Überlebt
Nach den vielen Nachtbussen, langen Nächten und Krankheiten kann ich mich nicht erinnern, in welcher Nacht ich mal wirklich sieben Stunden Schlaf bekommen habe. Der Wecker auf 5...

Veröffentlicht: 17.05.2024
Wir starten heute in den dritten Tag des Inka Trails und nach gestern kann es heute ja nur einfacher werden - ein Rest day also. Noch vor dem Frühstück sehen wir den Berg Pumasillo von der Morgensonne angestrahlt, einfach wundervoll!
Wir starten am Camp Chaquicocha um 06:45 Uhr und gehen erstmal ein Stück bergauf, aber längst nicht solche Treppen, wie wir sie gestern bestiegen haben. Nach kurzer Zeit schon sehen wir zu unserer Linken den Berg Salkantay mit einer erstaunlichen Höhe von 6.270m, schneebedeckt und von der Sonne angestrahlt. Entlang der bewachsenen Wege kommen wir immer wieder an Aussichtspunkten vorbei, die uns dank des Wetters unheimlich weit in die Tiefen der Anden blicken lassen. Dabei begleitet uns der mir schon aus Ecuador bekannte Klang des Regenwaldes. Das Gebiet, in dem wir uns befinden, hängt in einer feuchten Umgebung und Wolkendecke, die allerlei Pflanzen und Bäume wachsen lässt. Eine wohlverdiente Pause machen wir bei Phuyupatamarka auf 3.600 Höhenmeter. Gerade haben wir viel Glück mit dem Wetter und sehen von dort aus die gleichnamige archäologische Stätte Phuyupatamarka, Intipata und auch den Berg Machu Picchu. Bei mir fängt schon alles an zu kribbeln, da ich jetzt weiß, dass sich auf der anderen Seite dieses Berges die Stätte Machu Picchu befindet und ich am nächsten Tag endlich dort sein werde.
Ab jetzt beginnt der Abstieg, der sich bis zum Mittag ziehen wird, bis wir bei unserem Camp auf 2.650m ankommen. Zuerst schauen wir uns aber noch die Stätte Phuyupatamarka („Gebäude auf den Wolken“) an. Um was es sich genau handelt, ist unklar, aber die Gestaltung der Anlage lässt vermuten, dass die Inka diesen Ort für astronomische Beobachtungen nutzten. Während wir auf der Terasse dieser Stätte sitzen, erklärt uns Abelardo noch viel über die Inka und die Gesellschaften, die schon lange vor der Inka in den Anden lebten.
Der nächste Stopp ist Intipata („Terassen der Sonne“) auf 2.930m. Intipata besteht aus hunderten Terrassen, die von den Inka zum Anpflanzen von z.B. Mais, Yuka und Süßkartoffeln und zur Versorgung der Menschen in Machu Picchu verwendet wurden. Während wir auf den Rest unserer Gruppe warten, machen wir es uns auf einer der Terrassen bequem und nutzen die Zeit für eine kurze Siesta. Der letzte Teil der heutigen Wanderung dauert nur noch etwa 30 Minuten und führt zu unserem Camp Wiñaywayna. Nach dem Mittagessen besuchen wir noch die gleichnamige archäologische Stätte, die direkt neben unserem Camp liegt. Eine weitere Stätte voller Terrassen zum Anbau von Mais, Kartoffeln und anderen Lebensmitteln. Im oberen Teil von Wiñaywayna liegt noch ein Tempel, der, wie der Tempel am ersten Tag, dem Regenbogen gewidmet ist. Ebenso gibt es hier einen Brunnen, der beispielsweise für Rituale und Zeremonien benutzt wurde.
Ebenso sehen wir von hier aus den Inka Trail, mit dem man innerhalb von nur zwei Tagen zum Machu Picchu wandern kann. Hierzu erfahren wir, dass die Inka nie Wege im Zick-Zack-Muster erbauten. Wenn der Aufstieg durch Treppen nicht möglich ist, führte der Weg eben auch um die andere Seite des Berges, um hinauf zu gelangen. Ein Grund dafür könnte die generell erhöhte Erdrutschgefahr in den Anden sein, die durch zu viele Wege an einem Ort nicht erhöht werden sollte. Seit dem zweiten Tag laufen wir schon auf dem „Camino Inka“ und lernen jetzt, dass es fast 60.000km von Inka Trails gibt. Natürlich führen nicht alle zu Machu Picchu so wie der unsere, aber die Inka verbreiteten sich so weit über Südamerika, dass man sogar in Chile und an der Küste Brasiliens Teile der Inka-Pfade laufen kann. Auch wenn es nie Teil des Inka-Reichs gewesen ist, wurden dort Inka-Relikte gefunden, die zeigen, dass die Inka zumindest dort gewesen sind. Vermutet wird, dass die Inka im Osten nach der Sonne gesucht haben und so von Cusco durch die Anden, den Regenwald immer weiter liefen, bis sie schließlich am Atlantik ankamen. Vielleicht laufe ich dort ja nochmal einen Inka Trail, wenn ich nach Brasilien reise, um das nächste Weltwunder abzuhaken.
Nachdem wir Wiñaywayna erkundet haben, haben wir noch etwas freie Zeit. Hier im Camp gibt es neben der sonst warmen Schüssel Wasser erstmals wieder Duschen, die so kalt sind, dass ich es direkt bereue. Aber morgen geht es ja schließlich zum Machu Picchu und danach wieder in die Zivilisation zurück, also war es das wert. Nach dem Tee und Abendessen bedanken wir uns noch bei der Crew, die uns die letzten Tage begleitet und versorgt hat. Zwar bekommen wir morgen noch Frühstück, dann müssen sie aber auf direktem Weg nach Aguas Calientes, um den Zug zurück nach Ollantaytambo und dann den Bus zurück nach Cusco zu nehmen.
Heute heißt es also wieder früh schlafen, damit wir morgen früh aufstehen können.
Aktivitätsstatistik heute: 10km, 1000 Höhenmeter runter, 18k Schritte.
Und ich kann es schon kaum erwarten, den Blogbeitrag für morgen zu schreiben!
