Helsinkiin!
(11.02.-12.02.26) Es ist mal wieder so weit; Fuchs, Hase und Haselmaus haben erneut Hummeln im Hintern und begeben sich auf Abenteuertour! Diesmal ist im tiefen Winter der hohe No


Veröffentlicht: 13.02.2026































Wir wussten, dass es kalt wird. Aber eigentlich hatten wir keine Ahnung. Strahlend blauer Himmel und eine wunderschöne Wintersonne gaukeln uns heiteres Frühlingswetter vor. Auch wenn meine Kollegin Ursel uns vorgewarnt hat, dass der eisige Wind die Augen tränen ließe, waren wir trotzdem überrascht, wie kalt sich die morgendlichen -14 Grad anfühlen.
Macht nix, wir wollten Winter, wir kriegen Winter. Mit dem Plan, uns von Zeit zu Zeit in einem Café oder in einer der vielen Trambahnen aufzuwärmen, machen wir uns auf den Weg Richtung Hafen.
Am Dom legen wir den ersten Stop ein und beobachten finnische Kadetten bei ihrer Sotilasvala. Weil wir von Natur aus neugierig sind, löchern wir einen der finnischen Zuschauer, was wir eigentlich genau geboten bekommen:
Nach Ende der Grundausbildung (üblicherweise nach 6 Wochen), findet das sogenannte Sotilasvakuutus (Militärversprechen) statt.
Diese Veranstaltung ist ein feierlicher Höhepunkt, bei dem die Wehrpflichtigen offiziell in den Mannschaftsrang (Soldat, finnisch: mieshistö) erhoben werden und ihr Gelöbnis zur Verteidigung des Vaterlandes ablegen. „Wehrpflichtige“, jawohl, in Finnland gibt es die Wehrpflicht also weiterhin, wobei es den Männern frei steht, alternativ Zivildienst zu leisten. Laut unserem Informanten entscheiden sich der Großteil der Herren, trotz Biwakübungen bei -30 Grad im Wald, für den Militärdienst, und auch wenn es für Frauen keine Wehrpflicht gibt, sind 10% der Truppen weiblich. Die positive Einstellung zum Dienst an der Waffe käme sicher durch die lange Grenze zu Russland, bekommen wir erklärt. Dass Deutschland so zögerlich sei die Wehrpflicht wieder einzuführen, könne er aber gut nachvollziehen. Wir hätten eine deutlich andere Vergangenheit. Die Finnen sind scheinbar recht nachsichtig mit uns Zauderern.
Das lange Stehen am Dom hat uns leider eiskalte Füße beschert. Etwas zügiger schlittern wir Richtung Hafen und sind fasziniert. Die zugefrorene Ostsee ist ein spektakulärer Anblick und plötzlich können wir verstehen, warum Menschen im Winter aus überfrorenen Seen gerettet werden müssen. Die Schollen schreien förmlich danach betreten zu werden. Wir reißen uns zusammen, spielen nicht Lars der Eisbär und Lena Schneehase, und begnügen uns damit, Ida dabei zu beobachten, wie sie breit grinsend Eisklötze ins Hafenbecken schleudert.
Die Finnen scheinen ein anderes Kälteempfinden zu haben als wir. Mit Sneakern und Übergangsjacke bekleidet, scheint ihnen die Kälte nix anzuhaben. Kein verzehrtes Gesicht, kein unkontrolliertes Zittern. Schräg. Wir sind trotz Merino-Plinte ziemlich durchgefroren. Wir brauchen Wärme von innen und haben ohnehin einen riesen Kahvihammas („Kaffeezahn“). Also erst mal Pause, bevor wir weiter auf Entdeckung gehen können.
Mit der Sprache sind wir leider bisher kein Stück warm geworden und dankbar, dass Straßennamen, Haltestellen und öffentliche Gebäude zusätzlich auf schwedisch (zweite Amtssprache in Helsinki) ausgeschildert sind und die Menschen ein ausgezeichnetes Englisch sprechen. Die finnischen Namen sind zT so lang und sehen für uns wie ein willkürlicher Griff in die Buchstabensuppe aus, dass wir sie uns schlicht nicht merken können. Jedes einzelne davon ein guter Kandidat fürs Galgenmännchen. Hier ein paar kuriose:
Kalsarikännit: sich in Unterhosen zu Hause betrinken
Poronkusema: die Distanz, die ein Rentier zurücklegen kann, bevor es pinkeln muss, ca. 7,5 km
Hyppytyynytyydytys: Das lustige Gefühl, auf Kissen herumzuspringen.
Jeesusteippi: „Jesus-Tape“ – also Panzerband/Ducktape, das alles repariert
Etäteen! sanoi mummo lumessa: Vorwärts! Sagte die Oma im Schnee
Nach dem Kaffee suchen wir etwas zu essen. Ida weist uns zu recht darauf hin, dass vielleicht mal Fisch dran wäre. Schließlich seien wir an der Ostsee. Nicht, dass sie ihn essen mag, aber sie kennt uns gut. Wir steuern die alte Markthalle an. Fisch und andere Delikatessen aus dem Wasser gibt es zwar, aber wir passen dennoch. Kaviar für 2400€/kg ist selbst in spendabler Urlaubslaune nicht im Budget. Schmeckt uns eh nicht. Wir würden den Probierlöffel ablehnen, selbst wenn er nur 1€ (statt hier 10€) kosten würde. Etwas landestypisches wollen wir uns trotzdem gönnen und nehmen ein Sandwich mit geräuchertem Rentierfleisch, schlendern noch ein bisschen an den Ständen mit Nippes vorbei, bevor es uns über den naheliegenden Park „Kaivopuisto“ zum Hotel zurückzieht.
Am Abend geht es ins Eisstadion. Damit ist Finnland das sechste Land auf unserer Liste, in dem wir Eishockey schauen (nach Österreich, Russland, Kanada, Schweden und den USA).
Die Snacks im Stadion kosten noch mal genauso viel wie die Tickets hoch oben unterm Dach (wo es vermutlich am wärmsten ist - gute Platzwahl!), muss aber sein: Brot und Spiele, so ist es nunmal. Wobei die Spiele allein auch durchaus amüsant sind: bereits vorm Bully die erste Klopperei, zwei mal Helmverlust durch Vertrimmerei im ersten Drittel und zeitweise sitzen drei Spieler gleichzeitig auf der Strafbank. Wir sind fasziniert. Ansonsten ist es qualitativ überschaubar gut. Wir wissen jetzt auf jeden Fall, warum es möglich ist, dass trotz der Olympischen Winterspiele der Ligabetrieb normal weitergeht: mit den Jungs hätte das Team Suomi international keine Chance. Die Fans rechts von uns sind definitiv Leid-erprobt. Mehr als ein „Oioioioi“ können die vielen Fehlpässe hier niemandem entlocken. Das ist nordische Resilienz.
Morgen gibt es das Kontrastprogramm: wir wollen mit dem Bus raus zu einem Rentierpark, den Trubel der Hauptstadt gegen Ruhe und Natur tauschen.
Wir werden berichten. Bis dahin, einen schönen Abend und gute Nacht!
