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Aus einer Transsib-Reise von hier nach Peking wurde eine Interrail-Tour durch Osteuropa :)

Amorgos - die kleine Kyklade auf dem aufsteigenden Ast (22. Stop)

Der starke Wind beschert uns starken Seegang während der Fahrt, sodass wir mit über einer Stunde Verspätung in Aegiali ankommen. Amorgos ist die östlichste Insel der Kykladen und hat ca. 2000 Einwohner. Es gibt Belege, dass Amorgos schon im 3. Jahrtausend v.Chr. besiedelt war und zu einem der wichtigsten Handelsstützpunkte zählte. Die Insel ist auf der ganzen Länge von einer Gebirgskette durchzogen, die an der Südostküste steil ins Meer abfällt. Im Nordosten liegt ein schwer zugängliches Felsengebirge, wogegen der Inselwesten mit mehreren kleinen Schluchten in Buchten mit Sandstränden bestückt ist. Nur in den Küstenebenen von Aegiali und Katapola ist der Anbau von Feldfrüchten und Olivenbaumkulturen möglich. Amorgos ist eine wasserarme Insel. Die Wasserläufe der Insel führen nur periodisch Wasser, während des Sommers trocknen die Bäche aus.

Am Hafen werden wir gleich von unserem Hotel abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Wir bekommen ein wunderschönes Zimmer mit Balkon und Meerblick. Beim Verlassen des Zimmers fällt der Blick sofort auf den imposant aufregenden Berg. Nur 2 Minuten zu Fuß entfernt liegt der lange Stadtstrand. Die Gelegenheit einer schönen und ausgestatteten Küche wollen wir nutzen und endlich mal wieder was kochen. Wir spazieren deswegen am Strand entlang Richtung Hafen. Weil die Insel nicht so groß ist und ein paar versteckte Orte besitzt, wollen wir außerdem ein kleines Auto mieten. Wir klappern mal wieder ein paar Car Rental ab, bis wir einen kleinen Suzuki für übermorgen organisieren können. Diesen dürfen wir in Katapola wieder abgeben, wo unsere Fähre zurück zum Festland startet. Dann decken wir uns mit Nudeln, Gemüse und vor allem Oliven ein. Danach gehen wir zurück, um uns leckere Pasta zu kochen. Wir wollen uns beeilen, damit wir beim Essen den Sonnenuntergang von unserem Balkon genießen können. Der Plan geht auf und wir haben ein schönes romantisches Dinner. Wir gehen früh ins Bett, weil wir die letzten Nächte nicht so viel geschlafen haben.

Auch den nächsten Tag haben wir uns nicht viel vorgenommen. Wir wollen den Tag am nahe gelegenen Strand verbringen und nur am Abend zwei Dörfer in der Nähe besichtigen. Mit unserem Hotel haben wir einen richtigen Glücksgriff gelandet, weil wir dadurch auch in den Genuss von zwei kostenlosen Liegen in einer Strandbar kommen. Dort machen wir es uns den Tag über gemütlich. Das Wasser ist türkisblau (keine Überraschung mehr) und die Wellen sind erstaunlich hoch. Das treibt vor allem viele Kinder und Jugendliche ins Wasser, die uns durch ihr fröhliches Geschrei manches Mal umsehen lassen. Auch wir haben Spaß an den Wellen, die einen regelrecht mit ins Meer ziehen. Allerdings weht der Wind am diesem Tag sehr stark und kühl, sodass wir sogar nur einmal ins Meer gehen. Ansonsten rücken wir dem Schatten hinterher, lesen oder schlürfen Smoothie/kalte Schokolade. Zudem ist mal wieder eine Partie Phase 10 fällig. So gehen die Stunden am Strand recht schnell vorüber.
Ab 18 Uhr können wir unseren Mietwagen abholen. Als wir ankommen, vertröstet uns der Besitzer allerdings mit der Erklärung, er müsse erst Abendessen und dann das Auto holen. Da er sich aber durch potentielle Neukunden ablenken lässt, wird das mit dem Essen eh nichts mehr. Er holt uns also auch unseren kleinen Suzuki. Dann kann's endlich losgehen. Wir steuern zuerst Tholaria an und schlängeln uns in wenigen Serpentinen hoch. Tholaria gehört zur Ortschaft Aegiali, die insgesamt etwa 500 Einwohner besitzt. Es ist ein süßes Dorf mit netten kleinen Gassen und Tavernen. Es gefällt uns sehr gut. Danach machen wir uns auf zum nächsten Dorf, Lagadha, was auch zu Aegiali gehört. Dieser kleine Ort wurde uns auch schon in Syros empfohlen. Wieder finden wir kleine nette Gässchen mit Blumenranken und Tavernen. Besonders hübsch fallen uns hier auch die Bodenbemalungen auf. Wir suchen uns eine Taverna, von deren Dachterasse aus wir hinunter ins Tal und auf den Sonnenuntergang sehen können. Wir essen Imam (gefüllte Aubergine mit Tomaten, Zwiebeln und Fetakäse) und einen Kichererbseneintopf. Dazu trinken wir amorginischen Wein, der uns allerdings nicht so gut schmeckt. Er hat schon eine gelbliche Färbung und schmeckt etwas säuerlich. Für 4,50€ für einen halben Liter war's aber ok XD. Die Sonne geht langsam hinter dem Berg unter, auf dem Tholaria liegt. Ein weiterer unvergesslicher Sonnenuntergang. Zur Krönung bekommen wir auch noch einen Raki auf's Haus. Wir kurven die Serpentinen wieder nach Aegiali runter.

Am nächsten Morgen wollen wir früh los, um noch möglichst viel entdecken zu können. Es gibt nur eine große Straße, die einmal über die Insel führt. Unser erstes Ziel ist die Hauptstadt Chora. Der Weg dorthin führt uns an der schönen Insel Nikouria vorbei. Generell fahren wir durch sehr karge Landschaft und entdecken die ersten Ziegen am Straßenrand. Zusammen mit den dazugehörigen Ortschaften hat Chora gut 400 Einwohner. Es ist ein mittelalterlicher Bergort, der auf 400m liegt und von Windmühlen umgeben ist. Schon als wir aus dem Auto steigen, werden wir vom Wind fast umgeweht. Hier muss man wirklich bei jedem Schritt gegen den Wind ankämpfen. Deswegen begeben wir uns schnell in den Dorfkern, wo es etwas windgeschützter ist. Außer den uns jetzt schon wohlbekannten netten Gassen und weiß-blauen Häusern kann man noch Windmühlen und die Überbleibsel einer alten venezianischen Burg aus dem 13. Jahrhundert besichtigen. Allerdings ist uns auch an diesen exponierten Stellen der Wind zu stark. Wir wurden im Hotel schon vorgewarnt, dass es in Chora oft sehr kühl und windig ist. Das es uns allerdings fast weg fegt, hat uns keiner gesagt. Etwas aus der Puste setzen wir uns wieder ins Auto und fahren Richtung Kloster.
Das byzantinische Kloster Chosowiotissa liegt etwa 5 Minuten von Chora entfernt uns ist eine Schlüsselattraktion in Amorgos. Es liegt nahe am Meer und ist auf 300m Höhe hoch gegen die Steinfelsen gebaut. Über mehr als 300 Stufen kommt man vom Parkplatz zum perlweißen Gebäude (hier war es übrigens windstill). Der Besuch des Klosters ist kostenlos. Besonders cool finden wir die innere Wand, die einfach Fels geblieben ist. Ganz in der Nähe liegt der Agia Anna Strand, der vor allem seit dem Film "The Big Blue" (Im Rausch der Tiefe) von Luc Besson sehr bekannt ist. Er zeichnet sich vor allem durch die Lage am Fuße der steilen Felsklippen sowie durch den Sandkieselstrand und das türkise Wasser aus. Der Strand ist nach der nahegelegenen kleinen Kapelle benannt.
Wir machen uns weiter auf den Weg zum Paradisia Beach. Von hier aus sollen eigentlich regelmäßig kleine Boote zur Insel Gramvousa fahren. Außer ziemlich hohen Wellen ist hier aber nichts und niemand. Wir müssen sowieso tanken und schauen auf Maps.me, ob wir an einer Tankstelle vorbei kommen. Leider müssen wir feststellen, dass es nur 2 Tankstellen auf der ganzen Insel gibt. Für uns bedeutet das, dass wir 22km wieder zurück fahren müssen bis nach Katapola. Wie gut, dass wir noch genug Zeit und sowieso nur noch ein Ziel danach haben. Es geht also die gleiche Strecke wieder zurück und noch etwas weiter zum Kalotaritissa Strand, der in einer Bucht ganz im Osten der Insel liegt. Da es eine fast geschlossene Bucht ist, gibt es kaum Wellen. Angeblich soll er auch vor Wind geschützt sein. Diese Erfahrung können wir allerdings nicht teilen. Nicht nur einmal weht uns der Sand ins Gesicht. Das Wasser kommt uns durch den vielen Wind deutlich wärmer vor. Es gibt Sonnenschirme und Liegestühle, sowie einige kleine, bunte Boote, die den Flair eines griechischen Strandes vollenden. Nicht zu vergessen auch wieder die Klarheit des Wassers. Wir verbringen hier weiter 3 Stunden, lesen unsere Bücher zuende und essen Bougatsa und eine weiter amorginische Süßigkeit mit Sesam und Honig. Im Kopf nehmen wir schonmal Abschied von den wunderschönen Stränden auf den griechischen Inseln. Das vierte Mal kurven wir die gleiche Strecke zurück Richtung Katapola. Auf der Strecke machen wir noch einen kurzen Halt, um uns das Schiffswrack Olympia anzuschauen, das in einer kleinen Bucht liegt. Das ehemalige Frachtschiff sank am 13. Februar 1980 und wurde auch von Luc Besson als Schauplatz in seinem Film genutzt. Vor allem die Wellen, die durch den Schiffsbauch schlagen, sind sehr beeindruckend. Der kleine Pfad nach unten in die Bucht ermöglicht uns auch noch ein bisschen Bewegung. Auf dem Rückweg hören wir ein Zicklein von den Felsen rufen. Es scheint sich nicht zu beruhigen, hoffentlich findet es seine Mutter bald. Zurück in Katapola besorgen wir uns Essen für die Fährfahrt, Briam (buntes Ofengemüse) und Zucchinibällchen. Wir geben noch schnell das Auto ab, und dann los zur Fähre, die dieses Mal fast pünktlich abfährt.

Amorgos hat uns auch mal wieder sehr gut gefallen. Dadurch, dass die Insel sehr dünn besiedelt ist, ist nicht so viel los. Dafür ist aber die Infrastruktur echt gut ausgebaut. Es gibt auch regelmäßige Buslinien in die Ortschaften. Wir sind froh um den Rat aus Syros, ohne den wir vermutlich nie auf diese Insel gekommen wären. Noch ist die Insel definitiv ein Geheimtipp, wir vermuten allerdings nicht mehr lange. Für uns auf jeden Fall ein schöner Abschluss unserer Inseltour.

Auf der Fährfahrt nach Athen halten wir nochmal in Koufonissi, Schoinousa, Iraklia, Naxos und Paros. So nehmen wir zum Sonnenuntergang nochmal Abschied von den Kykladen. Sturmböen bescheren uns wieder deutlichen Seegang. Vieles auf der Fähre läuft drunter und drüber. Des Öfteren werden wir in der Nacht gestört, weshalb wir nicht wirklich viel schlafen können. Nach ca. 10 Stunden Fahrt kommen wir um 5 Uhr Früh in Piräus, dem Hafen von Athen, an. Dort nehmen wir den ersten Zug, der uns nach Patras bringt. Hier suchen wir uns erstmal etwas zum Frühstück und ein Café zum Sitzen. Danach laufen wir eine gute halbe Stunde zum Hafen, um schon einmal unsere Tickets zu holen und die großen Rucksäcke abzulegen. Um uns für die Fahrt mit Snacks einzudecken, gehen wir in den nächsten Supermarkt. Wir sind begeistert von der Fülle und Auswahl an verschiedenen veganen Produkten. So macht das Einkaufen gleich richtig Spaß. Gut ausgestattet legen wir uns in den Park gegenüber. Wir erholen uns noch ein bisschen von der durchwachten Nacht, schließlich steht eine weiter nächtliche Fährfahrt an. Am Fährhafen holen wir uns auch noch mal ein letztes Mal Gemista, weil wir es so lecker finden. Dann sichern wir uns einen guten Platz auf der Fähre, in der Hoffnung, diese Nacht etwas besser schlafen zu können. Schön war's in Griechenland!
Wir befinden uns gerade irgendwo zwischen Patras und Igomenitsa, und sind schon voller Vorfreude auf Apulien - die Trulli warten auf uns.

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