Semana Santa - Teil 2
Galicien 17.-19.04.25 Der letzte Stop unserer Reise steht an und es geht in die galicische Regionalhauptstadt nach Santiago de Compostela. Dem Ziel sämtlicher Jakobswege aus...


Veröffentlicht: 22.07.2025





































19.-20.07.
Hanoi Madness - das ist nix für schwache Nerven
Seit im Mai der Anruf von Milo, Lenas bestem Freund aus der Schulzeit, unsere Urlaubspläne durcheinander gewirbelt hat, befindet sich unsere stets strukturierte Familie im Chaos. Planänderungen (statt Bretagne mit dem Zelt nun Südostasien in der Regenzeit) sind für uns per se schon eine mentale Herausforderung, und dann noch eine so Große…
Aber egal, Milos und Mais vietnamesische Hochzeit wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Vietnam steht ohnehin auf unserer Bucket List, auch wenn wir uns vermutlich eine andere Reisezeit, außerhalb der verregneten Monate, ausgesucht hätten. Aber, wen stört schon das bisschen Regen…?
Am 19.7. soll es losgehen. Flüge wollen wir kurz vorher buchen; Zweifel werden zuversichtlich weggelächelt. Wie von der allerbesten persönlichen haaseschen Reise-Beratung optimistisch prognostiziert, geht dann doch alles gut. Zwei No-Shows (Fluggäste, die trotz Buchung nicht zu ihrem Flug erscheinen), und wir bekommen kurz vor Knapp die letzten drei Sitze Richtung Doha. Mit ein bisschen Gerenne, bei dem Lena noch schnell einen Rückflug bucht, da wir sonst angeblich gar nicht nach Vietnam einreisen dürfen, schaffen wir es durch die Sicherheit und sitzen auf dem letzten Drücker im Flieger. Lars wegen starker Rückenschmerzen (man(n) wird alt…) ganz vorne (1K, für alle Nerds, die es interessiert), Ida und ich ganz hinten (41 B und C). Und ja, das ist wirklich gaaaaanz hinten. Das Entertainment ist defekt, aber egal, wir sind unterwegs, das ist alles, was gerade zählt.
In Doha machen wir einen kurzen Stop und suchen eine Terrasse. Gibt es nicht. Vermutlich können sich die Kataris nicht vorstellen, dass irgendjemand freiwillig die 40 Grad heiße Wüstenluft genießen möchte.
Dafür ist im Zentrum des Flughafens ein wunderschönes Tropenhaus angelegt.
Auch der Weiterflug nach Hanoi steht kurz auf der Kippe. Nachdem alle Gäste geboarded haben, dürfen wir dann aber doch noch mit. Was ein Gefühls-Auf und Ab. Die armen Nerven. Knappe 7h turbulenten Flug später, diesmal mit Lena auf 1K, der Rest der Reisgruppe immerhin auf 18B & C, schlägt uns schwül-warme Luft entgegen, und langsam lässt die Anspannung nach, die Müdigkeit übernimmt, und das Grinsen wird endlich immer breiter. Wir sind da. „Good morning Vietnam“, Hallo Abenteuer!
Ein Grab (Vietnamesischer Uber) bringt uns in die Altstadt von Hanoi. „20$. Same same“, ist die Antwort auf die Frage nach den Kosten und dem Wunsch nach dem Taximeter. Alles klar, das passt für die 50-minütige Fahrt. Unser Fahrer kommuniziert überschwänglich auf Vietnamesisch mit uns, manche Sachen lässt er vom Handy übersetzen, andere erraten wir. Schneller als 80 km/h könne man nicht fahren, erzählt er uns, da der Verkehr zu verrückt sei. Ist richtig: Auf dem Highway kommen uns die Mopeds auf unserer Fahrbahn entgegen, kreuzen Kühe unseren Weg, Kinder sind auf den kleinen Rollern helmlos zwischen die Eltern geklemmt, es fahren Fahrräder zwischen den klapprigen LKWs umher und unser deutscher TÜV hätte seine wahre Freude am Zustand der Gefährte. Unfälle gäbe es aber kaum. Vietnamesen seien klug, übersetzt uns das Handy. Sie wüssten wie man fährt, was uns der Fahrer eindrucksvoll unter Beweis stellt, während er die linke Hand ständig am Handy behält, Sprachnachrichten abhört oder telefoniert und parallel mit der rechten Hand die typische, scheinbar einer Sucht gleichen Geste macht: HUPEN!
Zusätzlich schaut unser kluger Fahrer während des Transfers Videos, wie man der Grab-App ein Trinkgeld hinzufügt und schlägt bei Ankunft satte 6€ auf. Ist uns egal. Nach knappen 20h Anreise sind wir einfach dankbar angekommen zu sein.
Leider sei unser Zimmer jedoch nicht fertig, sagt uns die freundliche Dame am Hotel-Empfang. So lassen wir unser Gepäck im Hotel und machen uns in unserem Business Class Smart Casual Zwirn auf den ersten Weg ins Moloch der Altstadt.
Der Fuß hat die Straße kaum berührt, als es auch schon von rechts zwei mal hupt und von links in einem recht hohen und schrillen Ton „MASSAGE?!“ tönt. Ja, wir sind in Hanoi angekommen. Der Bürgersteig ist nur begrenzt nutzbar, weil immer wieder mit Rollern zugeparkt, mit Waren und Auslagen zugestellt, zugemüllt oder gar nicht mehr vorhanden, weil die Betonplatten weggebrochen sind.
Wir gewöhnen uns aber schnell an die einzige verlässliche Regel hier: Nicht anhalten! Wer zögert, verliert.
So verrückt es erscheint, der Verkehr fließt tatsächlich. Alles durcheinander, keiner ersichtlichen Regel folgend und mit wildem Hupen. Langsam zwar, aber beständig. Wahrscheinlich ist einzig die Hupe selbst die alles zusammenhaltende vietnamesische Form der StVO, denn anders ist dieses perfekte Chaos nicht zu erklären.
Am Hoan Kiem See versuchen wir zu akklimatisieren, ergo, die Suppe läuft in Strömen, auch ohne Bewegung. Selbst ohne Regen sind wir klitschnass.
Auf der Promenade sprechen uns siebenjährige Kinder in ziemlich gutem Englisch an. Sie fragen uns nach unserer Herkunft, Lieblingsfarbe und Haustieren. Wie wir während der Recherche zu Hanoi in einer Reisedoku gesehen haben, gehören die Kids zu einer Sprachschule und üben an Touristen, während ihre Lehrerinnen fleißig filmen. Wie viel Mut die Zwerge haben! Wir sind beeindruckt und denken uns, dass diese Art der Sprachübung auch in Frankfurt nicht schaden würde…ob Englisch dann jedoch die Sprache der Wahl und den am meisten fördernden Effekt wäre, lassen wir mal offen!
Zurück im Hotel werden wir mit einem Upgrade in ein Zimmer mit Balkon überrascht, in das ein zusätzliches Bett geschoben wurde. Sehr aufmerksam, auch wenn die Balkontür aufgrund des dritten Betts leider nicht mehr wirklich aufgeht. Der Schweiß als Gleitmittel erleichtert aber immerhin den Aus- und Eintritt…
Nach einem nötigen Mittagsschlaf geht es nachmittags nochmal raus und mit etwas wacheren Augen lässt sich die Schönheit in diesem absurden Wirrwarr aus Gassen, Lärm aus am Straßenrand aufgestellten Lautsprechern, hupenden Gefährten und einer quirligen Menschenmasse langsam erkennen! Die bunt gemischte Architektur aus opulenten französischen Kollonialbauten und schmalen in die Höhe gezogenen Häusern mit teils wild, teils gewollt bewucherten Fassaden geben der Altstadt einen durchaus attraktiven Stil.
Dazu unzählige Cafés, Restaurants, Modegeschäfte und Massagesalons, die für einen irren Trubel sorgen!
Dennoch ist der geplante und empfohlene KURZaufenthalt in der Hauptstadt zu Beginn eines Urlaubs durchaus sinnvoll, denn eine langsame Gewöhnung an dieses Land ist ein Start in Hanoi keineswegs.
Eines der Highlights dürfen wir durch ein wenig Glück mit unserem Zeitplan bereits am ersten Abend erleben.
Durch die Altstadt fährt seit französischer Kollonialzeit in regelmäßigem Abstand ein Zug des Unternehmens „Reunification Express“. „Anfangs“, also zu eben jener Kollonialzeit vor knapp 100 Jahren, gab es noch reichlich Platz um die Gleise herum, doch mit dem Wachstum der Stadt näherten sich auch die Häuser mehr und mehr den Gleisen, bis diese mittlerweile nur noch wenige Zentimeter vom regelmäßigen Zugverkehr trennen. Ein völlig verrückter Anblick, den sich die Einheimischen natürlich zu Nutze gemacht haben und Touristen (wie uns…) zu einem Kaffee oder Bier direkt an die Schienen in ihre Cafés und Bars locken. So lange kein Zug fährt, sitzt man an seinem Tisch direkt am Gleis, bis ein Signalton die Mitarbeiter zu raschem Handeln auffordert und Tische zusammengeklappt werden mit dem Hinweis, die Zehen einzuziehen, aus Vorsicht vor dem Zug!
Und wie nah das ganze Schauspiel abläuft, erleben wir tatsächlich am eigenen Körper, denn mehr als eine Handbreit passt nicht mehr zwischen die Knie und die vorbeirauschenden Waggons!
Atemberaubend und irgendwie völlig irre, dass so etwas erlaubt ist, denkt sich der deutsche Regelna**! Aber es nicht zu erleben, wäre erst recht dämlich, denkt der Abenteurer in uns. Einzig die Tatsache, dass vietnamesische Züge anders als deutsche Züge ihre Fäkalien noch während der Fahrt über kleine Rüssel zur Seite ablassen dürfen, schmälert zumindest die olfaktorische Faszination dieses Highlights.
Nach der Durchfahrt herrscht wieder wildes Treiben, die Tische werden zurück an die Schienen gestellt, doch die Menschen verlassen bereits wieder die Cafés, um weiter durch die Stadt zu pilgern.
Wir tun es ihnen gleich und wollen in einer der vielen Garküchen unsere erste Phõ des Urlaubs probieren.
Phõ, eine Suppe aus Brühe und wahlweise Hähnchen oder Rind mit
Reisnudeln, Frühlingszwiebeln, Zitronengras und Koriander und vietnamesisches Nationalgericht, gibt es hier an jeder Ecke für sehr günstiges Geld und schmeckt tatsächlich jedem Mitglied der Reisegruppe, was bei dem erwachsenen Teil der Familie ernsthafte Erleichterung hervorruft. Die geliebten Chicken Nuggets mit Pommes wären hier eher schwerlich aufzutreiben gewesen.
21.7.2025 - Eine Frage der Definition
Ein bisschen Regen, haben wir gedacht. Wird schon nicht so schlimm sein, haben wir gedacht. Ist bestimmt ganz interessant mal zu erleben, denken wir noch immer.
Regenzeit, klingt so harmlos. Aber tatsächlich ist es das nicht. Innerhalb kürzester Zeit haben bereits zwei Taifune China und Vietnam heimgesucht, und der dritte ist mit Tropensturm Wipha im Anmarsch.
Die Hotelangestellten legen uns nahe, unsere Pläne zu ändern, und die nächsten Tage lieber im Landesinneren zu bleiben. Gestern ist ein Touristenboot in der beliebten Halong Bucht gekentert, 38 Menschen haben diesen Ausflug nicht überlebt. Wenn man den Medien glauben kann, war nicht der Wind, sondern zu viel Regen verantwortlich für das Unglück.
In drei Tagen wollen wir eigentlich unsererseits eine Zwei Tage-Tour mit und auf einem Schiff machen, fühlen uns allerdings alles andere als wohl damit und
planen um. Den schlimmsten Wind und Regen werden wir 1h nördlich der Innenstadt in einem Resort aussitzen und erst am Donnerstag Richtung Küste aufbrechen. Am Freitag dann aufs Schiff. Bis dahin soll es sich wieder beruhigt haben, so hoffen wir.
Nachdem die Entscheidung getroffen ist, ist uns wieder leichter ums Herz und mit schnell erworbenem Regenschirm geht es per Pedes weiter durch die Straßen, die mancherorts mittlerweile eher Bächen gleichen. Hat zumindest den einen Vorteil, dass gefühlt drei Roller weniger unterwegs zu sein scheinen und man ab und an etwas entspannter in der Mitte der Straßen flanieren kann. Den durch die Sturzbäche überlaufenden und zu Pinkelrinnen umgewandelten Regenrinnen ausweichend nutzen wir einen Waschservice, um die Sportklamotte wieder auf Vordermann zu bringen (Ida und Lars waren im Rahmen des Sommertrainings eine Runde um den naheliegenden See joggen) und einen Football-Shop, um Benny mit einheimischen Trikots zu versorgen.
Dass der freundliche und kommunikative Mitarbeiter Fan der Schwach-Gelben aus Dortmund ist und uns voller Stolz Fotos von ihm mit Reus, Hummels und Co. von einer Werbereise nach Vietnam des BVB anno 2022 zeigt, versuchen wir ohne Gesichtsentgleisungen und spontanes Erbrechen zur Kenntnis zu nehmen und halten es wie die Einheimischen: dem Gegenüber bloß kein Missfallen zeigen, lächeln und winken!
Nach einer weiteren Phõ-Stärkung und einer Fußmassage/Maniküre/Pediküre (hier darf der Lesende frei entscheiden, wer aus der Reisegruppe welchen Service in Anspruch genommen hat) geht es zurück ins Hotel, wo uns zumindest die Hoffnung gemacht wird, dass der Taifun „nur noch“ ein Tropensturm sei. Wir hoffen mit und freuen uns dennoch auf unseren morgigen Ausweichplan im Amaya Home - Lodge, Spa & Restaurant in Soc Son!
Wir werden berichten.
Tam Biêt
