Jetzt wirds touristisch…
Nguyễn Trãi (vietnamesischer konfuzianischer Gelehrter - 1380-1442) sagt:“ Dein Rollertank ist endlich, aber die Zuladung ist es nicht!“ 24.07.: Ein laaaanger Transfertag steht...


Veröffentlicht: 29.07.2025





















Nguyễn Trãi (vietnamesischer konfuzianischer Gelehrter - 1380-1442) sagt: „Wenn dein Roller schneller hupt als fährt, brauchst du keinen Helm, sondern Gebet!“
27.07.:
Unser Hotel trägt den klangvollen Namen „Scenic Mountain Resort“. Wenn man das Resort einmal streicht, ist der Name unheimlich passend.
Aus dem Fenster haben wir einen herrlichen Blick auf die Karstberge Ninh Binhs. Die Kalksteine ähneln denen der Halong Bucht, außer, dass sie statt von Wasser, von Reisfeldern, wilden Teichen und reichlich Brachland umgeben sind.
Ninh Binh gilt als Perle im Norden Vietnams und wird als eines der touristischen Highlights des Landes gehandelt. Nicht unbedingt aufgrund der Stadt selbst, aber definitiv wegen der Sumpflandschaft und Pagoden. Insbesondere das kleine Örtchen Tam Coc erweist sich als Backpacker-Mekka und Touri-Magnet.
Der Vorteil: es gibt reichlich westliches Essen, was uns, nach einigen Griffen ins Klo bei der Bestellung in authentischen Lokalen, durchaus entgegen kommt. Auch wenn insbesondere die Pho einen festen Platz in unserer Speisekarte eingenommen hat!
Unser Plan für die Zeit in Ninh Binh war, runterzufahren, die Landschaft, Buch und Pool zu genießen, auszuschlafen und uns einfach ein bisschen treiben zu lassen, bevor der Rest der Hochzeitsgesellschaft eintrudelt.
Faulenzen und Ruhen liegt uns nur mäßig, muss also dringend geübt werden.
Dass die Vietnamesen einen etwas anderen Tagesrhythmus haben als wir Westeuropäer oder vermutlich eher Deutsche, erkennen wir daran, dass wir am Sonntagmorgen (am heiligen Sonntag!!!) von einer Kreissäge geweckt werden, die nur 10 Meter Luftlinie von unserem Zimmer entfernt ihre Kreise dreht. Dazu gesellt sich in regelmäßigem Rhythmus ein Industrietacker, der Holzplanken auf Metall zimmert! Falls bisher die Uhrzeit nicht erwähnt wurde, es ist 6:45 Uhr! Nix mit Ausschlafen. Da wir eh wach sind und der Geräuschpegel vermutlich anhalten wird, können wir getrost aufstehen und frühstücken gehen.
Auf dem Weg zum Frühstückssaal entdecken wir den Ursprung des Lärms im eigenen Hotel!
Die hauseigene Bar wird komplett verholzt, was sicherlich irgendwann schön aussieht, aber es sich bei genauerem Hinsehen erkennen lässt, dass das keine Ein-Tages-Baustelle ist und der Lärm wohl unseren Aufenthalt hier begleiten wird!
Wir freuen uns…
Was uns ebenfalls erst jetzt auffällt, ist die Tatsache, in der Sackgasse eingekehrt zu sein, die zu zwei der frequentiertesten Highlights dieser Gegend führt. Der „Mua Cave“ und dem „Dragon Hill“.
Das führt dazu, dass sich in der Straße vor dem Hotel die Klein- und Großbusse tummeln, zig Pseudoparkplatzanweiser schreiend jeden Rollerfahrer in ihre Garagen locken und die Luft vor Abgasen und der ohnehin hohen Luftfeuchtigkeit schneidbar ist!
Also suchen wir das Heil in der Flucht, schnappen uns zwei (laut Hotel neue) Fahrräder, die aber wohl eher bereits im Krieg den Ho Chi Minh Pfad rauf und runtergeknüppelt wurden und machen uns, der Fux joggend, Hase und Maus trampelnd auf Richtung Tam Coc, um ein paar Snacks zu kaufen!
Gerade im Örtchen angekommen, erwischt uns ein übler Gewittersturm, was wir tatsächlich länger nicht hatten, so dass zurück im Hotel nicht mehr ganz klar ist, ob das nun Regen oder Schweiß ist, der in den Schuhen steht!
Nach einer kurzen Poolrunde geht es quer über die Straße ins „The Coop by Chookie‘s“ zum Abendessen. Hier haben wir für uns eine kleine Perle entdeckt, die uns mit toller 80er-Pop/Rock Musik und leckerem Essen versorgt. Dazu spielen wir Munchkin und grübeln über den nächsten Tag.
Denn viel zu entdecken gibt es allemal!
28.07.:
Viel zu entdecken…da waren wir am gestrigen Abend stehengeblieben.
Unser Plan für heute sieht einen Ausflug zu einem Tausend Jahre alten Baum in einem Vogelreservat/Orchideenparadies vor. Da die Fahrräder vollends überzeugt haben, wird auch heute auf die Drahtesel gesetzt. Leider andere als gestern. So zeigt sich Rad Nr. 1 als bereits arg gescholten mit defekter Hinterradbremse, Rad Nr. 2 lehnt eine Satteleinstellung für Menschen größer 1,40 m ab und Rad Nr. 3 lässt den Fahrer unwillkürlich im Kreis fahren, da der Lenker jegliche Richtnorm zum Geradeausfahren vermissen lässt.
Wir nehmen sie trotzdem, decken uns im nächsten Klimbim-Laden mit drei traditionellen Kegelhüten gegen die bereits früh morgens knallende Sonne ein und radeln Vietcong-gleich los!
Da Google Maps keine direkte Route mit dem Fahrrad anzeigt (vermutlich, weil Google davon ausgeht, dass man die Strecke mit dem Rad eh nicht überleben würde), versuchen wir es mit dem empfohlenen Fußweg abseits der großen Straßen. Für DIESE Art der Fortbewegung gibt es Streckenführungen. Warum, stellen wir erst mittendrin fest, führt uns der Weg doch über matschigste und buckeligste Wege und mückenverseuchte Moorlandschaften! Zerstochen, eingesaut und (natürlich) verschwitzt kommen wir am Parkeingang an, wo wir drei Vollzahlertickets nehmen müssen, da es nur Rabatt gibt für Personen unter 130 cm Körpergröße. Spannenderweise sind hiermit sowohl „Kids“, als auch „Adults“ gemeint!
Der Ausflug wird im Prinzip zum Vollflop, denn zwei der drei Höhlen, die es zu besichtigen gibt, sind gesperrt, die dritte ist heillos mit asiatischen Touristen überfüllt, wobei uns auffällt, dass wir die einzigen westlichen Touris hier zu sein scheinen und entweder allein schon deshalb oder wegen unseres Auftretens mit Fahrrad und Kegelhut belustigt beäugt werden!
Egal, wir sind wenigstens aktiv und lassen uns nicht erst mit Reisebus hierher und dann mit Golfmobil und Handy vor der Nase durch den Park kutschieren.
Der Baum, der unser Hauptziel sein sollte, ist zwar nicht gesperrt, aber auch nicht zu erkennen, da um ihn herum alles vollgewuchert und verwahrlost ist!
Einzig die teilweise adrett zur Schau gestellten Blumenwiesen und Bonsaibäume geben zumindest ein nettes Instagram-Panorama her! Auch könnte Andrea Kiewel ihren ZDF-Fernsehgarten für Rentner und die, die schon einen Schritt weiter sind, hier austragen! Das Drumherum würde ganz gut passen.
Etwas enttäuscht fahren wir zurück zum Hotel, genießen aber auf der Fahrt die wirklich beeindruckende Landschaft, springen zur wenig erfolgreichen Abkühlung in den Pool und ziehen uns auf einen Kaffee in unsere Lieblingsbar nach nebenan zurück!
Am Nachmittag juckt uns dann erst Recht die Abenteueritis, nachdem das langsame und eierige Eintauchen in den vietnamesischen Straßenverkehr so wunderbar funktioniert hat.
Da wir am kommenden Freitag mit Teilen der Hochzeitsgesellschaft an einer Rollertour teilnehmen, keiner von uns jedoch bisher auf einem motorisiertem Zweirad saß, kommt uns die Überlegung, hier vor Ort zwei Roller zu mieten und ein wenig zu üben!
An der Rezeption bekommen wir den lieb gemeinten Hinweis, dass wir auch zu dritt auf einem Roller sitzen könnten, denn das sei hier erlaubt, was wir aber dankend ablehnen! Ebenso wird auch auf das Zeigen des Führerscheins verzichtet. Hätte Ida auch selber fahren können?!
Nach kurzer Einführung („Here ‚On‘, here ‚Off‘“) folgt vietnamesische Verwirrung, als Lena nach dem Blinker und der Hupe fragt.
Blinker versteht die Dame gar nicht; Hupe auch nicht, vermutlich weil ihnen die Position der Hupe schon genetisch vermittelt wird.
Wir drücken also nach wenigen hundert Metern Fahrt alle verfügbaren Knöpfe und finden rasch Blinker, Hupe und Licht!
Selbst mitten im Getümmel, stellen wir allerdings fest, dass blinken einfach überhaupt nichts bringt. Man wird erst recht angehupt, wenn man versucht, links abzubiegen, auch wenn man zusätzlich zum Blinker die Hand raushält.
Dennoch müssen wir gestehen, dass es uns allen einen Heidenspaß macht, durch die Reisfelder zu „heizen“, wobei bei beiden Rollern die Geschwindigkeitsanzeige defekt ist und wir gar nicht wissen, wie schnell Evel Kneavel and family unterwegs sind!
Einzig die Tankanzeige stimmt, denn diese sagt uns, dass wir dringend tanken müssen.
Dass Tankstellen hier aussehen wie Garagen (eigentlich findet hier alles in oder vor Garagen statt), dürfen wir also auch aus nächster Nähe lernen.
Eine ältere Dame kommt mit einem Pumpspender Benzin wie die Hexe aus Hänsel & Gretel aus ihrem Häuschen, füllt uns Benzin für zusammen 35000 Dong (1,16€) in beide Tanks und lässt uns weiterfahren. Laut Tankanzeige kommen wir so vermutlich zumindest zurück zum Hotel.
Ein kleiner Bummel durch Tam Cocs Ramschläden, in denen es bspw. Hosen exakt gleicher Aufmachung sowohl von Arc‘terix als auch Patagonia für den Preis eines Schnürsenkels von oben genannten Marken gibt und eine Portion Sticky Rice mit Mango später geht es zurück in unsere Straße in eine Pizzeria zur Abendschmausung!
Im Anschluss daran rollen wir uns noch kurz im Dunkel des Abends in den Pool und versuchen, früh schlafen zu gehen. Denn morgen früh wecken uns sicherlich wieder Kreiselfritze und Tackerina deutlich vor unserer gewünschten Aufwachzeit!
