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Eine volle Ladung Ninh Binh (Teil 2) & Hanoi Reloaded

Veröffentlicht: 01.08.2025

Nguyễn Trãi (vietnamesischer konfuzianischer Gelehrter - 1380-1442) sagt: „Es ist nicht der Blinker, der dir den Weg weist, sondern dein Wille, diesen Weg auch wirklich einzuschlagen!“

29.07.:

Wie vermutet, werden wir viel zu früh von Handwerkerlärm geweckt, was uns aber den Vorteil des langen Tages bringt. Man muss es ja positiv sehen.

So starten wir also etwas übermüdet in den bisher heißesten Urlaubstag, der uns knapp 40 Grad und pralle Sonne bringen wird.

Was also tun?!

Zuerst mal frühstücken und bei Kaffee und Obst einen Plan aushecken, um die Stunden bis zum Abend für alle zufriedenstellend zu füllen.

Darunter fällt Buch lesen, Karten spielen, Sport im Zimmer (draußen wäre selbst frühst daran gar nicht zu denken) und danach eine schnelle Runde durch den Pool!

Da Ida vom Roller fahren angefixt zu sein scheint, wünscht sie sich zum Nachmittag hin eine erneute „Ausfahrt“ mit Schrotti und Klappermann.

So wählen wir die Innenstadt von Ninh Binh als Ziel, wo wir uns die Markthalle und eine Pagode anschauen wollen.

Nach erfolgreich gestaltetem Vormittag dann also nachmittags wieder auf die Roller und die knapp 20 Minuten ab in den Stadtverkehr.

Witzigerweise sind wieder beide Tanks leer, so dass wir erneut, diesmal in einem Café, die hochsicheren Betankungsstationen aus nächster Nähe bewundern dürfen.

In Ninh Binh angekommen, parken wir uns vietnamesisch stilecht einfach auf dem Gehweg und tauchen in die verwinkelten Wege der Markthalle ein!

Schon nach kurzer Zeit sind wir allerdings schon wieder fertig, denn ein wirkliches Erlebnis, wie wir erhofft hatten, ist es nicht!

So türmen sich Töpfe, Plastikstühle, Besen und andere Haushaltswaren an jedem der Stände, Gewürze oder Obst suchen wir vergebens. Was wir aber, wie bisher überall auf Marktplätzen oder in -hallen im Laufe unserer Urlaube finden, ist Fleisch jeglicher tierischer Herkunft, drappiert auf Karton, befächert mit handgebauten Fliegenverscheuchern und einem Geruch (für uns) jenseits des Genießbarkeitsniveaus.

Schnell geht es zurück Richtung Roller und durch die Stadt zum Tháp Tứ Ân, einer Gebetsstätte am stadteigenen See und dem dort angehängten Nachtmarkt. Insbesondere oder eigentlich nur bei Dunkelheit ein lohnenswertes Ziel, da die Lichter der zwei Tempel und die hellerleuchtete Marktstraße mit Street Food ohne Ende diese Ecke der Stadt dann in ein doch recht pittoreskes Lichtermeer tauchen.

Uns fehlt allerdings die Geduld, bis zur Dunkelheit zu warten und ausreichend beleuchtete Gefährte, da beide Roller vorn nur über teelichtvergleichbare Beleuchtung verfügen und Schrotti nach hinten die Sichtbarkeit völlig verweigert.

Also gehts bei eintretendem Sonnenuntergang zurück Richtung Hotel. Unterwegs bietet uns dieser immerhin noch wunderbare Fotokulissen, taucht die Sonne den Himmel doch in ein beeindruckendes Rot!

Zufrieden mit dem Tagesverlauf und einer abendlichen Schwimmrunde im Pool geht es schnell ins Bett.

Denn morgen müssen wir früh aufstehen und sind den Handwerkern sicher mal ein paar Minuten voraus.

30.07.:

Was wir in den zwei Tagen zu Beginn unseres Urlaubs in Hanoi nicht gemacht haben, war Bummeln und ein wenig landestypisches Gedöns kaufen. Wollten wir doch nicht zwei Wochen lang alles mögliche, was man so kauft, mit uns mitschleppen!

Nun fällt uns dieser Gedanke ein wenig auf die Füße, da wir beim Rückflug flexibel sein müssen und eventuell bereits am Sonntag direkt nach dem Hochzeitsbrunch in den Flieger gen Heimat steigen.

Das würde uns den geplanten Sonntagnachmittag in Hanoi zunichte machen.

Also sorgen wir am Vorabend im Hotel erstmal für reichlich Verwirrung, als wir nach einem frühmorgendlichen Transfer in die Hauptstadt und einer abendlichen Rückfahrt nach Ninh Binh fragen.

Da Lena am Morgen des Vortages aufgrund des anhaltenden Lärms direkt unter unserem Fenster und unglaublich lautem TV-Gerät im Nachbarzimmer um einen (leider nicht möglichen) Zimmerwechsel in einen der Bungalows gefragt hatte, vermutet die Rezeptionistin nun besorgt, dass wir verfrüht abreisen wollen und versteht in ihrer Aufregung auch kaum, dass wir ja am Abend zurückkommen möchten.

Nach reichlich Wiederholung unseres Wunsches, morgens nach Hanoi, abends wieder zurück in dieses Hotel, stellt auch die Rezeptionsdame ihre Schnappatmung ein und besorgt uns eine Transfermöglichkeit.

Dennoch bekommen wir eine erste Abschlussrechnung unseres Aufenthalts, die exakt bis zur Minute unseres Transferstarts um 7:24 Uhr berechnet wird, da auch der Hotelmanager glaubte, wir würden abreisen!

So oder so geht es am Morgen nach kurzem und mittlerweile nur noch eingeschränkt Freude bereitendem Frühstück, weil einfach immer das selbe, in den Kleinbus zu Fahrer Nr.1.

Laut unserer Info bringt er uns nach Ninh Binh zum Office des Transferunternehmens, wo wir um 8 Uhr mit einem anderen Kleinbus weiter gen Hanoi fahren. Da unser Fahrer aber noch eine weitere Person irgendwo zwischen Tam Coc und Hongkonk abholt und sich dann noch verfährt, fürchten wir zeitlich doch arg um unseren Anschluss! Dazu ruft auch noch eine völlig unbekannte Nummer per WhattsApp an, die wir aber so gar nicht verstehen, aber vermuten, dass es der Fahrer des in Ninh Binh wartenden Fahrzeugs sein könnte!

Gott sei Dank stellt sich mit Übersetzungshilfe der Mitfahrerin heraus, dass wir gar nicht mehr umsteigen müssen, sondern dem Fahrer lediglich unseren gewünschten Rausschmeiß-Punkt mitteilen sollen.

Dankbar für so viel Einfachheit genießen wir die wirklich entspannte Fahrt, dösen ein wenig vor uns hin und fragen uns dennoch, wer die Person war, die morgens angerufen hat!

Nach insgesamt 2 1/2 Stunden und Hanoi’ischem Berufsverkehr, steigen aus und erfragen noch den Ablauf der Abholung.

Erneut hilft uns die nette Mitfahrerin und erklärt, dass wir der Organisation des Transfers eine Nachricht mit Standort senden sollen, wir würden dann zur abgesprochenen Zeit dort eingesammelt.

Dumm nur, dass wir A: nicht mal wissen, wer uns hierhergefahren hat und B: es keine klare Uhrzeit gibt! Zwischen 14:30 und 15:30 Uhr war der Wunsch. Mehr gabs nicht an Auskunft.

Mir fällt die Telefonnummer am Morgen wieder ein und ich schreibe ihm eine Nachricht mit Standort und gewünschter Uhrzeit. vielkeicht ist es ja unser Abholdienst…

Und tatsächlich kommt auf vietnamesisch die Antwort, dass er uns zur gewünschten Zeit an gewünschter Stelle einsammelt! Fast schon zu einfach alles…

So verbringen wir erstmal vier schöne und erfolgreiche Stunden in Hanoi, wo wir uns zumindest in der Altstadt ja bereits ein wenig auskennen, stöbern hier und da durch die Läden und dürfen an der langsamsten Eis-Waffel-Kombi Herstellung aller Zeiten teilhaben. Wenn man nur einen begrenzten Zeitrahmen hat, davon aber schon 30 Minuten („five Minutes“) für ein Eis und zwei Kaffee draufgehen, ist die schöne Entspannung der Anfahrt schnell wieder dahin!

Oh Wunder für unsere Reisegruppe kommt aber keineswegs Hektik auf, denn das Souvenirschießen geht super leicht von der Hand, so dass wir am Ende pünktlich an abgesprochener Ecke auf den Wagen mit dem uns mitgeteilten Nummernschild warten!

Der Fahrer, ebenfalls pünktlich wie überaus mürrisch, lädt uns ein und beginnt während unserer verzweifelten Anschnallversuche (Ida sitzt unangeschnallt in der Mitte, da die, jetzt wirds deutsch, Gurtzunge des fahrerseitigen Rücksitzes nicht im Gurtschloss greift, der Alarmton aber dennoch auslöst, denn es sitzt ja jemand dort. Um also den dauernden Piepton, der scheints nur uns stört, auszustellen, wird der Gurt des fahrerseitigen Rücksitzes im Gurtschloss des Mittelsitzes verankert -> durchatmen…aber kein Piepen, kein Anschnaller für Ida) sein Handy per lautem Schreien zu zerstören. Oder er telefoniert einfach nur. So oder so wirkt es, als habe er bisher nicht den besten Tag. Da trägt penetrantes Piepen sicher nicht zu achtsamerer und wenig aggressiver Fahrweise bei!

Auch diesmal sammeln wir noch zwei Mitfahrer ein, die quer über eine Kreuzung herbeigebrüllt werden und äußerst kleinlaut einsteigen.

Doch anders als auf der Hinfahrt, geht es diesmal wirklich nur knapp 20 Minuten raus aus der Altstadt zu einem Office der „Ninh Binh Car“, wo wir nonchalant wie Harry und Ron aus dem Ford Anglia der Weasleys geschmissen werden und „five Minutes“ warten sollen. Nichts, aber auch gar nichts hier dauert im Übrigen die erwähnten fünf Minuten. Man muss den Vietnamesen wirklich lassen, dass sie meist super pünktlich und enorm zuverlässig sind. Aber wenn jemand „five Minutes“ sagt, dann hat man reichlich Zeit!

So warten wir also knapp das Vierfache, um mit einem anderen Kleinbus den Rest der Etappe fortzusetzen. Meine Frage an den Fahrer, ob wir mit diesem Bus zum Hotel gebracht werden, wird komplett ignoriert!

Egal, denken wir uns. Von Ninh Binh zum Hotel geht auch ein Grab.

Nun wieder ein schlechter Wortwitz: dass wir so schnell so nah am eigenen Grab kratzen, hatten wir aber nocht erwartet…höhöhö!

Der Fahrer entpuppt sich seinem Beifahrer gegenüber zwar als außerordentlich gesprächig, steuert aber sein Gefährt (um in der Zaubererwelt zu bleiben) wie Ernie Prang den Fahrenden Ritter durch die doch recht vollen Straßen Richtung Süden. Und das in einem Tempo, dass es teilweise wirklich an ein Wunder grenzt, dass wir alle heil bleiben.

Und dass es selbst dem vietnamesischen Beifahrer etwas extrem zu sein scheint, erkennt man einerseits daran, dass er angeschnallt ist und andererseits daran, dass er sich am Griff oberhalb der Tür festhält!

Nicht verwunderlich also, dass wir die Strecke knapp 40 Minuten schneller schaffen als am Morgen.

Angekommen, stellen wir etwas frustriert fest, sind wir aber trotzdem noch nicht. Denn wir wechseln in Ninh Binh tatsächlich nochmal das Fahrzeug. Vermutlich muss der Motor am anderen Bus getauscht werden oder er braucht eine neue Lackierung. Die alte hat sich durch die Geschwingkeit in Kombination mit der Außentemperatur schlichtweg verabschiedet!

So sitzen wir erneut die fast schon obligatorischen „five Minutes“ auf einer Wartebank im Office und schauen den Fahrern draußen beim Rauchen zu.

Kurz steht einer auf, geht zum noch vorhandenen Bus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, schmeißt den Motor an, kommt zurück und raucht weiter. Logisch, denken wir, Raketenantrieb braucht auch Vorwärme (oder?)

Erneut geht einer der Fahrer zum Kleinbus und öffnet die Seitentür zum „Passagierbereich“ oder Rückbank oder wie auch immer.

Und kommt tatsächlich mit elegantem Wendemanöver und immer noch offener Seitentür vorgefahren. Wir dürfen einsteigen und freuen uns, dass es nun endlich heingeht. Motor läuft ja immer noch, kann also losgehen.

Doch stattdessen wird weitergeraucht. So sitzen wir also weitere 15 Minuten im offenen Kleinbus bei laufendem Motor und Klimananlage, während fünf Meter weiter die Herren Mitarbeiter eine „five Minutes“-Rauchpause machen.

Dann, nach ausgiebiger Pause (vielleicht müssen auch in Vietnam strikte Fahrpausen einfach klar eingehalten werden…) geht es nun doch endlich zurück zum Hotel.

Viel ist mit uns nicht mehr los und außer der abendlichen Poolrunde und dem anschließenden Lesezirkel bringen wir nichts mehr zustande. Der Tag war auch lang genug…

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