen wir nun in unserem Motel, ein 24 Jahre altes Auto mit 340.000 Kilometern, und eine Schrottmühle alias dem Leichenwagen an der Backe. Und das zwei Tage vor der Ausgangssperre. Der Franzose (den wir übrigens mit seinem kaputten Fahrrad bei einem Bikeshop in Christchurch abgesetzt hatten), fragte noch mehrmals nach, wie der TÜV denn nun ausgefallen wäre, und ob wir die Fehler reparieren lassen würden. Zu allem Überfluss hatte er seine olle Decke in Floris Auto vergessen, und wartete immer noch am anderen Ende der Stadt darauf, dass wir ihm sie ihm brachten. Zu meinem Bedauern, mussten wir sie ihm abziehen.

Wir unternahmen einen halbherzigen Versuch, den misslungenen TÜV zu verschleiern, und den Leichenwagen einem Händler für 600$ über Facebook anzudrehen. Als er nach meinem vollen Namen fragte um sich abzusichern, ließen wir das allerdings ganz schnell wieder. (Ich kann nichts illegales tun. Ich kann einfach nicht!). Flori und Celina versuchten das Auto bei einem Händler loszuwerden, der ihm 200$ geben wollte, also 120€. Flori war zuversichtlich, dass er noch 50€ mehr hätte herauskitzeln können.

Mit dem Vorhaben, ohne den Leichenwagen ins Motel zurückzukehren, fuhren wir am nächsten Tag nochmal zu einem anderen Händler, der uns wiederum zu einem Händler schickte. Die Gegend in der wir dann landeten, gehörte vermutlich zu den schlimmsten in ganz Christchurch. Das Industriegebiet grenzte an einen riesigen Friedhof, und vermittelte den Eindruck, an der nächsten Straße um die Ecke gebracht werden. Dort wurde Flori zu einem Laden weitergeleitet, der „Cars, dead or alive“ hieß. Der Typ gab Flori 350$ bar auf die Hand, und der Leichenwagen konnte direkt dortbleiben. Das war immer noch ziemlich wenig Geld, aber zusammen mit Floris Auto, wurde uns eine riesige Last abgenommen.

Das Wetter war total ungemütlich, stürmisch, und kalt. Es passte zu der Gegend und unserer Stimmung. 20 Minuten kauerten wir hinter einer Toilette in einem Park direkt hinterm Friedhof, wo wir auf Celina warteten. Wir fuhren noch einmal in den Supermarkt, um für die nächsten Tage in der Ausgangssperre einzukaufen. Dort war die Lage inzwischen so eskaliert, dass vor dem Supermarkt eine ewige Schlange stand, und die Mitarbeiter beim Einlass kontrollieren mussten, damit nicht zu viele Kunden auf einmal drin waren. Die Stimmung war so unheimlich, dass wir sehr froh waren, schnell wieder ins Motel zurückkehren zu können.

Der chaotische Autoverkauf

Dass wir für unser Auto zu viel ausgegeben hatten, war uns gleich nach dem Kauf klar geworden. Wir gingen von Anfang an davon aus, ein Verlustgeschäft zu machen, was letztendlich ja auch der Fall war. Trotzdem sind wir total froh, wie das alles mit unserem Auto abgelaufen ist. Schließlich haben wir uns darin wohl gefühlt, es gab genug Platz für unser vieles Gepäck, es fuhr sich gut, und wir hatten bis auf die Jumpstarts und einen platten Reifen ja gar keine Probleme.

10.000 Kilometer, 10 Jumpstarts, 3 Beulen und 6 Monate später, war es nun also an der Zeit, unseren geliebten Toyota Estima zu verkaufen. 

Bye, bye
Bye, bye

Da unser Tüv natürlich genau zu dem Zeitpunkt ablief, als wir anfangen wollten das Auto zu verkaufen, mussten wir uns zunächst darum kümmern. Wir fanden die Mängel an unserem Auto zwar eher lustig, als problematisch, (zum Beispiel, dass wir unseren Kofferraum lieber nicht abschließen sollten, die Tankanzeige rumsponn, und wir manchmal für eine Minute oder länger nicht beschleunigen konnten), für den Tüv war das aber eher weniger gut. Ein bisschen angespannt warteten wir daher auf das Ergebnis. Am Ende meinte der Mitarbeiter in der Werkstatt aber ganz entspannt „All good!“, als er uns das Auto übergab.

Nach dem Termin mit der skeptischen Frau, meldete sich erst Tage später wieder jemand für unseren Toyota. Um 18.00 kam ein älterer Typ mit einer jungen Frau vorbei, die glaube ich auf der Suche nach einem Camper für ihr Kind waren. Sie hatten nichts weiter auszusetzen, und meinten die ganze Zeit „Let's do this“, brauchten am Ende aber Bedenkzeit, um sich ein anderes Auto anzusehen.

Am Nachmittag des nächsten Tages sagten sie uns dann ab. Dafür hatte sich morgens ein alter Händler namens Peter gemeldet, der uns schon vor Tagen 1000$ geboten, und wirre, sehr lange Nachrichten ohne Satzzeichen geschickt hatte. Außerdem hatte er uns angeboten, kostenlos auf seinem Hof etwas außerhalb von Christchurch zu wohnen. Er hätte uns sogar zum Flughafen gefahren. Wir wollten jedoch lieber in der Nähe von Supermärkten bleiben, und vor allem unser schönes Motel nicht verlassen. Trotzdem sah er sich das Auto an.

Peter war ein alter Mann, der erklärte, dass er vor der Ausgangssperre mit seiner Frau auf seinem Boot aufs Meer hinausfahren würde, um dort bis zum Ende von Corona zu bleiben. (Ein solider Plan!). Er war wirklich sehr nett, quatschte ein bisschen mit uns, checkte das Auto ab und erzählte, dass es im Moment um die 30.000 Campervans in Christchurch zum Verkauf geben würde. Er meinte, er würde sich noch einen Toyota von einer anderen verzweifelten Backpackerin ansehen, und sich in einer halben Stunde zurückmelden. Allerdings versicherte er uns, vermutlich beide Autos zu nehmen, da er sich verpflichtet fühlen würde, zu helfen. Danach verlor Peter allerdings sein Handy, denn wir hörten erst 5 Stunden später wieder was von ihm. Wir durchlebten Mal wieder ein paar angespannte Stunden, denn Peter war so ziemlich unsere letzte Chance, nicht auf dem Auto sitzen zu bleiben.

Er schrieb schließlich folgendes: Er hätte nur 1400$ und um beide Autos zu nehmen, könnte er uns nur 700$ geben. Wir nahmen das Angebot natürlich trotzdem an. Darauf schrieb er „Lovely Anna, ich wünschte ich hätte mehr, aber ich muss einer Menge Leute helfen.“ Die andere Backpackerin wäre ebenfalls zufrieden. Im gleichen Zug bot Peter mir neuseeländisches Gras an, um den Rest meiner Ferien zu genießen. Das habe ich dankend abgelehnt, das Auto holte er am nächsten Morgen trotzdem ab.

-> Fortsetzung folgt  

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