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Auf Kur

Veröffentlicht: 11.09.2025

Sehenswert
Da Lat
Da Lat, Vietnam
Attraktion
Langbian
Da Lat, Vietnam
Attraktion
Da Lat Cable Car
Da Lat, Vietnam
Sehenswert
buddhistischer Tempel nahe der Seilbahnstation
Da Lat, Vietnam
Attraktion
Po Nagar
Nha Trang, Vietnam
Fahrt
Da Lat → Langbian
Da Lat, Vietnam
Fahrt
Da Lat → … → Bai Huong
Vietnam
Essen
Bánh Mì unterwegs auf dem Langbian
$$ · Mittagessen
"Go to Da Lat, man!", ich habe die Worte des Neuseeländers noch im Kopf, als wenn es gestern gewesen wäre. Der Maori hatte mir sein persönliches Vietnam-Highlight ans Herz gelegt, während ich in Phong Nha auf den Bus gewartet hatte. Wahrscheinlich hatte ich mich wieder mal über die Hitze beschwert. In Da Lat wäre es schön kühl, denn es liegt auf einem Plateau über 1000 Meter über dem Meeresspiegel.

Als ich jetzt sieben Jahre später in Da Lat ankomme, muss ich das erste Mal seit Georgien wieder meinen Pullover rausholen. Es gewittert und donnert gewaltig und die Temperaturen sinken unter 20 Grad. Zu Zeiten der Besetzung hatten die Franzosen sich hier ein kleines Paris geschaffen, mit Villen und repräsentativen Häusern, in denen die Kolonialherren residieren und sich im eher europäischen Klima erholen konnten.


In Da Lat kann man Kaffeeplantagen besuchen, Gokart bzw Mario Kart fahren, früh morgens auf "Cloud Chasing"-Tour gehen oder die Elefantenwasserfälle bestaunen.

Ich mache nichts dergleichen, sondern muss mich weiterhin erholen. Immer noch schlafe ich schlecht, weil nachts mein Husten wieder einsetzt. Drei Tage kommt's, drei Tage bleibt's, drei Tage geht's. Ich gehe dennoch zum Arzt, auch weil ich mitbekomme, dass eine Art Grippewelle in Südostasien grassiert. Der aber attestiert mir, dass es sich in meinem Fall lediglich um allergische Symptome handelt. Also einfach nur ein weiterer Westler, der die ungewohnte Umgebung nicht verträgt. Für diese simple Diagnose stellt er dem deutschen Hypochonder großzügigerweise nicht mal ein Honorar in Rechnung.


Love is in the air. Da Lat ist nicht nur Wochenendausflugsziel für metropolmüde Saigoner, sondern auch für verliebte Paare. Überall Rahmen in Herzform, in die sich die Pärchen für Erinnerungsfotos setzen können. Da Lat ist passenderweise berühmt für seine Blumen. Die Stadt ist voller bunter Blumenwiesen und Pflanzenkübel. Fahrende Händler transportieren und verkaufen Rosen auf ihren Rollern.

Ich lese über einen angeblichen Fluch, der über Da Lat liegt. Wenn man als verliebtes Pärchen den Ort besucht, dann trennt man sich danach. Anekdotische Evidenz, die es zum Tiktok Trend geschafft hat. Naja, wenn man als Paar die ersten freien Tage zusammen verbringt, dann stellt man unter Umständen fest, dass man nicht füreinander geschaffen ist. Da kann die arme Stadt, die man für seine Flitterwochen gewählt hat, nichts für. Trotz der üblen Nachrede und der Regenzeit wuseln frisch Verliebte durch Da Lats Straßen. Ob Hand in Hand um den Stadtsee schlendernd, posierend vor den zahlreichen picture points mit romantischem Hintergrund oder er Scooter fahrend, sie hinten aufsitzend - Liebe scheint hier noch wie im guten alten Disneyfilm zu funktionieren.


In einer von den Franzosen erbauten und mit Romantik verbundenen Stadt wie Da Lat darf auch eine femme fatale nicht fehlen: Trần Lệ Xuân, die auch als Madame Nhu oder Drachenlady in die Geschichte einging. In ihrer ehemaligen Villa lerne ich mehr über ihre Biographie. Nachdem Vietnam von Frankreich unabhängig wurde und in zwei Teile zerfiel, war sie Schwägerin und damit inoffizielle First Lady des unverheirateten Präsidenten Südvietnams Ngô Đình Diệm. Das Museum ist auffallend neutral. Anders als Ausstellungen zur Geschichte des Vietnamkriegs bezeichnet es die südvietnamesische Regierung nicht als puppet regime der USA. Selbst die Dragonlady kommt gut weg, dabei hätte es aus nordvietnamesischer Siegerperspektive genügend Gründe, sie zu verteufeln. Lệ Xuân war konvertierte Katholikin und verfolgte eine harte Politik gegenüber dem Buddhismus in ihrem Land. Die Besetzung von Tempeln und Niederschlagung von Demonstrationen führte u.a. 1963 zur Selbstverbrennung des Mönches, dessen Foto traurige Berühmtheit erlangte. "If the Buddhists wish to have another barbecue, I’ll gladly supply the gasoline and a match", kommentierte Lê Xuân die Aktion zynisch. Sie starb einsam und verarmt im italienischen Exil.


Das Wetter und meine Kondition bessern sich und ich wage mich ins Freie. Eine Seilbahn bringt mich zu einem abgelegenen See, der von kleinen bewaldeten Hügeln umgeben ist. Am Einstieg der Gondel stehen zwei Damen in Uniform. Eine die einweist, eine die winkt. Beschäftigungstherapie im Sozialismus oder unterschätzte Mikrowirtschaft..?

Die Zugänge zum kleinen Berg, auf den ich draufwandern möchte, sind durch Tore und Sicherheitsposten gesperrt. Ich lerne später, dass er einem Investor gehört, der teure Privattouren organisiert. Soviel zum Sozialismus.

Stattdessen besuche ich einen buddhistischen Tempel nahe der Seilbahnstation und schließe unwillkürlich die Augen, als ich im Schneidersitz vor der Buddha-Statue sitze. Hätte ich jetzt noch meine elephant pants an, wäre ich die Verkörperung des westlichen Backpackers, der "seine Spiritualität wiederentdeckt hat". Hab ich aber nicht. Wie in allen anderen religiösen Gebäuden genieße ich die Stille und nehme das Blätterrauschen und Vogelzwitschern von draußen wahr. Ein Mönch schlägt andächtig die Glocke, jedesmal wenn echte Gläubige die Halle betreten, um zu beten und ein paar Dong zu spenden. In den Pausen dazwischen hängt er ganz weltlich auf seinem Hocker und wischt durchs Handy.


Auf der Wandertour rauf zum Langbian bin ich der einzige Teilnehmer. Daher holt mich mein Guide, der sich selbst den Spitznamen Harry gegeben hat und eigentlich Dong heißt, direkt mit dem Motorrad statt dem üblichen Minibus ab. Gleich am Anfang des Weges schließt sich ein herrenloser Hund an, der Bucky getauft wird von einer Vietnamesin, die sich außerdem zu unserer Gruppe hinzugesellt. Zu viert steigen wir zügig den steilen Stufenpfad hinauf, der wegen der Regenfälle der letzten Tage ziemlich matschig ist. Der höchste Berg  Zentralvietnams ist laut Gipfelschild 2169 Meter, laut Harry aber irgendwas über 2500 Meter. Ich diskutiere lieber nicht mit ihm, schließlich hat er unsere gesamte Verpflegung mit nach oben geschleppt. Wir füllen uns wie bei Subway die Báhn Mis - kleine Baguettes mit wahlweise Seitan, Tofu etc. und verschiedenem Gemüse. Französisches Gebäck mit Upgrade. Nur Bucky ist als einziger etwas enttäuscht vom Gipfelbrunch und stellt sich als wählerischer Hund heraus. Er hat eine verwundete Pfote und ist die gesamte Strecke nur auf drei Beinen hinaufgelaufen.Runter geht es mit einem Umweg über einen niedrigeren Berg. Langbian steht dort in großen aufgestellten Buchstaben. Dabei handelt es sich nur um den kleineren Rada-Gipfel, auf den sich Reisegruppen per Jeeps hochfahren lassen können. Bucky gefällt es hier oben aber so gut, dass er erschöpft vor einer der Fressbuden liegen bleibt. Die versprechen immerhin Fleischreste und keine langweiligen Tofubrötchen.

Unser Abstieg zu dritt ist nicht weniger kurzweilig. Die beiden Vietnamesen erzählen mir einiges über die Unterschiede zwischen Norden und Süden. Ich hingegen versuche mit dem Klischee aufzuräumen, Deutsche wären absolut hart arbeitende Workoholics. Mitnichten. Warum sollte man sonst ständig so viele Deutsche im Ausland antreffen? Mit maximal zehn Urlaubstagen im Jahr wie bei den Amis wäre das nicht zu bewerkstelligen.


Nach fünf Tagen Erholung in Da Lat breche ich auf und bin wieder in meinem Modus Operandi. Ich bin hier ja nicht zum Spaß. Fernbus nach Nha Trang, Nachtzug nach Trà Kiêu, Taxi nach Hoi An, Fähre nach Cham Island, Moped zur Unterkunft im Dorf Bai Huong.

Während meines Kurzaufenthalts in Nha Trang stelle ich fest, dass die Stadt von Russen überfüllt ist. Selbst Restaurantmenüs sind in Russisch. Ein Grab-Fahrer hält mir zur Bestätigung sein Display mit meinem Namen entgegen: "Da?". In Po Nagar, einer Ruine der alten Cham (die Gegenspieler des Khmer-Reiches), verwarnt ein genervter Wachmann eine Blondine, die trotz eindeutiger Pictogramme im Tempelinneren ihre Handykamera zückt: "net fotografiy".

Ich bin froh, den Küstenort voller Malls, Resorts und hochgeschossiger Hotels im Schlafwagen zu verlassen. Der Schaffner blickt nur kurz in seine Passagierliste und dann in mein Abteil. Ich bin der einzige hier mit einem schwierig auszusprechenden Namen und er gibt thumbs up: "Max Im Lian?". - "Yes, that's me."

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Regenzeit · 20°C
Begleitung
Mit Freunden (3)
AbenteuerlichKulturellEntspannend
  • Da Lat als kühler Erholungsort im Regen
  • Seilbahn mit Blick auf Seen und Wälder
  • Buddhistischer Tempel nahe der Seilbahnstation
  • Wanderung auf den Langbian mit Guide und Hund
  • Weiterreise per Fernbus, Nachtzug, Taxi, Fähre und Moped
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