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Cusco

Veröffentlicht: 18.07.2023

Nach einer weitestgehend angenehmen Fahrt - vor allem für Jana, die dank Vomex und geringer Körpergröße sehr gut geschlafen hatte, für Philip sind die Sitze etwas kurz - kamen wir morgens in Cusco an. Die Stadt gefiel uns auf Anhieb super gut, sie ist umrahmt von Hügeln und kriecht die Anstiege hoch - insgesamt gibt es 700.000 Einwohner! Die Gässchen sind super eng, sodass die Autos kaum durchkommen, überall sind Pflastersteine und alte Inkamauern. Und wenn wir dachten Valparaíso sei steil und anstrengend gewesen, wurden wir hier auf 3400m eines Besseren belehrt. Außerdem war hier alles anlässlich des Ende Juli stattfindenden „Día de Cusco“ und „Día de Perú“ mit vielen Fahnen geschmückt. Am ersten Tag liefen wir etwas über den schönen Plaza de Armas und den Souvenirmarkt, bis Jana wieder Übelkeit und Bauchschmerzen bekam.


Am nächsten Tag hatten wir uns wieder einmal für eine Free Walking Tour angemeldet, die super interessant war. Leider musste Jana in der Hälfte abbrechen und zurück ins Hotel. Die nächsten zwei Tage verbrachte sie dann hauptsächlich im Bett, sodass Philip die Stadt erstmal alleine erkundete. Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches, das sich vom Süden Kolumbiens über Ecuador, Peru und Bolivien bis zum Norden Chiles und Argentiniens erstreckte. Und so gibt es in Cusco ziemlich viele wichtige Orte und gut erhaltene Bauwerke der Inka. Außerdem ist Cusco voller schöner Restaurants, Cafés, Souvenirläden und Plätzen - Philip wurde es also nicht langweilig 😉 Die Form der Stadt wurde von den Inka mithilfe von Wasserkanälen akribisch genau geplant, sie sollte nämlich einen Puma darstellen - das heilige Tier der Gegenwart und Erde. Nachdem Jana sich wieder etwas besser fühlte guckten wir uns abends eines der hier wohl regelmäßig stattfindenden Straßenfeste an, alle Schulklassen waren verkleidet und führten verschiedene traditionelle Tänze auf.


Mit perfektem Timing war Jana pünktlich am Mittwoch wieder vollends hergestellt, der Tag für den wir schon weit im Voraus unsere Tickets für Machu Picchu gebucht hatten. Halleluja, das wäre sonst echt unschön geworden 😅 Morgens ging es mit einem Minibus zum Bahnhof in Ollantaytambo, von wo aus der zugegebenermaßen sehr tourilastige Zug zum Dorf von Machu Picchu abfuhr. Der Zug war richtig schön und während der Fahrt wurde ein sehr schnulziges Liebesdrama, das angeblich während der Inkazeit in Machu Picchu stattgefunden haben soll, aufgeführt. Nichtsdestotrotz hatten wir eine schöne Anreise, die Landschaft durch die wir fuhren war toll, es ging nämlich Stück für Stück in den Regenwald. Von dem Örtchen „Aguas Calientes“ - zu deutsch „Heiße Gewässer“, wegen der warmen Quellen, die es hier dank der mittlerweile erloschenen Vulkanen gibt - fuhren wir mit unserem Guide, den wir uns unterwegs angelacht hatten, hoch zu der berühmten Inkastätte. Machu Picchu ist Quechua, bedeutet „Alter Berg“ und liegt auf 2400m. In engen Serpentinenkurven schlängelte sich der Bus hinauf. Machu Picchu diente den Inka als Sommerresidenz, da es ein angenehmeres Klima als Cusco hatte und wirklich eine atemberaubende Aussicht bietet. Diesen Luxus konnten sich schon damals aber nur die Reichen und Schönen leisten und so lebte hier hauptsächlich die Königsfamilie und ihre Bediensteten, sowie ein paar Priester. Das Ganze hat bis heute eine mystische Aura, die umliegenden Berge sind beeindruckend hoch und sehen gleichzeitig durch den dichten Regenwald ganz sanft aus. Wir konnten gut verstehen, dass der König den Ort zu seinem Urlaubsdomizil auserkoren hatte. Außerdem hielten die Inka den Ort für sehr heilig, da in ihrem Glauben Gott in allen Elementen der Natur und vor allem in den Spitzen der Berge, den „Apus“, sitzt. Und von denen gab es hier reichlich. Unser Guide führte uns etwas in den Glauben der Inka ein, wir sollten uns für eine kurze Zeit hinsetzen, die Augen schließen und einfach nur auf den Wind, die Sonne und die Geräusche um uns herum achten. Danach liefen wir durch die Ruinen der Stadt, wo die Inka einmal mehr ihre ausgeklügelte Baukunst unter Beweis gestellt hatten. Die Steine wurden teilweise mit Lehm aber oft auch direkt aufeinander gestapelt, absolut akkurat und so verwinkelt, dass die Mauern bis heute einigen Erdbeben standgehalten haben. Ein weiteres Handwerk, das die Inka beherrschten und was sie so erfolgreich machte, war die Landwirtschaft. Hiervon zeugten die zahlreichen Steinterrassen, die wir von oben bestaunen konnten und die durch ein eigens entwickeltes Kanalsystem bewässert wurden - welches bis heute noch funktioniert! Das Volk war außerdem sehr gut in der Astronomie und huldigte den Sternen, dem Mond, dem Blitz, dem Regenbogen und an oberster Stelle der Sonne. So findet man in Machu Picchu auch einen Tempel, der der Sonne gewidmet wurde. Da es Nachmittag war, waren die befürchteten Touristenmassen schon durchgeschleust und wir waren mit 3 Lamas und wenigen anderen Touristen am Ende fast ganz alleine. Nachdem wir uns von unserem Guide verabschiedet hatten, liefen wir den Weg nach Aguas Calientes zu Fuß durch den Dschungel und wurden dabei leider etwas verstochen - Moskitos waren wir schon gar nicht mehr gewöhnt 😅 Danach ging es wieder mit Zug, inklusive Happy End des Liebesdramas, und dem Minibus zurück nach Cusco, wo wir müde und glücklich ins Bett fielen.


Am nächsten Tag wollten wir uns die Inkastätten in Cusco selbst näher anschauen. Am Eingang zum Nationalpark trafen wir auf Annel, eine junge Touristenführerin, die uns wirklich ALLES erklären konnte. Sie hatte neben den verpflichtenden 3 Jahren Tourismus auch 5 Jahre Anthropologie studiert und war ein wandelndes Lexikon. Zuerst besuchten wir Sacsayhuaman, eine riesige Anlage, die gleichzeitig den Kopf des Pumas von Cusco darstellt. Es war ein großer Tempel, der gebaut wurde, damit alle Untertanen der Inka von allen möglichen Völkern genug Platz hatten den Göttern der Inka sowie ihren eigenen individuellen Idolen zu huldigen. Der ursprüngliche Tempel war nämlich zu klein geworden, nachdem das Reich der Inka stetig größer wurde. Zuerst liefen wir durch einen unterirdischen Tunnel, von dem vermutlich ein ganzes Netzwerk existiert, das es den Inka ermöglichte von der Küste bis nach Cusco Waren zu transportieren. Da man jedoch nicht genau weiß, welcher Tunnel wohin führt und die peruanischen Forscher nicht über die nötige Technik verfügen, sind die meisten Wege unentdeckt. Der Tunnel war trotz seiner Kürze extrem dunkel, sodass man sich nur voran tasten konnte und machte uns klar, wie schwierig es ist sich in diesem Tunnelsystem ohne Plan zurecht zu finden. Der Grund, dass es kaum oder keine ausländischen Forscher hier gibt, die die nötigen finanziellen und technischen Mittel hätten, ergibt sich aus der Vergangenheit. So hat zum Beispiel die Uni Yale über 2000 Relikte aus Machu Picchu vor etlichen Jahren zu Forschungszwecken in die USA mitgenommen und bis heute nicht zurück gegeben. Seitdem sei die peruanische Regierung vorsichtig und erforsche lieber alles selbst, auch wenn das bedeutet, dass sie nicht gut voran kommen. Annel erklärte außerdem, dass der sagenumwobene Inkaschatz, der in einigen Abenteurerfilmen vorkommt, auch irgendwo da unten liegen könnte - wir werden es vielleicht nie erfahren. Anschließend zeigte Annel uns vier verschiedene Bauten und Formationen, die den großen Himmelsphänomenen gewidmet wurden. Erst eine große runde Fläche, die früher einmal mit Wasser geflutet war und wie ein riesiger Spiegel bei Nacht den Sternenhimmel reflektierte. Danach einen regenbogenförmigen Felsen und eine im Zick-Zack-Muster angelegte Steinmauer, die dem Blitz nachempfunden war. Zu guter Letzt eine runde Steinmauer, die früher einmal ein hoher Turm gewesen und der Sonne gewidmet war. Zusammen mit einem dazugehörigen Mondtempel, den wir nicht besuchten, waren wieder die 5 Elemente vereint. Annel erklärte uns, dass die Inka grundsätzlich ein duales Denken hatten, alles war kongruent und ergänzte sich, wie z.B. die rechte und die linke Hand, Mann und Frau, Mond und Sonne, wobei die Sonne immer einzeln betrachtet als das wichtigste Element galt. Deshalb gilt es wohl auch als gesichert, dass die Inka nicht nur 3 sondern 4 heilige Tiere verehrten. Wie schon vorher gelernt, die Schlange für die Unterwelt, der Puma für die Erde, der Condor für den Himmel und zusätzlich der Kolibri, als Botschafter zu den Sternen. Aber auch andere Tiere wurden verehrt, was man an in die Mauern eingearbeiteten Formen erkennen konnte. Früher waren diese wahrscheinlich mit Gold und Silber verziert, zwei Edelmetalle von denen die Inka mehr als genug hatten und was sie wahrscheinlich so interessant für die Conquistadores aus Spanien machte. Annel erklärte uns, wie es zum Sieg der Spanier über die Hochkultur der Inka kam, denn Sacsayhuaman war einer der Schauplätze der erbitterten Kämpfe. Neben all der interessanten Geschichte blieb der Spaß nicht auf der Strecke, wir durften einen Fels herunter rutschen, der den Inkakindern früher schon als Freizeitbeschäftigung gedient hatte.

Anschließend besuchten wir noch einen der Orte, an denen die Verstorbenen mumifiziert wurden. Danach zeigte Annel uns eine der Stätten, in denen die männlichen Jugendlichen auf ihre Fertigkeiten in u.a. der Landwirtschaft und im Kampf geprüft wurden. Es gibt die Theorie, dass die Besten zur weiteren Ausbildung nach Machu Picchu geschickt wurden und auch nur die erfolgreichsten Absolventen die „besten“ Frauen abbekamen - die sich durch besonderes Geschick beim Weben auszeichneten. Später erfuhren wir, dass es auch deutlich primitivere Methoden gab, sich seine Auserwählte als Ehefrau zu sichern. So konnte man auch einfach eine Kartoffel werfen, traf sie den Kopf und die Frau wurde ohnmächtig galt das quasi als Vermählung 😄 Als letztes besuchten wir eine der Ruhestätten, die die Handelsleute auf ihren weiten Reisen aufsuchten, um sich zu erholen und zu essen. Da das Inkareich so weitläufig war und trotzdem alle Völker ihre Idole in Saksaywaman verehrten bzw. auch der Handel zwischen den weit entfernten Gebieten stattfand, waren solche Ruhestätten bestimmt sehr beliebt. Dort befand sich auch ein Brunnen, bei dem man nicht ganz genau erklären kann woher er das Wasser bezieht. Der nahegelegene Fluss ist meistens ausgetrocknet. So wird vermutet, dass der besondere Stein, aus dem der Brunnen gebaut ist, das Wasser aus der Regenzeit speichern kann und in der Trockenzeit freigibt. Aus einer gemeinsamen Quelle, die den einzigen singulären Gott der Schöpfung darstellt, entstehen zwei Quellen, die für Mann und Frau stehen. Früher dachte man, wenn ein bislang kinderloses Paar das Wasser trinke, die Frau mit der einen und der Mann mit der anderen Hand, würde ihnen eine fruchtbare Zukunft beschert. Zum Abschluss fuhren wir zu dem imposanten „weißen Christus“, den arabische Mitbewohner den Cusceños gespendet hatten, um ihre Gunst beizubehalten. Dieser thront über der Stadt und breitet die Arme aus, um die Einwohner zu schützen. Anschließend gingen wir mit brummendem Schädel nach Hause, so viele Stunden auf spanisch über die Hochkultur der Inka war dann doch ganz schön anstrengend 😄


Am nächsten Tag hatten wir uns wieder mit Annel verabredet, um den wichtigsten Tempel der Inka, den Qorikancha in Cusco zu besichtigen. Auch dieser ist wieder den 5 Himmelselementen gewidmet, mit dem Hauptaugenmerk auf der Sonne, weshalb man ihn auch Sonnentempel nennt. Nachdem die Spanier 1532 in Cajamarca im Norden Perus ankamen nahmen sie dort den Inkakönig Atahualpa gefangen und richteten ihn ein Jahr später hin. So begann nach und nach der Untergang des Inkareiches und die Spanier versuchten den christlichen Glauben zu etablieren. Deshalb sieht man in ganz Cusco und auch am Sonnentempel, wie die Kolonialbauten einfach auf die Inkamauern drauf gesetzt wurden. So kamen wir auch nicht umhin, uns einige hochkatholische Gemälde anzuschauen, die extra dafür gezeichnet wurden, dass die Inka diese Religion verinnerlichen sollten. Die Zerstörung des Inkastaates gelang, die Inkakultur bleibt jedoch bis heute erhalten.


Unseren letzten Tag verbrachten wir ganz entspannt in einem Museum und anschließend bei unserem neu entdeckten Restaurant, wo wir uns allein unter Peruanern für stolze 2 Euro satt aßen. Nachmittags ging es dann auf unsere nächste lange Busreise, als nächstes geht es für uns in das kleine Städtchen Nasca, wo man mysteriöse Linien von der Luft aus beobachten kann.

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