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Gunung Ijen - Banyuwangi

Veröffentlicht: 25.03.2023

Unser letzter Stop auf Java war Banyuwangi und von dort aus planten wir eine Tour zu dem Gunung Ijen als passenden Abschluss unserer Reise auf der Insel der Vulkane. Bei der Ankunft wurden wir von unserem Gastgeber abgeholt und in das wunderschöne Homestay gebracht. Unser Zimmer war super, aber das wahre Highlight war das offene Bad mit einer Dusche inmitten der Pflanzen! Wir reservierten uns zwei Plätze für die Tour zum Ijen-Krater für die übernächste Nacht und verbrachten den nächsten Tag in der Stadt Banyuwangi. Es gibt dort viele Wandmalereien, was uns an Malaysia erinnerte und außerdem eine Reihe kunterbunter Häuser entlang des - leider mal wieder - super dreckigen Flusses. Nachdem wir uns mit Snacks für die kommende Tour eingedeckt und unseren wirklich klapprigen Roller abgegeben hatten, wollten wir früh ins Bett, denn die Vulkantour startet mitten in der Nacht. Leider hielt die Moschee direkt in der Nebenstraße mit wirklich vielen großen Lautsprechern nicht so viel von unserem Plan und posaunte fröhlich die Koranverse in unsere Öhrchen. Besonders Philip trieb das ganz dezent in den Wahnsinn. Um halb 2 klingelte unser Wecker und praktischerweise auch wieder die Moschee, sodass wir auch sicher nicht verschlafen konnten 😉 Zuerst ging es mit dem Auto in rasantem Tempo zu dem ca. 1 Stunde entfernten Fuß des Vulkans. Dort trafen wir die restlichen Mitglieder unserer Wandertruppe, allesamt Deutsche bis auf einen Balinesen, alle in unserem Alter und sehr nett. Zusammen mit unserem Guide und einigen anderen Wandergruppen machten wir uns mit Kopflampen auf die 3,5km lange, teilweise wirklich steile Strecke. Über uns lag der klare Sternenhimmel und man konnte sogar die Milchstraße sehen. Schon im Vorfeld wurde uns gesagt, dass man leider das einzigartige „blaue Feuer“ nicht sehen kann, welches entsteht, wenn der Schwefel mit Sauerstoff in Kontakt kommt und nur nachts sichtbar ist. Da der Vulkan seit 2 Monaten am ausbrechen ist, was in dem Fall des Ijen vermehrte Bildung von Schwefeldämpfen bedeutet, ist es verboten wie sonst bei der Tour in den Krater hinabzusteigen, wo man das Feuer sehen würde. Um zu verhindern, dass Leute trotz des Verbotes hinunter laufen werden die Eingangstore am Fuß des Berges erst um 4Uhr geöffnet und man schafft es nicht rechtzeitig zum Krater bevor es hell wird. Wir sahen also „nur“ den Sonnenaufgang während der Wanderung und den Kratersee von oben. Die Landschaft war wunderschön und skurril zugleich, da an einigen Stellen der giftgelbe Schwefel lag. Im Krater wird nämlich Schwefel abgebaut, von Hand ohne adäquate Schutzkleidung und ohne maschinelle Hilfe. Die Arbeiter riskieren dort täglich ihre Gesundheit für einen Hungerlohn. Unser Guide selbst erzählte uns, dass er 10 Jahre lang im Krater gearbeitet habe, seit 7 Jahren macht er die Touren. „That‘s better“, da hat er wohl recht. Die Arbeiter fangen früh morgens an und klopfen den Schwefel ab, nachdem er an den Rohren aus denen der Dampf kommt kondensiert und dann aushärtet. Sie laden so viel sie schaffen in zwei Körbe, die mit einer Holzlatte verbunden dann auf den Schultern nach oben geschleppt werden. Im Durchschnitt sind das 70kg, was Philip probieren durfte hochzuheben. Da er eine absolute Maschine ist, schaffte er das natürlich problemlos 😉 Aber das ganze dann 3-4x hintereinander vom See zum Kraterrand hochzuschleppen und das auch noch im Dampf teilweise ohne Gasmasken, das ist natürlich eine andere Hausnummer. Nach der letzten Fuhre wird der Schwefel dann auf Karren verladen und nach unten zum Wiegen gebracht, abgerechnet wird pro Kilogramm und das ist wirklich nicht viel Geld, vor allem gemessen an der Anstrengung der Arbeit. Es war ein seltsames Gefühl in so einer Umgebung als Tourist neben den Arbeitern zu laufen, diese waren immer freundlich lächelnd und verkauften nebenher noch geschnitzte Figürchen aus Schwefel. Wir liefen noch ein Stück weiter und blickten von noch weiter oben auf den türkisfarbenen See, welcher so unschuldig aussieht aber mit einem pH von nur 0,3 Batteriesäure entspricht und als der sauerste See der Welt gilt. Oben kam dann auch richtig die Sonne raus und es gab Tee und Snacks für uns - nicht für unseren Guide, der fastete nämlich wegen des Ramadan. Nach der Pause machten wir uns wieder auf den Weg nach unten, bekamen des Öfteren angeboten mit dem Karren (der mit Polstern ausgebaut wurde) heruntergebracht zu werden - hier wird aus allem ein Geschäft gemacht. Wahrscheinlich ist es lukrativer als Schwefel zu schleppen und gesünder sowieso. Zurück in unserer Unterkunft gab es wieder ein gutes Frühstück mit Rührei und frischem Obst, das nach den Strapazen besonders schnell verputzt war. Der geplante Powernap wurde, sehr zu Philips Verdruss, mal wieder durch einen inbrünstig geschmetterten Koranvers sabotiert und wir machten uns zügig auf zur Fähre, die uns in das schöne - und hinduistische - Bali bringen soll.

Der Ijen-Vulkan war ganz anders als der Bromo aber genauso interessant. Durch den Schwefelabbau, welcher mit Sicherheit einer der härtesten Jobs der Welt ist, mit einer bittersüßen Note.

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