Regen und Sturm
Eigentlich sollte es heute Morgen um 8:00 Uhr mit einem Boot zu den Marmorhöhlen gehen. Nachdem wir aber hörten, wie der Wind pfiff und der Regen gegen die Wand prasselte,...

Veröffentlicht: 26.03.2023
Das Aufstehen war hart. Unser erster Gedanke war, die armen Leute zu Hause, die jeden Tag so früh aufstehen müssen . Unser zweiter Gedanke war: Oh nein, das blüht uns ja auch irgendwann mal wieder! Außerdem haben wir ganz vergessen, dass Chile das Land der ambitioniert krähenden Hähne ist und der langen Partys. Eines von beiden hat man immer. Manchmal auch beides zusammen. Auf jeden Fall sind die Nächte immer kurz.
Übermüdet fuhren wir dann zweieinhalb Stunden über Schotterpisten bis zur Lagune San Rafael. Es waren zwar nur 80 km, aber die Piste konnte sich gut mit den Straßen von Nepal vergleichen. Zum Glück gibt es immer was zu entdecken, so wird die Fahrt nie langweilig.
In der Lagune wartete schon unser Katamaran auf uns. Während der nächsten 2 Stunden hielt unser Führer einen Vortrag über die Lagune und den Gletscher. Er zeigte uns auch ganz genau auf einer Landkarte den Weg dorthin. Dabei hatte er einen Zeigestock, der sehr stark an ein Jedischwert erinnerte. Mir taten die Leute leid, die sich immer wieder unter dem Stock ducken mussten. Wir saßen zum Glück weit genug weg.
Plötzlich hieß es: „Eisberg voraus“. Wir gingen sofort an die Aussichtsplattform am Bug des Schiffes. Leider fing es heftig an zu regnen. In kürzester Zeit waren wir völlig durchnässt. Außer uns hielt nur noch ein holländisches Pärchen aus. Irgendwann wurde es auch uns zu kalt und nass und wir gehen wieder in den Katamaran hinein. Dort stellten wir uns neben den Steuermann, da man von dort aus die beste Sicht hatte. Wir unterhielten uns mit ihm. Dabei fiel uns auf, dass er immer noch seine Sonnenbrille trug, obwohl es regnete. Erst dann sahen wir die gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten. Die Armbinde hatte er natürlich nicht, es hätte aber gut sein können. Wir fragen ihn nämlich, was die Symbole auf seinen Anzeigen bedeuten. Diese konnte er leider nicht genau erkennen und so mussten wir ihm beschreiben, was wir auf seinen Anzeigen gerade sahen. Nach dieser Erfahrung mit dem Steuermann, wurde die Fahrt zu einem richtigen Abenteuer für uns. Erstaunlicherweise schaffte es der Steuermann aber über die nächsten 2 Stunden hinweg tatsächlich jedem Eisberg, auch den kleinsten, geschickt auszuweichen. Die Macht war wohl mit ihm. Wir waren aber dennoch beruhigt, als wir Richtung Gletscherwand fuhren, dass dann ein anderer das Steuer übernahm.
Als wir der Gletscherwand näher kamen, hörte der Regen auf und die Sonne zeigte sich. Dieser Anblick war majestätisch. Die Sonne ließ den Gletscher in verschiedenen Weiß- und Blautönen erstrahlen. Man hatte den Eindruck, dass der Gletscher lebte. Das Eis knisterte und bevor ein Eisbrocken herabfiel, gab es einen donnergleichen Knall. Das war faszinierend und atemberaubend. Wir konnten uns nicht daran satt sehen. Doch irgendwann drehte unser Katamaran und wir fuhren nach Hause. Auf dem Rückweg gab es leckeres Essen. Mal wieder musste der Koch Heike sein Rezept verraten. Zuerst war er etwas widerwillig, denn er meinte, es sei ein Geheimrezept. Aber wenn Heike was will, dann bekommt sie es auch meistens. Als sie sich also nicht abwimmeln ließ, gab der Koch ihr widerwillig das Rezept.
Die Rückfahrt war erstaunlich kurzweilig, da wir mit unseren Sitznachbarn Uno spielten.
Nach weiteren zwei durchgeschüttelten Stunden waren wir dann an unserer Unterkunft, wo die Kätzchen schon auf uns warteten.
Das war wirklich ein sehr schöner Tag mit einem einzigartigen Naturerlebnis.
