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Ein Land, eineinhalb Systeme (Hongkong)

Veröffentlicht: 08.10.2025

Unterkunft
Chungking Mansion
Hongkong
Attraktion
Kowloon Walled City Park
Hongkong, China
Chinesische Raketen explodieren über dem Himmel von Hongkong. Zwei Reihen von Schiffen stehen sich auf der Meerenge zwischen Halbinsel und Insel der Stadt gegenüber. In der Mitte blitzt und leuchtet es. Zeitversetzt zu den Detonationen dringen die donnernden Geräusche zu mir in sicherer Entfernung herüber. Es ist nicht der Beginn des dritten Weltkrieges, sondern nur eine Machtdemonstration Chinas. Die Schiffe keine Flugzeugträger, sondern nur Touristenboote. Wie jedes Jahr zum 1. Oktober hat die Regierung ein Feuerwerk anlässlich des Unabhängigkeitstages organisiert.

Hongkong hatte ich eigentlich gar nicht in meiner Reiseplanung gehabt. Aber Darryn und Leo haben so davon geschwärmt, dass es meine Neugier geweckt hat. Außerdem kann man in Hongkong gut wandern. Es gibt ein Gesetz, wonach der Stadtstaat zu einem bestimmten Anteil naturbelassen bleiben soll. Jeder gefällte und umgestürzte Baum muss ersetzt werden. Deshalb sind ungefähr 50 % nicht bebaut.


Jetzt in der Abenddämmerung auf dem Victoria Peak mit Blick hinüber zum Festland sehe ich das Ergebnis dieser Politik. Die mehrgeschossigen Wohnblöcke und Wolkenkratzer sind umgeben von grünen Bergen.

Vor dem Beginn des Feuerwerks komme ich mit einer Italienerin ins Gespräch, die in Hongkong wohnt. Ich rate und liege richtig: Sie ist Bankerin. Zwischen den Mengen von Menschen, die an dem Zaun des Bergweges stehen, patroullieren Polizisten. Ein Geräusch am Hang schreckt sie auf und sie rufen etwas in Kantonesisch in die Richtung, in der sie einen Menschen vermuten, der abseits des Weges auf der Suche nach einer besseren Sicht ist. "That's not a noise of a human.", sage ich skeptisch zu der Italienerin und sie stimmt zu. Es ist eher das Geräusch eines Tieres, das durch die Büsche streift. Affen gäbe es auf dieser Seite der Insel nicht, aber es könne gut ein Wildschwein sein, vermutet sie. Die würden manchmal sogar in der City gesichtet. Ich blicke nach unten und sehe stattdessen die Umrisse eines Stachelschweins. Das interessiert sich für das Feuerwerk herzlich wenig.


A London that works. So wird Hongkong wohlwollend beschrieben und es passt. Der Linksverkehr rollt, die Doppeldeckerbusse sind pünktlich. Die Menschenmengen, die während der Feiertagswoche unterwegs sind, werden von der Polizei geleitet. Wenn die Verkehrsinsel zu voll ist, wird der Übergang an der Ampel mit einem Band abgesperrt.

Wie in Großbritannien üblich sind Museen und öffentliche Toiletten kostenfrei. Das Signalgelb der Fahrbahnmarkierungen, die Parks, Außen- und Innenarchitektur, die Türschlösser - alles in verspielter UK-Ästhetik.

Die Hongkonger sprechen perfektes Englisch. Aber jedes Mal wenn ich in Restaurants oder in Läden an Leute gerate, die es nicht tun, vermute ich, dass es sich um Festland-Chinesen handelt, die die Partei in den letzten Jahren immer mehr in der Stadt ansiedelt, um so den Anteil der Widerständigen zu brechen. Scheinbar mit Erfolg - seit Corona scheinen die Demonstrationen im Keim erstickt worden zu sein. In einem Park hängen die Flaggen Hongkongs und Chinas nebeneinander. Der chinesische Fahnenmast ist um wenige Zentimeter, aber deutlich sichtbar erhöht.


In einer Bar beobachte ich, wie eine Frau ein Tarodeck aufbaut. Sie bietet mir an, mir meine Zukunft zu lesen. "Thank you, but I really don't believe in that.", ich versuche höflich zu klingen. Aber da ich nichts besseres vorhabe, stelle ich mich dann doch zu ihr an den Tresen und fragen sie über ihre Arbeit und ihr Leben in Hongkong aus. Das Taro-Karten-Lesen ist zwar eine "Tradition" aus dem Westen, aber mit ihr schon in der dritten Generation. Ihre Oma hat es ihr beigebracht. Wie sie es beschreibt, klingt es ein wenig so, als ob ihre abergläubigen Kunden einfach nur eine Therapiestunde bei ihr buchen.

Sie sei aber hauptberuflich Lehrerin. Jeden Morgen würde sie ins Heim gehen und ihrer Großmutter das Essen reichen, bevor sie dann Nachhilfe in einer Privatschule gibt. Interessanterweise würden sich dort Unterschiede im Lernen zeigen. Die Festland-Chinesen sind generell gut im Rechnen, aber abstraktere Textaufgaben würden ihre Mitschüler aus Hongkonger Familien besser lösen können. Möglicherweise ein Talent, das der Liberalismus hervorbringt, eine Ein-Partei-Diktatur weniger.

Ich habe nichts zu verlieren und eine erste Tarorunde kostet umgerechnet nur fünf Euro. Also komm, was sagt meine Zukunft denn so? Einiges in ihrer Analyse über mich ist erwartbar vage, manches aber auch überraschend präzise. Das eigentliche Talent von Wahrsagern ist eben die Menschenkenntnis. In zwei bis fünf Jahren jedenfalls hätte ich eine eigene Familie, auch schön. Ich frage nicht nach einer Geld-Zurück-Garantie. Unterhaltsam war es allemal und fünf Euro habe ich schon dämlicher versenkt.


Auf meiner ersten Wanderung überschätze ich mich wieder einmal klassisch. Nach einmonatiger Regenzeit in Vietnam bin ich die Hitze nicht mehr gewohnt und muss auf 300 Metern Höhe wieder absteigen. Eigentlich wollte ich auf den Berg Lantau, dem höchsten Punkt der gleichnamigen Insel. Aber ich schwitze aus jeder Pore, mein Akademie-Laufshirt ist klatschnass und meine Wasserflasche leer. Unten am Ufer sieht ein Café-Container einladend aus. Ein netter älterer Herr macht mir einen Eiskaffee und bringt mir Mittagessen und gratis eine Suppe dazu. Es wird gesagt, die Hongkonger wären unfreundlich. Das kann ich nicht bestätigen. Zumindest nicht mehr oder weniger als man es in einer Großstadt erwartet. Den Berlinern macht in Sachen Unhöflichkeit keiner was vor.Statt den kompletten Weg zu laufen, nehme ich die Seilbahn, um dann vom Touristenort Ngong Pong den Gipfel hochzuwandern. Von der Gondel aus sehe ich in Richtung Macau eine mehrere Kilometer lange Verkehrsbrücke, die auf beiden Seiten in der Mitte scheinbar im Meer verschwindet. Es ist ein Tunnel, der dafür gebaut wurde, dass auch größere Schiffe die Stelle passieren können, erklärt mir eine Hongkongerin. Für das Mega-Projekt, also Brücke und Tunnel, hat es keine 10 Jahre gebraucht.


Ins Casino Asiens Macau möchte ich nicht. Dafür bietet sich ein Kurztrip in die chinesische Grenzstadt Shenzhen an. Für 36 Stunden kann ich visafrei die Verwaltungszone besuchen. Der Schnellzug ab Hongkong braucht zwanzig Minuten.

In akribischer Vorbereitung habe ich die drei wichtigsten Apps heruntergeladen, die man in China zum Überleben braucht. Das chinesische Googlemaps "A-Maps", die Taxiapp "Didi" sowie "Alipay", das zum Bezahlen verwendet wird. Was ich nicht bedacht habe, ist, dass meine aktuelle SIM-Karte für Hongkong nicht auf dem Festland funktioniert. Ohne Internet bringen mir also alle meine Apps nicht. Bargeld ist in China nahezu abgeschafft und Kartenzahlung kann ich mit meiner EC- und MasterCard ebenso vergessen. Ohne funktionierendes Handy ist der Reisende des 21. Jahrhunderts orientierungslos, in China aber ist er völlig verloren.


Ich sitze resignierend am Vorplatz des Bahnhofs, der zusätzlich zu meinem Dilemma nicht der ist, den ich eigentlich für meinen Ankunftsbahnhof gehalten habe. Shenzhen Central ist zwanzig Minuten von meinem Hotel entfernt. Shenzhen North, wo ich mich gerade befinde, liegt etwa zwanzig Kilometer weiter. Ein junger Chinese setzt sich neben mich. Ob er Englisch könne, frage ich ihn und er nickt. Aber so wirklich verstehen kann er mich nicht. Meine Übersetzungsapp funktioniert offline nicht, mit seiner komme ich nicht klar. Zumindest kann er mir darüber die Frage stellen, ob er mir einen WLAN Hotspot geben soll. "Yes, please.", bitte ich ihn. Damit kann ich zumindest über "Didi" ein Taxi bestellen und es per Alipay bezahlen. Ich bedanke mich und laufe zum Abholpunkt, aber sehe auf dem Platz keine Straße, wo ein Taxi langfahren könnte. Wieder ohne Internet bin ich genauso aufgeschmissen wie vorher. Ein Familienvater, der mit Frau und Kindern zum Bahnhof läuft, sieht meine Verzweiflung und bietet in tadellosen Englisch seine Hilfe an. Genau in den Moment bekomme ich einen Anruf, der offensichtlich vom Taxifahrer stammt. Telefonieren funktioniert also, nur eben kein Internet. Der hilfsbereite Chinese übernimmt den Anruf, aber der Fahrer sagt wohl, dass er die Fahrt nicht machen kann. Ich bedanke mich trotzdem für die Hilfe.

Ich irre weiter im Areal umher und finde für einen Moment einen WLAN-Gastzugang. Damit suche ich per "A-Maps" eine Metroverbindung heraus. Am Schalter frage ich bei der Ticketverkäuferin wieder nach einem Hotspot fürs Internet und kann per "Alipay" bezahlen. Nervig, aber es klappt und ich erreiche zwei Stunden nach meiner Ankunft schließlich das Hotel.


Mit der gleichen Methode begleiche ich alle weiteren Ausgaben: Nach WLAN fragen und mit Alipay bezahlen. Im Restaurant fragt mich der Kellner, ob ich das Essen gerne scharf hätte. Ich mime mein übliches "Nee, lieber nicht"-Gesicht, das ich bei der Frage immer mache. Er tippt etwas in seine Übersetzungsapp: "A touch of spiciness?" Das passt. Einen Hauch von Schärfe vertrage ich natürlich, schon alleine wegen der schön klingenden Übersetzung.

Durch die Straßen laufend fallen mir zuerst die vielen E-Roller mit Sitz auf. Die Chinesen fahren mit einem Affenzahn damit auf den Fußwegen und man muss ständig aufpassen, nicht mal eben überfahren zu werden. Mehr als in Hongkong hätte ich erwartet, dass sich die Menschen in Festland-China an Regeln halten. Aber denkste. Den vielen Kameras zum Trotz gehen Leute ständig bei Rot. Männer wildpinkeln am Straßenrand an einen Stromkasten.


In einem Café lasse ich den Tag ausklingen. "Europe - Style - Simplicity - Nature" ist das Motto des Ladens. Zumindest steht es so auf der abgegriffenen Speisekarte. Auf dem Cover ist die Skyline von Istanbul abgebildet. Europa halt. Wenn die Chinesen eines können, dann Kopieren. Die Immitation eines generischen europäischen Cafés wirkt fast satirisch, ist aber ernstgemeint: Ganzjährige Weihnachtdeko, Plastikblumen, Ikea-Interieur und Wandtattoos mit abgedroschenen Kalendersprüchen. In einem Bilderrahmen steckt immer noch Druck des weißen Musterpaares. Das musste man gar nicht erst austauschen, schließlich sehen die westlich genug aus. An einer Wand hängen Portraits von Hollywood-Schauspielern. Gegenüber ein schwarz-weißes Bild einer Straßenszene in London. Allerdings spiegelverkehrt. Aber um fair zu sein - wenn stattdessen ein Bild von Peking auf links gedreht dort hängen würde, wäre mir das mit den ganzen Schriftzeichen ja auch nicht aufgefallen.


Auf der Suche nach einem Ort zum Frühstücken spaziere ich am Tag darauf nahe dem Hotel durch einen Park. Am Eingang lächelt der alte Parteiführer Deng Xiaoping von einem überlebensgroßen Propagandabild auf die Besucher des Parks herab. Es ist Samstag und die ganze Nachbarschaft ist auf den Beinen. Menschen machen Tai Chi, Gymnastikübungen, dehnen sich und klopfen sich mit der Faust aufs Herz und auf die Venen. Aus allen Richtungen her dringt Musik. Entweder alleine, im Duett oder im Chor spielen die Chinesen ihre traditionellen Geigen und singen ihre Volkslieder, manchmal nur im Abstand von zwanzig Metern. Eine fantastische Kakofonie. Bei einer Gruppe bestehend aus ein paar Musikern mit Streich- und Blasinstrumenten und zwanzig bis dreißig Passanten, die dazu singen, halte ich begeistert an und setze mich auf eine Bank. Die Menge singt aus vollster Lunge. Manche wippen dabei im Takt, andere machen ihre Klopf- und Dehnübungen. Ein alter Mann hat einen Stock in der Hand und demonstriert zwei jungen Frauen eine Kampftechnik. Gruppen unterhalten sich munter. Mütter mit ihren Kinderwägen und Rentner singen beim Vorbeilaufen mit. Es sind offenbar alte Lieder, die alle Generationen auswendig kennen. Die ganze Szene rührt mich. Der Park strahlt eine solche Harmonie und Lebendigkeit aus, dass ich mein bisheriges Bild von China auf einmal hinterfrage. Mir kommt die Erkenntnis, dass es bis jetzt viel zu sehr von Politik und Nachrichten dominiert war. Aber dabei habe ich zu sehr ausgeblendet, dass die Menschen nicht automatisch das Regime repräsentieren. China macht mir Angst, China macht mich neugierig. Beide Gefühle existieren nebeneinander. Ying und Yang.


Während ich so ergriffen in Gedanken bin, setzt sich eine alte Frau an die 90 mit ihrem Rollator neben mich. Sie summt leise mit und schielt in meine Richtung. Ob der Blick mir oder der Musik gilt, kann ich nicht sagen, aber ich fühle mich als einziger Fremder gleichzeitig ignoriert und als Teil des Ganzen.

Die alte Dame greift in ihren Rollator und ich halte verlegen den Deckel auf. Sie holt eine Mandarine heraus, schält sie und reicht mir eine Hälfte. "Do zei nei.", bedanke ich mich bei ihr. Sie winkt ab, aber ihr Blick ist gütig. Mit ein paar Sätzen in Deutsch, Englisch und Chinesisch zum Abschied reden wir mit unseren fremden Sprachen aneinander vorbei. Trotzdem schön, dass wir einige Worte und freundliche Blicke gewechselt haben, denke ich, als ich zurück zum Hotel laufe. Mit meiner halben Mandarine habe ich ja auch mein bescheidenes Frühstück in guter Gesellschaft gefunden.



Die Chungking-Mansion ist ein berühmt berüchtigter Wohnkomplex inmitten von Hongkongs Innenstadt. Unten sind Läden und günstige Restaurants aus den verschiedensten Ländern beheimatet. Darüber erstreckt sich über ca. zwanzig Etagen ein undurchsichtiges Labyrinth aus Gängen, Fahrstühlen und Treppenhäusern. Darin wiederum unzählige Hotels und Hostels, die aufgrund der günstigen Preise und möglicherweise auch ihrem zwielichtigem Ruf Backpacker aus aller Welt anziehen. Ich habe dort lediglich deshalb gebucht, weil wegen der Feiertage die Preise zu hoch sind. Ein Bett im Hostel bekommt man erst ab 50 Euro. Da kann ich mir auch für den gleichen Preis eine fensterlose Kammer in der Chungking-Mansion leisten, die wenigstens zentral gelegen ist. Auf die Nachteile eines Fensters muss ich dennoch nicht verzichten: Der Lüftungsschacht funktioniert wie ein Dosentelefon und so höre ich den Verkehr summen, Autos hupen und Motoren aufheulen.


Um in meine Zelle zu kommen, muss ich Schlange vor dem Lift stehen, denn nur zwei Fahrstühle führen im gesamten Gebäude hoch zu meinem Hotel. Das System ist völlig verwirrend. Die Fahrstühle fahren nur zu ausgewählten Etagen. Daher muss man vorher über eine Liste mit Apartmentbezeichnungen wie F3 oder A2-4 herausfinden, in welches der gleichklingenden Hostels und Hotels wie "Holiday Hotel", "Holiday Guesthouses" oder "German Hostel" und "Hotel Russia" der jeweilige Fahrstuhl fährt. Asterix und Obelix und der Passierschein A38 kommt mir in den Sinn.

Ich frage dreimal nach, ob und wo es eine Treppe gibt, denn der nepalesische Hotelbetreiber möchte es nicht für möglich halten, dass ich lieber sechs Stockwerke durch eines der stinkenden Treppenhäuser laufe als zehn Minuten auf den Fahrstuhl zu warten. Über den Gestank und die charakteristischen Schmutzflecken kann ich mich durch den Irrgarten aus Gängen und Treppen orientieren. Jedesmal wenn ich das "Boris Johnson is a wanker"-Graffiti passiere, weiß ich, dass ich nur noch zwei Etagen nach oben laufen muss.


Kawloon Walled City ist jetzt ein idyllischer Park. Noch in den 90er Jahren war es allerdings der dicht besiedeltste Ort der Welt. Ein Wohnkomplex gegenüber dem die Chungking-Mansion einem Luxusresort gleichkommt. Da die Chinesen das Areal der Kawloon Walled City rechtlich für sich beanspruchten, herrschte unter den Briten hier keine Gerichtsbarkeit. Und so trieben unter anderem die Triaden dort ihr Unwesen. Drogenhandel, Prostitution und "illegale" Zahnärzte, die im Rest von Hongkong keine Zulassung bekamen, machten die teilweise 14-geschossige Wohnanlage zu einem hoch frequentierten Mini-Stadtteil. Da die Briten ihr geliebtes Hongkong aber besenrein an China übergeben wollten, war 1993 Schluss mit lustig und die wilde Gebäudeansammlung wurde abgerissen.


Von der Kawloon Walled City führt ein Wanderweg hinauf zu den Bergen. Die Mittagssonne brennt mal wieder viel zu stark und als ich nach vielen Pausen im Schatten endlich den Bergkamm überschritten habe und auf einen Weg bergab einbiege, höre ich bekannte Geräusche von den Bäumen. Anders als auf Cham Island sind es diesmal Rhesusaffen, die sich von den Ästen um mich herum schwingen und sich genau vor mir auf den Weg fläzen. Ich erkenne sofort, dass sie keine Scheu vor mir haben und muss einen Umweg nehmen. Auf Warnschildern lerne ich später, dass ich damit alles richtig gemacht habe, denn bei falschem Verhalten können sich die Makaken durchaus provoziert fühlen und austicken. Auf dem Umweg nach unten wird mir mulmig bei dem Gedanken, dass auch meine geheimen Erzfeinde Schlangen auf der Halbinsel alles andere als eine Seltenheit sind. Neben Pythons würden sich kleine grüne Giftschlangen gerne mal in Wohngegenden verirren und Menschen beißen. Ein Reptil hat sogar im letzten Monat die Metro genommen, ohne dabei seine Octopuscard zu lösen.

Da sind mir doch meine Katzen lieber. Am Morgen vor meinem Abflug nach Taiwan setze ich mich in ein Katzencafé und lasse die letzte Woche Revue passieren. Es geht mir ähnlich wie dem Polizisten im Episodenfilm "Chungking Express", eine Referenz an den Gebäudekomplex. Der Hongkonger Cop trauert über eine verflossene Liebe, die zu früh endete. Ach Hongkong, wir zwei beiden, was aus uns hätte werden können...

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Allein
KulturellAbseits der PfadeEntspannend
  • Chungking Mansion
  • Kowloon Walled City Park
  • Wanderweg in die Berge
  • Rhesusaffen
  • Katzencafé
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