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"...and whatever comes our way" 2/2 (Ha Giang)

Veröffentlicht: 06.10.2025

Fahrt
Ha Giang → Hanoi
Vietnam
Unterkunft
Hotel in Hanoi
Hotel · Hanoi
Essen
Restaurant in Ha Giang
$ · Mittagessen
Attraktion
Ha Giang Loop viewpoints
Ha Giang, Vietnam
Attraktion
Ha Giang market
Ha Giang, Vietnam
Sehenswert
Bungalow in Ha Giang
Ha Giang, Vietnam
"Quietsch, quietsch, quietsch.", Leo läuft wieder mit seinen Crocks vorweg, diesmal bergauf. Wir holen das Motorrad aus der Scheune und fahren auf den Sonntagsmarkt. Es ist knapp 8 Uhr morgens und Leo erklärt mir, dass viele der Dorfbewohner bereits um 4 Uhr auf den Beinen sind, um auf den Markt zu gehen. Sie kommen von überall her, um in der 20 000-Einwohner-Stadt Meo Vac Geschäfte zu machen und vor allem Lebensmittel für die Woche einzukaufen. Manche hätten kein Motorrad und die einzige Möglichkeit, auf den Markt zu kommen, wäre zu Fuß. Bereits um 10 Uhr würden die ersten dann ihre Stände wieder zusammenpacken, also laufen die Menschen früh im Dunkeln mit Lampen in der Hand von den Bergen zum Wochenmarkt. Leo deutet immer wieder auf Kinder, die am Straßenrand schlendern und ein paar Süßigkeiten in den Händen halten. Die hätten sie gerade auf dem Markt gekauft. Bis zu 8 km laufen sie jeweils hin und zurück über die hohen Berge ins Tal.Wären sie nicht sowieso alleine unterwegs, würden die Kinder ihren Eltern auf dem Marktplatz leicht verloren gehen. Das riesige Gelände ist voller Menschen. Ein buntes Gewusel. Nicht nur Lebensmittel und lebendige Tiere werden verkauft, auch Haushaltswaren und Dienstleistungen. Zwischen Schweinekäfigen und Gemüseständen sitzen Jungs und lassen sich die Haare an kleinen zerkratzen Spiegeln schneiden.Wir kaufen ein paar süße Teigtaschen vom Bäcker und Obst als Proviant für den Weg.
An den Aussichtspunkten hat sich immer mindestens ein Café angesiedelt. Jedes Mal halten Gruppen von zehn bis fünfzehn Leuten mit ihren Easy Ridern an. Während die in Lehnstühlen pausieren, stellen sich die Touristen an die Balustraden, um Fotos zu machen und beim Blick ins Tal Bier und Kaffee zu trinken. Es sind wirklich auffällig viele junge Briten dabei. Der Ha Giang Loop trendet dort gerade extrem.

Zusätzlich laufen in maximaler Lautstärke K-Pop und 2000er Hits über die Boxen: "Come on Barbie let's go party." Ja macht doch, aber warum denn ausgerechnet in den nordvietnamesischen Bergen, Ken. Die ganze Szenerie verliert dadurch für mich den Reiz und ich gebe Leo öfter schon nach drei bis fünf Minuten zu verstehen, dass wir von mir aus gerne weiterfahren können.


Leo scheint meine Signale zu lesen und er macht einen Vorschlag, der mir gut gefällt. Er würde einen schmalen Seitenweg hinauf zu einem Berg fahren und ich könne ihm dann zu Fuß folgen. Gesagt getan und ich merke schnell, dass ich mich außerhalb der üblichen Ha Giang Route befinde, denn ein paar Kinder machen große Augen, als sie mich sehen und winken mir mit "Hello"-Rufen zu. Ich genieße den dreißig minütigen Freigang den Berg hinauf und staune am Ziel über eine Aussicht in ein kleines abgelegenenes Tal mit versprenkelten Häusern und Reisfeldern. Oben isst Leo zufrieden seine Instant-Nudeln. Er freut sich sicher auch über die Pause und wir teilen das Obst, das wir morgens auf dem Markt gekauft haben. Drachenfrucht und kleine Früchte, die wie Lychees aussehen und schmecken, aber laut meinem Fahrer keine Lychees sind.


Weiter auf steilen Serpentinen unterwegs fällt mir ein Hmong-Mann auf, der ganz klar am Wanken ist. Dahinter seine Frau, die genervt nach vorne stiert. "Happy Water!", ruft Leo lachend zu mir über seine Schulter. Es scheint also zu stimmen - im Coc Phuong Nationalpark hatte der Guide relativ abschätzig über die Hmong gesprochen. Er zeigte uns ein Blatt eines Baumes. Das sei giftig und damit würden sich manche deprimierte Hmong-Frauen das Leben nehmen. Viele Männer der ethnischen Minderheit wären schwere Alkoholiker, die nur faul in der Ecke liegen und keine Arbeit haben. Was mir wie ein Vorteil der vietnamesischen Mehrheitsgesellschaft vorkam, scheint zumindest im Kern der Wahrheit zu entsprechen, denke ich mir. Ein weiterer Hmong torkelt über die Straße und zeigt mir Daumen hoch. Die Frauen der Hmong sieht man hingegen fast immer mit einem Korb voller Tierfutter auf dem Rücken oder gebückt auf den Reisfeldern. Die Kinder sind allermeistens ohne Eltern in Gruppen unterwegs. Kleine Mädchen tragen ihre noch jüngeren Geschwister im Arm. Oft fahren wir durch Dörfer und Straßenzüge und ich sehe nur Kinder auf den Eingangsstufen sitzen. Die Erwachsenen sind ausgeflogen, sturmfrei, Herr der Fliegen.


Abends treffe ich wieder die neuseeländisch-amerikanische Mittzwanziger-Kaffeefahrt. Wo sie heute waren, frage ich eine in der Gruppe. Schulterzucken. Nix genaues weiß man nicht. Eine Neuseeländerin, die mitbekommt, dass ich aus Deutschland bin, erzählt mir aufgeregt von ihrem Lieblingsbrettspiel: "It's called Secret Hitler, it's so fun!". "Okay, and why are you telling *me* this?", frage ich schmunzelnd. "Cause you're from Germany!", ruft sie entzückt. Neben ihr lacht der Australier und macht eine Geste, die bedeutet: "Sie schaufelt sich immer weiter rein.". Naja, wenigstens kein "Fan", so wie der Nazi-Russe auf Cham Island mit "Mein Kampf"-Zitaten.


Von meinem Bungalow aus habe ich dieses Mal einen astreinen Blick auf die Milchstraße. Von den umliegenden Dörfern funkelt es vereinzelt, ansonsten gibt es keine Lichtverschmutzung.Am nächsten Morgen werde ich von starkem Regen geweckt. Leo schreibt mir, wir können ruhig später starten, bis sich der Wind und der Regen gelegt hat. Aber als um 10 noch immer dicke Wolken am Himmel sind, fahren wir in unseren regendichten Müllsäcken los. Von Leo, also dem Slowaken, der den Ha Giang Loop parallel mit einer anderen Gruppe mitfährt, höre ich über Whatsapp, dass sie wegen eines Erdrutsches auf der Straße umkehren und einen Umweg nehmen mussten. Der andere Leo, also der vietnamesische, weiß schon Bescheid. Die Gruppe, in der mein slowakischer Freund unterwegs sei, würde sein Onkel leiten, sagt er. Die Easy Rider halten sich anscheinend auf dem Laufenden. Der Tag bleibt verregnet und Leo fährt von Tal zu Tal Schleichwege mit Pfützen, Schotter und Schlaglöchern, was das Festhalten am Rücksitz nicht einfacher macht. Das Programm für den Tag beschränkt sich lediglich auf den Rückweg nach Ha Giang, doch zum Essen nimmt mich mein Easy Rider mit zu sich nach Hause. Mir soll es Recht sein, dass er Berufliches mit Privatem verbindet. 10 Tage am Stück war er jetzt auf Tour und hat dazwischen seine Tochter nur für ein paar Stunden gesehen.


Leos Frau hat Mittagessen gemacht. Reispapier mit Fleisch und Gemüse zum selbst Rollen. Im ersten Stockwerk des Holzhauses befindet sich der Wohnbereich, der aus lediglich einem großen Raum mit ein paar Schlafnischen besteht. In einer Hängematte liegt sein Opa, seine Oma läuft herum und lächelt mich an. Sein Vater kümmert sich um Leos Tochter und seine Neffen, die gerade während der Schulpause zu Hause sind. Vier Generationen unter einem Dach. An den Wänden und Holzsäulen hängen die für Südostasien typischen Familienportraits. In einer Ecke ist ein Schrein mit Räucherstäbchen aufgebaut. Keine Buddha-Statue oder andere abgebildete Gottheiten. Sie würden als Tay nur ihren Ahnen gedenken, erklärt mir Leo. Das Haus hat sein Vater zusammen mit anderen Dorfbewohnern gebaut. Wenn jemand im Dorf ein Haus baut, dann wird sich gegenseitig unterstützt. Leo möchte selbst bald sein eigenes Homestay aufbauen und dann verschiedene Wanderungen und Touren anbieten. Wenn er sie so persönlich und authentisch gestaltet wie meinen Trip mit ihm, dann wird es mit Sicherheit erfolgreich, sage ich Leo beim Abschied, als er mich wieder beim Hotel absetzt.


Der zweite Taifun ist mittlerweile ein tropisches Tief, aber es befindet sich direkt über der Hauptstadt. Zurück in Hanoi starre ich aus dem Hotelfenster. Am Tag vor meiner Abreise kann ich nicht viel mehr machen. Der stärkste Regen, den ich bis jetzt in Südostasien gesehen habe, hat seit dem Morgen eingesetzt. Anders als die bisherigen Schauer hört er bis in die Nacht nicht mehr auf. Ich habe in Ha Giang von meinem Fahrer in Crocks gelernt und laufe barfuß in Sandalen durch die Fluten zum nächsten Restaurant. Hinzu bis zu den Knöcheln im Wasser, rückzu knietief.

Am nächsten Tag kann ich wieder im Trockenen laufen. Überall kehren die Menschen den Dreck der gestrigen Überflutung zusammen.

Bevor mich mein Grab-Taxi zum Flughafen abholt, bestelle ich meinen letzten Eiskaffee mit Kondensmilch. Als ich ihm meine letzten Dong in die Hand drücke, sagt der Cafebesitzer: "Dankeschön." Ausgerechnet in Deutsch. Zufall oder was hat mich verraten? Zwischen den einzelnen Ländern wird oft kein Unterschied gemacht. Leo meinte, dass Ausländer mit weißer Hautfarbe für Vietnamesen alle "nguoi Tây" wären.

Tam biet, auf Wiedersehen, bis in sieben Jahren.

Auf einen Blick

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Dauer
2 Tage
Wetter
Sommer
Begleitung
Allein
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Ha Giang Loop mit Easy Rider
  • Wochenmarkt in den Bergen
  • Aussicht ins abgelegene Tal
  • Mittagessen im Haus des Fahrers
  • Rückkehr nach Hanoi im starken Regen
regendichte MüllsäckeSandalen
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