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Zuletzt in Helsinki

The finnish way

Veröffentlicht: 16.02.2026

Taxi
Sauna → Steg zur Insel
2.0 km
Tour
Sauna-Ausflug auf einer Insel
Tour · Uber
Tour
Schneeschuhwanderung im Nationalpark bei Helsinki
Wanderung · 7h · Mikko
Sehenswert
Rentierfarm
Großraum Helsinki, Finnland

(14.-15.02.)

Ein riesiger Bonus einer längeren Städtereise ist (zumindest eimpfinden wir das so) die Möglichkeit, trotzdem in relativ kurzer Zeit der Stadt den Rücken kehren und die Natur des Landes erkunden zu können.

Und Helsinki ist hier wirklich ein Paradebeispiel für so einen Kurzurlaub, liegt doch der riesige Nuuksio Nationalpark ( https://www.visitfinland.com/de/produkt/b55ef53e-4a9f-46b4-a116-f5aed5a5c8ad/nuuksio-national-park/ ) nur eine Stunde Fahrzeit mit den Öffentlichen entfernt.

Ausgewählt hatten wir Helsinki ursprünglich unter anderem, weil wir Hundeschlitten fahren wollten! Als wir dann jedoch die Anbieter durchstöbert und die Preise gesehen hatten, wurde zumindest diese Aktivität relativ schnell aus unserer Planung gestrichen.

Wir hatten ja in den vorherigen Blogeintrögen bereits auf die wahnwitzigen Preise für insbesondere Alkohol hingewiesen. Die Ausflüge mit den Hundeschlitten sollten jeweils um die 800-900€ für max. drei Stunden kosten! Das empfanden wir dann doch ein wenig zu teuer und in keinem Verhältnis zur Aktivität stehend.

Natürlich darf das jeder Lesende anders sehen :-)

Also weiter gesucht und auf Mikko (www.finnishfriend.com) und sein Angebot des Schneeschuhwanderns im Nationalpark gestoßen.

Da zumindest ich immer davon ausgehe, dass mit mir zusammen parallel drölftausend Menschen die selbe Idee haben und am gleichen Tag die gleiche Aktivität buchen wollen, haben wir nicht lang gezögert und eine Tagestour samt Picknick und Lagerfeuer gebucht.

HA! Da sind wir den dröftausendminuseins Menschen wohl zuvorgekommen.

Am Tag zuvor geht es aber erstmal ohne Guide und mit Bahn und Bus über Espoo in den Nationalpark.

Unser Ziel ist ein kleiner Rentier-Park am Rand des Nationalparks, in welchem sieben Rentiere, darunter ein komplett weißes Weibchen leben.

Leider entpuppt sich dieser Ausflug als ein kleiner Touri-Nepp, denn der Park, bzw der begehbare Parkbereich ist wirklich klein, man bekommt einen Eimer voll Flechten und füttert die Tiere ähnlich einem Wildpark bei uns. Zum Aufwärmen kann man sich immerhin im großen Tipi am offenen Feuer mit Kaffee, Tee und Zimtschnecken versorgen. Nett und bei -17 Grad auch nötig. Aber für insgesamt 64€ Eintritt doch ein wenig spärlich. Warum der Betreiber den Durchschnitts-Aufenthalt auf eine Stunde schätzt und empfiehlt, können wir nun nachvollziehen. Insgesamt also süß, aber schon sehr touristisch.

Wir nutzen die Zeit, bis der nächste Bus kommt also für eine kleine Wanderung zum nächsten Ort, der ca. 2 km entfernt liegt. Bewegung und Winterwunderland wärmen Körper und Herz mindestens ebenso sehr wie Rentierfüttern und Kaffee am Lagerfeuer.

Hier bekommen wir, so glauben wir zumindest, eine erste Vorschau auf den morgigen Tag mit Mikko. Ein gewundener Wanderweg quer durch den Wald, komplett für uns allein. Man hört weder Autos noch andere Menschen. Und natürlich ist alles über und über mit Schnee bedeckt!

Allein dafür hat sich die Anfahrt gelohnt. Und auch die Tiere zauber(te)n Ida ein breites Lächeln ins Gesicht, so dass der Ausflug durchaus als Erfolg verbucht werden kann.

Touri-Spaß hin oder her…

Zurück im Hotel bleibt uns nicht viel Zeit zum ausruhen, denn das nöchste Helsinki-Classic wartet auf uns.

Ein Sauna-Besuch muss sein, um den wollten wir auf keinen Fall herumkommen.

In Helsinki gibt es mehrere öffentliche Saunen, die aber gerade am Wochenende vorreserviert werden sollten, da sowohl Touris wie wir als auch Einheimische diese finnische Tradition hautnah erleben möchten, bzw. regelmäßig nutzen.

Also bereits im Vorhinein Tickets für einen 2-Stunden Slot gebucht und nach Rückkehr ins Hotel die Taschen geschnappt, um pünktlich um 17 Uhr am Hafen in der Sauna zu sein.

Wir schaffen es auch trotz verpasster Straßenbahn rechtzeitig zum Ticket-Shop, wo wir uns nur noch anmelden müssen.

Nur stellen wir Dank der Mitarbeiterin fest, dass wir leider an der falschen Sauna stehen.

„Allas“ (Die Besitzerkette) ist im Besitz zweier Saunen in Helsinki und wir haben (so fällt es uns auch brühwarm wieder ein) die Sauna auf einer kleinen Insel vor Helsinki gebucht! Weil uns die, die wir gerade besuchen, zu touristisch und modern ist. Weil wir nicht im Hafenbecken wie auf dem Präsentierteller saunieren wollen. Alles wird plöttzlich wieder klar wie die finnische Luft! Nur irgendwie etwas spät….und jetzt?

Laut Google Maps sind es nur zwei Kilometer, davon aber einer zu Fuß, da die Tram es nur bis auf einen Kilometer an den Steg, der auf die Insel führt, heranschafft.

Also wäre Bahn plus Fußweg etwas arg zeitintensiv und so versuchen wir unser Glück bei einem Uber-Fahrer, der rein zufällig an der Sauna steht. Nur, dass der eben nicht rein zufällig da steht, sondern auf vier Damen hinter uns wartet, die uns etwas irritiert anschauen. Entschuldigend eilen wir zu einem Taxi 20 Meter weiter, doch auch hier hoffen wir erfolglos. Ihm sei die Strecke zu kurz!

Ja…und uns zum laufen zu lang!

Spaßvogel, finnischer.

So entscheiden wir uns alternativlos, erstmal loszulaufen Richtung Tram, welche wir (Überraschung) um Sekunden verpassen.

„Perkele“

Unseren ohnehin schon verkürzten Saunabesuch fast schon aufgebend, hält doch noch ein weiterer Uber-Fahrer an, der frei UND gewillt ist, uns die zwei Kilometer zum Steg zu fahren.

Hier zeigt sich auch für uns zum ersten Mal der Grund, warum es in Helsinki im letzten Jahr nicht einen einzigen Verkehrstoten gab. Der Fahrer fährt so stoisch entspannt, erzählt von diesem und jenem, steigert seinen Tesla nie über 30 km/h und wirkt alles in allem wie ein nordischer Buddha!

Wir schätzen dennoch, dass wir zu Fuß langsamer gewesen wären und sind dankbar für die Fahrt.

So kommen wir „nur“ 30 Minuten zu spät zu unserem gebuchten Zeitslot, schlüpfen aus den Klamotten und rein in die (typisch finnische) Textilsauna! Immerhin das wussten wir und sind mit Badebekleidung und Hotel-Bademantel vorbereitet!

So geht es als Erstes in eine winzige von insgesamt ohnehin nur zwei Saunen, die mit einem Panoramafenster auf die zugefrorene Ostsee lockt. Leider ist dieses Säunchen nur für 4-5 Personen geeignet, so dass die Tür sehr oft geöffnet und von nicht passenden Saunagängern enttäuscht wieder geschlossen wird, was widerum die Innensitzenden ständig Wasser nachgießen und Aufguß um Aufguß versuchen lässt. Das führt nur leider dazu, dass es nicht wirklich heißer, sondern nur nasser wird. Also eher hölzernes Dampfbad mit 50 Grad, statt heißer finnischer Sauna!

Egal, erste Erfahrung ist erstmal sehr zufriedenstellend, denn allein die Tatsache, dass wir in Helsinki in einer Sauna sitzen, zaubert uns allen ein Strahlen ins Gesicht!

Nachdem uns dann doch halbwegs warm wird, entscheiden wir uns für die erste Abkühlung. Diese liegt ca. 50 Meter entfernt in Form eines Lochs im Ostsee-Eis.

Ida bevorzugt eine Rolle durch den Schnee, wir trauen uns (ich zuerst nur bis zum Becken, beim zweiten Mal dann doch komplett) bis zum Hals ins eiskalte Wasser. Plötzlich sind die -18 Grad Außentemperatur für ganz kurze Zeit gar nicht mehr sooo kalt!

Wir schaffen insgesamt drei Saunagänge, wobei wir bis auf den ersten die größere Sauna bevorzugen. Hier gilt zwar auch das Recht des Meistgießenden, aber es bleibt zumindest weitestgehend konstant heiß!

Was uns auffällt, ist, dass in Finnland die Sauna scheinbar mehr zum Socialising samt Bier, Wein und Sekt statt zum stillen Genuss benutzt wird. Offenbar taut der stoisch ruhige Finne ähnlich der Eidechse erst bei 80-90 Grad so richtig auf. Es lärmt mitunter lautet als auf manch deutschem Bahnhof und wir fragen uns, wie der typisch deutsche Saunagänger hier wohl reagieren würde.

Vermutlich mit einem lauten aus tiefster Seele kommenden „SCHHHHHTTTT“!

Wir sind jedenfalls trotz oder gerade wegen aller Widrigkeiten in der Anfahrt, unterschiedlicher Sitten und Gebräuche und dem ganzen Drumherum auf dieser kleinen Insel rundum zufrieden mit dem Sauna-Ausflug. Und mit dem Tag im Ganzen sowieso!

Morgen gehts weiter und es wird (im Nachhinein bestätigt) das absolute Highlight unseres Urlaubs!

Tagsdrauf holt uns Mikko um 10 Uhr mit seinem Van am Hotel ab und fährt mit uns knapp 40 Minuten raus in den Nationalpark.

Was aber immer noch Großraum Helsinki ist betont er mit ein wenig Stolz!

Während der Fahrt tauschen wir deutsche und finnische Gepflogenheiten wie die strikte Winterreifenpflicht samt Spikes aus (bis auf eine einzige Straße in Helsinki, die als Testobjekt dienen soll, ob spikefreie Winterreifen ggf weniger Feinstaub verursachen) und lernen ein wenig die Zusammenhänge der finnischen Sprache. Wiedergeben können wir es trotzdem nicht…

Am Parkplatz angekommen, schlüpfen wir in unsere Schneeschuhe, denn es seien nahezu perfekte Bedingungen für diese Art der Fortbewegung.

Schon kurz nach dem Start stehen wir mitten auf einem komplett zugefrorenen See. Unter uns 30 cm Schnee und 30 cm Eis und wir merken schnell, dass die Schuhe das Laufen deutlich vereinfachen.

Nun kommen wir zu einem Dilemma dieses Blogeintrags:

Wir könnten alle unsere Eindrücke, alle Momente beschreiben; versuchen, Farben, Weite, Gerüche, Geräusche (teilweise auch einfach nur Stille und das Knarzen der Schuhe unter uns) in gewohnt ausführlicher Form hier niederzuschreiben!

Nichts würde der Erfahrung auch nur ansatzweise nahekommen, die wir hier und heute gemacht haben! Das mag übertrieben klingen, aber es kommt unserer Einschätzung des Ausflugs einfach am nächsten!

Wir wandern über Seen, folgen Luchs-, Reh-, Fuch- und Hasenspuren, steigen Anhöhen hinauf auf Wegen, die wir selber finden müssen, bleiben immer wieder für spannende Infos stehen, die Mikko uns in völliger Gelassenheit erzählt und uns wiederum die Zeit gibt, sie Ida weiterzugeben, wenn sie auf Englisch nicht folgen kann.

Auf halber Strecke, an einem weiteren See, machen wir Rast, hacken Holz für ein kleines Lagerfeuer, über dem wir eigens mitgebrachte Würstchen, Brot und Zimtschnecken grillen, bzw erhitzen!

Selbst für Kaffee und heißen Johannisbeer-Saft ist gesorgt und so sitzen wir mitten im finnischen Winterwunderland im Schnee, grillen Würstchen über dem (von Ida!) gehackten Holz und genießen den Moment, den uns jetzt gerade kein Trump, kein Putin oder wer auch immer nehmen kann!

Im Japanischen gibt es für die Freude an den kleinen Dingen (als eine von vier Säulen) einen Begriff oder eher ein Konzept für den Lebenssinn oder den Grund, warum man morgens aufsteht. Es nennt sich „Ikigai“! Und ich glaube, hier und jetzt ist Ikigai allgegenwärtig!

Wir wandern zurück, gehen querfeldein, probieren Wacholderbeeren vom Strauch, testen die Schuhe und unser Können mehr ungewollt auf Herz und Nieren, als wir uns für den deutlich steileren und somit auch waghasigeren Weg entscheiden, haben aber auch hier ungemein viel Spaß, so dass selbst Mikko einsteigt und herzlich mitlacht.

Er macht das Ganze nun schon knapp sechs Jahre und genießt jede Tour aufs Neue, liebt die Natur, entdeckt ständig Veränderungen in der Umgebung und sagt, dass er sich keinen schöneren Job mehr vorstellen kann.

Wir könnens verstehen und sind unglaublch dankbar für diese beeindruckende Erfahrung, die Bilder und seine Gesellschaft!

Natürlich hat jeder Spaß irgendwann ein Ende und so geht es sieben Stunden nach dem Start pünktlich zur einbrechenden Dunkelheit zurück zum Hotel.

Mit einer herzlichen Verabschiedung (Hände schütteln) trennen sich unsere Wege wieder und nach einem schnellen Abendessen wollen wir nur noch eins. Duschen und schlafen.

Schließlich geht es am nächsten Tag schweren Herzens zurück nach Hause.

Waren wir zu Beginn unserer Planung eher skeptisch, was die Möglichkeiten und den Abwechslungsreichtum in Helsinki betrifft, schauen wir jetzt auf die Tage zurück und würden behaupten, dass dies unser bisher bester und umfangreichster Städtetrip war.

Wir hatten für uns alle ausreichend viel Stadtbummel, eisige Nationalsportart, schwitzendes Nationalhobby, wunderschönen Nationalpark und ein bisschen nationale Küche! Und das alles an einem (verlängerten) Wochenende.

Helsinki ist aus unserer Sicht also sowas von eine Reise wert und wer weiß, ob es nicht auch uns nochmal hierher verschlägt!

Raportoimme! Ensi kerralla!

Kettu, Jänis ja Pähkähuiri

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
3 Tage
Wetter
Winter · -18°C
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichKulturellEntspannend
  • Sauna auf einer Insel in Helsinki
  • Eisbad im Ostsee-Eisloch
  • Schneeschuhwanderung mit Mikko im Nationalpark
  • Würstchen und Zimtschnecken am Lagerfeuer
  • Rentierfütterung im Schnee
BadebekleidungHotel-BademantelSchneeschuheWinterkleidungWürstchenBrotZimtschnecken
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