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Der Tag danach

Veröffentlicht: 17.05.2024

Nach der kurzen Nacht muss es trotzdem weitergehen, auch wenn jede Bewegung schmerzt und schwerfällt - hier bleiben ist keine Option. Also schleppe ich mich mit Michelle zum Hauptplatz von Yanque, wo wir von unserer Gruppe abgeholt werden. Scheinbar sieht man mir meine Situation schon an, denn unser Guide nimmt mir direkt meine Sachen ab und setzt mich in den Bus - scheinbar hat er etwas, das mir hilft. Er nimmt eine Plastikflasche zur Hand, in der sich eine Alkoholmischung befindet, nässt seine Hände und hält sie mir um die Nase. Den Alkohol soll ich nun mehrmals tief einatmen, wobei meine Augen anfangen zu tränen, und danach reibt er mir die Flüssigkeit noch an die Schläfen und meinen ganzen Kopf. Was das genau war, kann ich nicht sagen, aber ich bin froh, dass ich die ersten zwei Stunden im Bus wie ausgeknockt schlafen kann. Wir kommen im Colca-Tal an einigen Inka-Terrassen vorbei, bei denen ich auch kurz aussteige, um frische Luft zu schnappen und ein Foto zu machen. Danach schlafe ich weiter. Als wir schließlich zum Aussichtspunkt der Kondore kommen, fühle ich mich zwar immernoch schwach, aber ich stelle mich trotzdem an den Aussichtspunkt und wir warten. Zuerst sehen wir nur zwei Kondore in der Ferne durch das Tal fliegen, nur wenige Minuten später aber versammeln sich gleich drei an einem Felsen in der Nähe und es sind bestimmt acht Kondore, die ihre Kreise nah bei und über uns ziehen. Es ist erstaunlich, wie groß die „Vögel der Anden“ sind und wie ruhig und friedlich sie durch die Luft schweben.

Nach diesem Gewinn versuche ich mein Glück, das erste Mal wieder etwas zu essen und ich bin bei einer halben Banane erfolgreich. Sogar ein paar Schlücke warmes Wasser schaffe ich.

Die weitere Fahrt nutze ich wieder zum Schlafen, bis wir beim Lunch ankommen. Hier esse ich den zweiten Teil meiner Banane und nutze das WLAN zur weiteren Planung. Sich in dieser Verfassung morgen acht Stunden in einen Bus zu setzen, um drei Stunden Boot auf dem Titicacasee zu fahren, um danach im Nachtbus weitere acht Stunden nach Cusco zu fahren, macht einfach keinen Sinn. So schwer es mir fällt, dann muss ich den Titicacasee wohl aus Bolivien bereisen - so ist das Leben. Ich storniere also die Busfahrten, die Bootstour, buche mir eine weitere Unterkunft in Arequipa und einen Flug nach Cusco.

Nach einem weiteren Nickerchen im Bus wache ich in Maca wieder auf; einem kleinen Ort im Colca-Tal, bei dem wir eine Abwandlung des Pisco Sour probieren sollen: den Colca Sour. Dieser wird natürlich mit Pisco aus dem Colca-Tal zubereitet und statt Zitrone wird Sancayo, eine lokale Art der Kaktusfeige, verwendet. Ich traue mich nach der letzten Nacht definitiv nicht an den Cocktail, aber den Saft der Sancayo probiere ich - sauer, trotzdem süß und sehr erfrischend. Auf dem kleinen Marktplatz in Maca sehe ich dann meine Heilung: Das Baby Alpaka Michaela. Sie ist zwei Wochen alt und bunt geschmückt. Ich darf sie auf den Schoß nehmen, ihr weiches Fell berühren und plötzlich sind alle Sorgen wie weggeblasen.

Leider stimmte das nicht ganz, während der gesamten Rückfahrt nach Arequipa schlafe ich weiter, aber ich bin doch froh und sehr überrascht, dass ich den Tag ohne Rückfälle überstanden habe.

Am Abend in Arequipa mache ich mit Michelle noch einen kurzen Spaziergang, bevor wir uns verabschieden und mich im Hostel ausruhe. 

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