9. Cascata delle Marmore
Der Abschied von Terni fällt mir nicht schwer. Im 7. Jahrhundert von den Umbriern (einem antiken italienischen Volk gegründet), hat die Stadt zwar eine lange Geschichte, davon...


Veröffentlicht: 24.04.2025










Heute, liebe Freunde, soll es keinen Nervenkitzel geben, das ist mein Tagesziel. Ich verabschiede mich von dem netten Ehepaar und dem hilfsbereiten Hausherren, mit denen ich gestern einen fröhlichen Abend verbracht habe, und wandere zum Bahnhof im Marmore.
Was ich Euch damit erspart habe: 30 Kilometer steilen Aufstiegs und steilen und rutschigen Abstiegs, zudem ab Mittag zunehmende Regenneigung.
Ich plane also um, fahre mit dem Zug nach Rieti und mache aus einer großen Tour zwei kleine. Ich gehe rückwärts (bitte keine Panik, ich meine natürlich vorwärts, aber die Etappe im umgekehrter Reihenfolge).
Die Provinz Umbrien habe ich hiermit verlassen, es geht in Richtung Abruzzen und ins Latium. Das Rieti-Becken liegt fast 300 Meter höher, als das Terni-Becken. Bis zum Bau der Cascaden von Marmore und der Trockenlegung war es ein weitläufiges Sumpfgebiet. Auch die Landschaft hat nun ein neues Gesicht bekommen. Das Rieti-Becken ist auf drei Seiten mit Hügeln umschlossen. Die Briten erheben sich noch sanft. Die höchste Erhebung ist der Monte Terminillo (2217 m), ein Berg für den Skisport. Die Hügel rund im das Rieti-Becken sehen aus, als habe jemand viele kleine Sandhaufen aufgeworfen und bepflanzt.
Wie angekündigt, hat es am frühen Nachmittag geregnet, doch gegen Abend hat sich wieder die Sonne blicken lassen. In ihrem Licht haben die vielen Hügel ein wunderschönes Schattenspiel kreiert.
Wenn's heute schon keinen Nervenkitzel gibt, dann könnte es zur Abwechslung emotional werden. Ein Thema muss auf meiner Pilgerreise angesprochen werden: die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit. Immer wieder trifft man auf Situationen, wie heute am Bahnhof vom Marmore: die Sitzbank wurde mit einem Kissen und einer Überwurfdecke bequemer gestaltet. Auf dem Gesims hinter der Wartebank- Couch stehen noch unberührte Flaschen mit Getränken. Man könnte denken, man habe sich in ein Wohnzimmer verirrt.
Dazu passt meine heutige Unterkunft: eine kleine Herberge mit zwei winzigen Zimmerchen, die man gegen eine Spende nutzen kann. Essen steht bereit.
Das Ostello liegt hoch am Berg in San Felice all'Acqua. Daneben gibt es eine Kirche mit einer Quelle, deren Wasser man hier als "heiliges Wasser" bezeichnet. Ich füll damit meine Flaschen auf, kann nicht schaden Schmecken tut das Wasser aber sehr gut, ist schon mal was.
Läuft man als Pilgerin die Straße entlang, wird man auf dem Land immer wieder freundlich angesprochen, meist noch mit dem Zusatz "Buon Camino".
Sitzt man alleine am Tisch, kommt es immer wieder vor, dass man an den anderen Tisch gebeten wird. In Pilgerherbergen ist es ohnehin selbstversändlich, dass alle an einem Tisch sitzen. Gepflogenheiten dieser Art könnten durchaus auch für uns zur Blaupause dienen.
